Kreishandwerkerschaft

Handwerk hat Groß viel zu verdanken

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Handwerk hat Groß viel zu verdanken
Veröffentlicht:30.07.2010, 16:20
Aktualisiert:26.10.2019, 01:00

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Heute, 31. Juli, ist offiziell Schluss. Dann war Hans Groß 43 Jahre bei der Kreishandwerkerschaft, davon 39 Jahre als deren Geschäftsführer. Keiner vor ihm hat sich solche Verdienste um das Handwerk in der Region erworben wie er. Am 24. August wird er gefeiert.

Korrekt und unbestechlich wie er immer war, hat Hans Groß auch nach seinem 65. Geburtstag am vergangenen Sonntag nicht etwa schon ein paar Tage früher den Ruhestand eingeläutet. Sein Terminkalender blieb bis zuletzt ausgefüllt. Wer ihm in seiner letzten Arbeitswoche noch eine Stunde abknapsen wollte musste sich sputen.

Hans Groß war junge 24 Jahre alt, als er am 1. Oktober 1967 als Assistent der Geschäftsführung zur Kreishandwerkerschaft nach Friedrichshafen kam. Der gebürtige Rottenburger (am Neckar) hatte Großhandelskaufmann gelernt, eine exzellente Ausbildung genossen, in der er auch Ausdauer und Belastungen gelernt hat, wie er sich erinnert. Anschließend wechselte er in die Elektronikindustrie nach Reutlingen, war in der Betriebsbuchhaltung tätig und dort für 1200 Mitarbeiter beschäftigt.

In Friedrichshafen suchte die Kreishandwerkerschaft ein Assistenten der Geschäftsführung, und Hans Groß bewarb sich, ohne zu wissen, was eine Kreishandwerkerschaft eigentlich ist. Das sollte er allerdings bald wissen, denn er wurde genommen und bezog seinen Schreibtisch in der damaligen Geschäftsstelle in der Katharinenstraße.

Jetzt sollten ihm seine Kenntnisse aus der Elektronikindustrie zugute kommen, denn die Elektronikschule in Tettnang war eben (1963) eröffnet worden und hier war Verstärkung in Sachen Aus- und Weiterbildung gefragt. Das passte. Die Elektronikschule in der Montfortstadt war übrigens die erste des Handwerks in Deutschland. Hans Groß hatte unter anderem die Aufgabe, Seminare, Vorträge und Schulungen abzuhalten, was auch für alle Innungen galt, für die er geschäftsführend tätig war. In dieser Zeit organisierte er nebenbei die erste Informationsreise des Handwerks mit 120 Personen nach New York, er bereitete Verbandstage am Bodensee vor und regionale Veranstaltungen am See. „Eine spannende Zeit“ sei das gewesen, erinnert sich der scheidende Geschäftsführer.

Dickes Kompliment

Eines Tages sprach ihn Messedirektor Hubertus Bürgl an, um ihm die Messe Dornbirn zu zeigen, auf der sich das Vorarlberger Handwerk präsentierte. Der Messemann hatte ihm einen Gedanken eingepflanzt, den er gerne aufgenommen hat. Das Handwerk aus dessen Alltag herauszuholen und in die Öffentlichkeit zu bringen, das konnte er sich gut vorstellen. Die Bäcker machten 1969 den Anfang, in der Folge machten alle Gewerke mit, selbst so kleine Innungen wie die der Kachelofenbauer oder der Schneider. Hans Groß brachte das Handwerk auf die IBO in Friedrichshafen, auf die Oberschwabenschau nach Ravensburg und zu handwerklichen Spezialschauen. Er rief die verschiedenen Innungen zusammen, entwickelte Kooperationen, die Leute lernten sich kennen, und sie profitierten von Seminaren, die er aufzog.

In der neuen Geschäftsstelle arbeitete er in all den Jahren mit einem „überschaubaren Team“, das immer informiert war, wobei seine langjährigen Mitarbeiterinnen immer die höchstmögliche Leistung gebracht haben, wie er lobt. 2200 Handwerksbetriebe mit 12 000 Beschäftigten und 16 Innungen mit 600 Mitgliedsbetrieben gehören zur Kreishandwerkerschaft. Ein dickes Kompliment machte er zum Abschied den handelnden Obermeistern, deren Stellvertretern und den Vorständen, von denen er immer einen guten Rückhalt verspürt habe.

Was der Rentner Hans Groß ab morgen macht? Er werde sicher „kein Berater“, sagt er. Er freut sich auf einen Tagesablauf ohne Terminkalender, auf seine Hobbys wie das Tennisspielen und Wandern. Vor dem Hintergrund seiner 2002 gestorbenen Frau ist er dankbar, dass er bis zu seinem 65. Lebensjahr einen guten Job machen durfte.

Überzeugt, dass es ihm nicht langweilig wird, ist er schon deshalb, weil sich bei seinen drei Enkeln herumgesprochen hat, dass der Opa demnächst viel Zeit hat.