Insekt

Insekten als Metapher für ungehemmte Gefräßigkeit

Friedrichshafen / Lesedauer: 2 min

Schaufenstergalerie Gros zeigt Holzdrucke und Monotypien von Erika Zehle
Veröffentlicht:29.08.2016, 13:58
Aktualisiert:23.10.2019, 13:00

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Riesige Heuschrecken und andere Insekten ziehen in der Schaufenstergalerie Gros magisch die Blicke an. Noch bis zum 31. November zeigt die Galerie in der Friedrichstraße 31 Holzdrucke und Monotypien von Erika Zehle.

Schon während ihres Studiums der Zahnmedizin, das sie mit Promotion abgeschlossen hat, hat Erika Zehle eine Ausbildung im Zeichnen gemacht und auch danach der Kunst einen großen Raum in ihrem Leben eingeräumt. Auch als Frau und Mutter von vier Kindern hat sie noch regelmäßige Studien an der Europäischen Akademie für Bildende Kunst in Trier betrieben. Besonders beeinflusst hat sie die Beschäftigung mit dem Holzschnitt bei Bodo Borsig.

Mit großen Holzschnitt-Arbeiten auf chinesischem Rollenpapier und auf Leinwand erzählt auch die Ausstellung in der Schaufenstergalerie Gros von ihrer Leidenschaft für diese künstlerische Technik. Bodo Borsig sei schon damals sehr frei mit der Technik umgegangen und Erika Zehle hat diese Freiheit auch in ihren eigenen Arbeiten gefunden. Denn ihre Werke entstehen nicht auf einem einzigen Druckstock, sondern sie zeichnet die gewünschten Elemente auf, sägt die Holzformen aus, bearbeitet sie und verwendet sie wie Stempel. So könne sie im Gegensatz zur Malerei immer noch verändern und variieren, auch die Farbe wechseln. Diese Möglichkeit, mit ähnlicher Thematik „herumzuspielen“, fasziniert die Künstlerin – und sie fasziniert auch den Betrachter.

Bekämpfte im Mittelpunkt

Das Thema Insekten, insbesondere Heuschrecken, habe sie gefunden als Metapher für eine ungehemmte Gefräßigkeit – so sei ein ganzer Totentanz mit der Heuschrecke entstanden. Eine andere Anregung fand sie beim Gang durch die Obstanlagen, die regelmäßig gegen Insekten gespritzt werden – so entstand der Gedanke, die Bekämpften in den Mittelpunkt zu stellen, ihre filigrane Schönheit hervorzuheben. Auch wenn sie auf langen Bahnen die fast die ganze Höhe der Schaufenster einnehmen, in überdimensionaler Größe erscheinen, fasziniert ihre Leichtigkeit, die Durchsichtigkeit der verschieden farbigen Flügel. Erika Zehle hat die Tiere genau beobachtet, die großen Netzaugen, die Fühler an den schwarzen Köpfen, die Leiber mit ihren „Wespentaillen“.

Luftig sind sie auf den großen Bahnen verteilt, schwirren um duftige Blüten und Blätter. Schnell vergisst man die Assoziationen an ungeliebte Plagegeister, sodass Galerist Frieder Gros zuletzt schmunzelnd fragte: „Ob wir jetzt liebevoller mit den Schnaken umgehen?“ Das wohl nicht, aber solange die Insekten aller Art in künstlerischer Form hinter Glas verbannt sind, können wir ihren Anblick in Ruhe genießen.