Heimpremiere

Herrsching crasht Häfler Heimpremiere in der Bodensee-Airport-Arena

Friedrichshafen / Lesedauer: 5 min

Der VfB Friedrichshafen hat den Auftakt in der neuen Heimat vermasselt. Vor ausverkauftem Haus verloren die Häfler Volleyballer ein emotionales Spiel gegen Herrsching mit 1:3. Was den Ausschlag gab.
Veröffentlicht:07.01.2023, 23:35
Aktualisiert:08.01.2023, 16:39

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Im ersten Heimspiel in der frisch umgebauten Bodensee-Airport-Arena hat der VfB Friedrichshafen eine Niederlage kassiert. Der Tabellenzweite der Volleyball-Bundesliga verlor am Samstagabend nach zehn Siegen am Stück mit 1:3 (22:25, 25:22, 19:25, 22:25) gegen die WWK Volleys Herrsching. „Wir haben das ganze Spiel nie die Durchschlagskraft und die richtigen Mittel gefunden“, analysierte VfB-Trainer Mark Lebedew . Er beschrieb die Heimpremiere vor ausverkauftem Haus in der neuen Heimat dennoch als „schönes Gefühl“ und ist sich sicher: „Es wird hier bessere Tage geben, die stärker in Erinnerung bleiben werden.“

So gefällt den Fans die neue Arena

Das Häfler Team ist von den Zuschauern mit einem großen Applaus empfangen worden. Zur Heimpremiere in der Bodensee-Airport-Arena war jeder einzelne der 1000 Plätze besetzt und alle freuten sich auf den ersten Volleyballabend in der neuen Heimat. Die neue Trainings- und Spielstätte des VfB gefällt den Fans. „Das haben sie ganz gut hingekriegt“, meinte Kurt Schmitt aus Langenargen. Für normale Partien in der Bundesliga sei die Größe aus seiner Sicht auch ausreichend. „Besser eine kleine, ausverkaufte Halle als eine große, leere Halle“, so der 73-Jährige. Als längere Übergangslösung ist die Halle definitiv geeignet, wenngleich die Voraussetzungen in der Messehalle B2 laut Schmitt besser gewesen seien, da es dort unter anderem einen Kraftbereich gab. Ebenfalls positiv zur neuen Arena am Flughafen Friedrichshafen äußerte sich Uli Korioth aus Langenargen, zugleich Mitglied vom Fanclub Bluebears. Der 62-Jährige half bei den Bauarbeiten mit und war deshalb immer bestens über die Fortschritte informiert. Seiner Ansicht nach müsste die Arena eigentlich mehr Zuschauerplätze bieten. Doch als Zwischenlösung ist das vertretbar und die reduzierte Größe biete den Vorteil, dass es dadurch in der Halle „familiär“ sei.

Ihre sportlichen Erwartungen an die Begegnung gegen Herrsching waren hoch. Beide forderten von ihrem VfB ein 3:0. Um das zu realisieren, war laut Korioth das gesamte Team gefragt. Lebedew hatte die Qual der Wahl, ihm stand der komplette Mannschaftskader zur Verfügung. Am Geburtstag von Mannschaftsarzt Johann Kees belohnte Lebedew Mittelblocker Marcus Böhme, Außenangreifer Tim Peter und Libero Blair Bann für ihre jüngst starken Leistungen. Zudem starteten auch Diagonalspieler Michal Superlak , Andre Brown, Dejan Vincic und Vojin Cacic. Von draußen zusehen musste unter anderem Zuspieler Mateusz Biernat, frischgebackener Vater einer kleinen Tochter.

Was schon früh am Abend feststand: Die Forderungen von Schmitt und Korioth wurden nicht erfüllt. Friedrichshafen machte zwar in Person von Tim Peter den ersten Punkt in der neuen Häfler Spielstätte und erspielte sich auch einen deutlichen Vorsprung. Brown besorgte das 17:13 – die Gastgeber waren auf einem guten Weg, am Samstagabend vorzulegen. Allerdings verlor der VfB danach den Faden, die Ungenauigkeiten nahmen zu. Vor allem Superlak, dem nach Punkten besten Diagonalangreifer der Liga, unterliefen einige Angriffsfehler – er hatte nach dem ersten Spielabschnitt nur eine Erfolgsqoute von rund 42 Prozent. Das erlaubte Herrsching die Rückkehr in den ersten Satz. Der brasilianische Thiago Vanole verwandelte den zweiten Herrschinger Satzball zum 25:22.

Die selbstbewussten Bayern waren weiter gewillt, Partycrasher zu spielen. Friedrichshafen ließ die Effizienz vermissen – die Folge war ein 8:11-Rückstand. Im zweiten Satz stimmte dann aber die Blockstärke der Häfler, hier zeichneten sich Brown und Peter aus. Das brachte den VfB auf die Siegerstraße, für den entscheidenden Punkt zum 25:22 zeigte sich Superlak verantwortlich. Bitter: Cacic musste Mitte des Satzes aufgrund eines Magen-Darm-Infektes ausgewechselt werden. Seinen Platz nahm Luciano Vicentin ein.

Große Emotionen im dritten Satz

Im dritten Satz kochten dann zwischenzeitlich die Emotionen hoch. Beim Stand von 12:10 für Herrsching kam es zur Rudelbildung am Netz – Thomas Ranner, Ex-VfB-Co-Trainer und jetziger Trainer von Herrsching – versuchte zu vermitteln. Bis sich das Ganze beruhigte, vergingen jedoch einige Minuten. Sogar der VfB-Scout Radomir Vemic schaltete sich ein und machte seinem serbischen Landsmann Djordje Ilic und Libero Ferdinand Tille klare Ansagen. Herrsching, in der Liga bekannt für eine emotionale Spielweise, baute die Führung unmittelbar nach der Unterbrechung auf 15:10 aus. Die Häfler verkürzten danach auf 16:18, aber Herrsching ließ sich davon nicht beeindrucken. Ilic blockte Brown – 25:19 für den selbst ernannten „Geilsten Club der Welt“.

Lebedew reagierte auf die insgesamt durchwachsene Leistung von Superlak und Martinez, der im dritten Spielabschnitt einen Kurzeinsatz hatte, und ging es jetzt mit Stern und ohne etatmäßigen Diagonalangreifer an. „Ich habe Michal im dritten Satz eine Pause gegeben, man hat ihm die hohe Belastung in der Saison angemerkt. Aber er ist nicht stärker zurückgekommen und Miguel ist für so ein Spiel noch nicht ganz so reif“, erklärte Lebedew seine ungewöhnliche Maßnahme. Es hat „okay funktioniert, aber das ist nicht die beste Lösung“. Stern musste dann am Ende noch verletzt ausgewechselt werden. Eine Vorsichtsmaßnahme, meinte Lebedew. Für den Slowenen kam Kohn, an der drohenden Pleite konnte aber auch der Youngster nichts mehr ändern. Jonas Kaminski sicherte den WWK Volleys mit seinem Punkt zum 25:22 die drei wichtigen Zähler im Kampf um die Qualifikation für die Gruppe A der Zwischenrunde.

Champions-League-Gastspiel in Montpellier

Der VfB hat wenig Zeit, sich mit der Pleite zu befassen. Am Dienstag wartet auf die Häfler das fünfte Gruppenspiel in der Champions League. In Montpellier (19 Uhr, live auf sportdeutschland.tv) möchte Friedrichshafen das Weiterkommen fixieren. Nach einem Krafttraining am Sonntag beginnt am Montagmorgen die Reise nach Frankreich.