Friedrichshafen

Jansen: „In Deutschland funktioniert der soziale Lift nicht“

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Eine Diskussion in der Zeppelin Universität über den „Arbeitsplatz von morgen“
Veröffentlicht:21.09.2012, 14:40
Aktualisiert:25.10.2019, 06:00

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Erfrischend moderiert von den ZU-Studenten Eva Zepp und Nicolai Kubbig haben die CDU Bodenseekreis, der Ring Christlich Demokratischer Studenten und die Christliche Gewerkschaft Metall am Donnerstagabend zu einer Podiumsdiskussion über den „Arbeitsplatz von morgen“ in die Zeppelin Universität eingeladen. Um es vorweg zu nehmen: Den kennt offenbar (noch) keiner.

Schafft‘s Deutschland, die Zukunftsprobleme zu bestehen? Publizist Oswald Metzger antwortet einem Studenten mit einem klaren Ja. Deutschland habe in den vergangenen 20 Jahren gigantische Herausforderungen gemeistert. Zum einen die Wiedervereinigung, zum anderen den Anpassungspreis für den Euro, in dessen Verlauf 80 Prozent der Bevölkerung in den vergangenen 15 Jahren keinen Cent mehr verdient haben. Allerdings – siehe oben – wie dieses „Probleme meistern“ ganz anderer Art infolge des demografischen Wandels und der sich ständig verändernden Arbeitswelt aussehen sollen, blieb unbeantwortet.

Der „eigentliche Skandal in Deutschland“ ist nach Meinung von Professor Dr. Stephan A. Jansen , dass kein „Aufstieg durch Bildung“ gegeben ist. „In Deutschland funktioniert der soziale Lift nicht“, kritisierte er. Neuesten Untersuchungen zufolge erreichten erstmals mehr Kinder nicht den Bildungsabschluss ihrer Eltern. In anderen Ländern sehe das deutlich anders aus. Oswald Metzger pflichtete bei: Von Bildungsarmut seien immer größere Bevölkerungsschichten betroffen. Er geißelte die „Beamtenversorgung de luxe“ für Politiker, denn er weiß, nach seiner achtjährigen Bundestagszugehörigkeit ab seinem 65. Geburtstag einen Anspruch auf monatlich 2375 Euro Pension zu haben, und das, obwohl er in dieser Zeit nichts für seine Altersversorgung getan hat.

Bei Umfragen unter Berufsanfängern werde der Staat als „Lieblings-Arbeitgeber“ genannt, habe sich eine „Sehnsucht nach dem Staat entwickelt“, nach „Planbarkeit“, dabei seien die öffentlichen Kassen leer. Metzger will „Subsidiarität“. Das künftige Arbeitsleben müsse mit technische Entwicklungen, Familienplanung und Pflege vereinbart werden, wie allerdings das richtige Konzept aussieht, weiß auch er (noch) nicht. Zur Problembewältigung seien gemeinsame gesellschaftliche Anstrengungen nötig, warnte er vor einem Herumdoktern an Lösungen und damit vor einem Versündigen an der künftigen Generation.

Ingo Metzer, Vice President Human Resources bei der Tognum AG, berichtete von 10 000 Bewerbungen, die pro Jahr bei seinem Unternehmen eingehen und eingestellten 108 neuen Azubi allein in diesem Jahr. Tognum ist als Ausbildungsbetrieb gesucht, hätte gerne mehr Frauen im Unternehmen wie auch in Führungspositionen. Adalbert Ewen, Bundesvorsitzender der CGM, sieht die deutsche Arbeitswelt auf dem Weg zu einer „vernünftigen Flexibilisierung“ und in der „Subsidiarität“ eine wichtige Herausforderung.

Die junge Generation hat eine andere Wertschätzung von Arbeit, sucht sinnstiftende Arbeit, entscheidet sich für Fachkarriere statt Führungskarriere, weiß Professor Dr. Jansen. Da sich die Arbeitswelt von Arbeitgeber- zu Arbeitnehmer-Märkten wandle, hätten sie „schöne Aussichten“. Immerhin das weiß man schon.

Apropos mehr Frauen in der Arbeitswelt: Das Podium war nicht gerade zukunftsorientiert besetzt, wie eine Studentin auf Besserung bei künftigen Veranstaltungen hofft. Denn ihre Kommilitonin Eva Zepp stand fünf Männern gegenüber (behauptete sich aber bravourös).