Nikolausfeier

Keine Angst vor dem Nikolaus

Friedrichshafen / Lesedauer: 2 min

„Helferkreis Asyl St. Columban“ lädt Flüchtlinge zur Adventsfeier ins Gemeindehaus Arche ein
Veröffentlicht:10.12.2018, 19:06
Aktualisiert:22.10.2019, 14:00

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Friedrichshafen - Richtig viel los ist am Samstag im Gemeindehaus Arche in St. Columban gewesen: Der „Helferkreis Asyl“ hatte zur diesjährigen Nikolausfeier eingeladen und viele Flüchtlinge kamen. Darunter zahlreiche Familien, die in der Erstaufnahme im Wohnheim in der Paulinenstraße untergekommen waren und jetzt in der Umgebung eine Wohnung gefunden haben.

Die Stimmung ist adventlich. Leckere „Brötle“ und Zopfbrot stehen auf den hübsch dekorierten Tischen. Gespräche kommen schnell in Gang. An allen Tischen herrscht ein reges Stimmengewirr. Wie immer ist auch eine Mal- und Bastelrunde vorbereitet, die von den Kindern gerne angenommen wird. Pfarrer Bernd Herbinger liest die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium vor, die auch auf Arabisch übersetzt wird. Die Zuhörer erfahren aber auch davon, dass im Koran von der Geburt Jesu berichtet wird. Beim von Kantorin Marita Hasenmüller angestimmten „Lasst uns froh und munter sein“ wird vor allen von den zahlreich anwesenden Kindern fleißig mitgesungen. Und dann kommt er, der hohe Gast, der von allen sehnlichst erwartet wird. Natürlich hat der Nikolaus nicht nur Knecht Ruprecht, sondern vor allem süße Geschenke mitgebracht. „Wer von euch kann mir ein Gedicht oder ein Lied vortragen?“, fragt er in die Runde der Kinder und schnell gehen ein paar Finger hoch. Berührungsängste mit dem Nikolaus gibt’s offenbar keine – auch nicht bei den Kleinsten.

„Ich bin heute zum ersten Mal hier und gespannt, was mich erwartet“, sagt Yashar Badrkhan. Die 22-jährige Syrerin ist vor drei Jahren in Dortmund angekommen. Erst vor wenigen Wochen hat sie geheiratet und ist nun zu ihrem Mann nach Friedrichshafen gezogen, der sich mittlerweile als Schneider selbständig gemacht hat. „Mir gefällt es hier am Bodensee. Ich mache derzeit eine Ausbildung zur Pharmazeutisch-Technischen Assistentin“, erzählt sie in gutem Deutsch und wäre demnach auch an einer Anstellung im Einzelhandel interessiert. Neben ihr sitzt ihre Schwägerin Yihan Muslem. Sie freut sich, dass ihre siebenjährige Tochter Ranya bereits in die Schule geht. „Zusammen mit meinem kleinen Sohn besuche ich derzeit einen Mutter-Kind-Deutschkurs“, sagt sie. Bereits zum zweiten Mal ist die Irakerin Fatima Kasem Jerdo bei der Nikolausfeier dabei. „Ich gehe auch regelmäßig zum Freitags-Café in der Paulinenstraße 35“, sagt die vierfache Mutter. Dass es dort nicht nur einen gemütlichen Hock bei Kaffee und Kuchen gibt, wird von Gerda Marseglia betont. „In dem von mir angebotenen interaktiven Sprachkurs geht’s um umgangssprachliche Kompetenz“, sagt die pensionierte Schulleiterin.