Erkrankung

Hitzebedingte Erkrankungen nehmen zu

Friedrichshafen / Lesedauer: 2 min

Klimaschutz ist gleichzeitig Gesundheitsschutz
Veröffentlicht:09.07.2021, 10:25

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Der aktuelle Versorgungs-Report „Klima und Gesundheit“ des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt laut Mitteilung der AOK auf, wie stark der Klimawandel die Gesundheit der Menschen beeinträchtigt. Am Beispiel der zunehmenden Hitzeperioden hat das Klimaforschungsinstitut Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) untersucht, wie viele Krankenhauseinweisungen in den Jahren 2008 bis 2018 auf die Hitze zurückzuführen waren.

Jeder vierte AOK-Versicherte über 65 Jahre ist demnach überdurchschnittlich gefährdet, an heißen Tagen gesundheitliche Probleme zu bekommen und deshalb ins Krankenhaus zu müssen. Leichte Entwarnung gibt es für den Bodenseekreis . Hier lagen die hitzebedingten Krankenhauseinweisungen bei den über 65-jährigen etwa 21 Prozent unter dem Landesdurchschnitt.

Dennoch: Im Jahr 2019 wurden 372 AOK-Versicherte aus der Region Bodensee-Oberschwaben wegen Hitzeschäden ärztlich behandelt, davon 89 aus dem Bodenseekreis. Die Zahl der Betroffenen stieg im Landkreis von 2015 bis 2019 jährlich um durchschnittlich 1,4 Prozent. „Wenn die Erderwärmung ungebremst voranschreitet, dann könnte sich bis zum Jahr 2100 die Zahl der hitzebedingten Klinikeinweisungen in Baden-Württemberg versechsfachen“, erläutert Roland Beierl . Der Geschäftsführer der AOK Bodensee-Oberschwaben geht davon aus, dass sich die bereits heute spürbaren Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit in Zukunft weiter verstärken werden.

Dabei wirkten die häufigeren und stärkeren kurzfristigen Temperaturschwankungen belastend auf den menschlichen Körper. „Steigende Temperaturen ermöglichen zudem die Ausbreitung von Überträgern von Infektionskrankheiten, also von Mücken und Zecken“, so Beierl. Das betreffe Infektionskrankheiten wie die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose, aber auch neue Infektionskrankheiten wie das West-Nil-Fieber. Allergiker litten unter veränderten Wetterbedingungen, die die Verbreitung von Pollen begünstigen.

Von den Folgen des Klimawandels, von Hitzeperioden und erhöhten Ozonwerten sind nicht nur ältere Menschen, sondern auch chronisch Kranke, jüngere Kinder, Schwangere und Menschen, die im Freien arbeiten, betroffen.

Laut den Ergebnissen einer WIdO-Befragung, die im Versorgungs-Report dargestellt ist, signalisiert ein Drittel der Bevölkerung Informationsbedarf: „Die meisten Menschen passen ihr Trinkverhalten an heißen Tagen an, doch weniger als die Hälfte greift zu Sonnenschutzmittel und hautbedeckender Kleidung, achtet bewusst auf Feinstaub- und Ozonwerte oder verwendet etwa eine Pollenflug-App“, entnimmt Beierl der Umfrage und weist darauf hin, dass eine strikte und nachhaltige Klimapolitik, die den weiteren Temperaturanstieg begrenzt, die effektivste Maßnahme sei, um eine Belastung des Gesundheits- und Pflegesystems zu vermeiden.