Galeristenpaar

Josef Briechles Bilder wecken den Entdeckergeist

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Galerie Gros zeigt Werke des 77-jährigen Künstlers
Veröffentlicht:30.05.2016, 16:33
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

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In lockerer Atmosphäre hat am Sonntagmorgen das Galeristenpaar Petra und Frieder Gros seine neue Ausstellung eröffnet. Besonders groß war die Freude, dass es wider Erwarten am späten Vormittag noch trocken blieb, so dass man in Ruhe die Bilder hinter den Schaufenstern betrachten und den Ausführungen von Frieder Gros und dem Künstler Josef Briechle aus Waldshut-Tiengen folgen konnte.

„I kann meh mit de Säge umgehe als erzähle“, sagte der Künstler und erzählte doch locker von seiner Arbeit: „Im Verzascatal, in Sion, in Zürich, überall steht das Zeug rum, man muss es loslassen, wenn es gemacht ist.“ Mit dem „Zeug“ meinte er allerdings nicht die ausgestellten Bilder, sondern seine bis zu vier Meter hohen Holzskulpturen und die Betonarbeiten, mit denen er bekannt worden ist. Dabei hatte man den heute 77-Jährigen damals, als er studieren wollte, an der Akademie abgelehnt.

So hat er die Meisterprüfung als Stuckateur abgelegt, hat seinen eigenen Betrieb gegründet, in dem er auch Barockarbeiten restaurierte. Auch während seiner „Handwerkszeit“ habe er immer parallel Kunst gemacht und schließlich vor rund 25 Jahren seinen Betrieb geschlossen und ein Leben als freischaffender Künstler begonnen. „Eine gute Lösung“, meinte er rückblickend. Jahrelang habe er vor allem Holzstelen und grafisch angelegte Reliefs aus Holz geschaffen. Fläche und Struktur interessierten ihn, besonders eine glatt polierte Oberfläche. An 35 Bildhauersymposien in Europa hat er entweder teilgenommen oder sie organisiert, erst jetzt ist er für ein Symposium in St. Blasien ausgewählt worden, als einer von zwölf Teilnehmern: 200 Bewerbungen aus aller Welt wareneingegangen.

Farbenprächtige Suchbilder

Weniger gefalle ihm, dass ihn inzwischen andere Künstler kopieren: „Da mach i was anders.“ Und dieses neue Andere ist bei Gros zu entdecken.

Bleibt man noch etwas weg von den großen Scheiben der Schaufenstergalerie, dann sieht man wunderbar farbige Kompositionen, ein Meer von Farben und Formen. Doch es lohnt, ganz nahe zu kommen, denn dann entdeckt man erst, woher diese Farben kommen. Die reinsten Suchbilder sind es, in denen der Gourmet die schönsten Früchte und Gemüse, aber auch Spaghetti, Fisch, Torten, Mozartkugeln und andere Genüsse findet, dazu Blüten, Landschaften, Meer, Klippen, Dörfer wie auch schöne Frauen, die Schwarzwälderin mit Bollenhut ebenso wie die prächtig geschmückte Inderin. Er liebe Frauenzeitschriften, erzählt der Künstler schmunzelnd. Er reißt und schneidet solche Herrlichkeiten aus. Dann beginnt das Arrangieren. Es mache ihm Spaß, Dinge, die eigentlich gar nicht zusammenpassen, zu verbinden. Und das bleibt nicht dem Kleben überlassen: Der Maler bindet die Dinge in eine stimmige Komposition ein, die den Entdeckergeist herausfordert.

Die Ausstellung ist bis zum 24. August in der Schaufenstergalerie Gros, Friedrichstraße 31, zu sehen.