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Einschränkungen bis Sommer

Händler und Gastronomen ärgern sich über Sperrung der Friedrichstraße

Friedrichshafen / Lesedauer: 7 min

Die Häfler Friedrichstraße wird umgestaltet und ist deswegen gesperrt. Während die einen bislang wenig Auswirkungen spüren, sehen sich andere in ihrer Existenz bedroht.
Veröffentlicht:16.03.2023, 12:30

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Die Friedrichstraße ist seit Donnerstag, 9. März, gesperrt. Das wirkt sich auf die anliegenden Geschäfte, Cafés und Hotels ganz unterschiedlich aus.

Während die einen positive Effekte wahrnehmen, fürchten andere um ihre Existenz. Zu Letzteren zählt Tino Jaeger, Inhaber des Miele–Centers Jaeger. „Wir sind von der Außenwelt abgeschnitten“, teilt er seinen Eindruck.

So wie die Situation aktuell ist, ist sie geschäftsschädigend.

Lars Reufsteck

Ein Eindruck, der durch die Bauzäune entlang des Gehwegs verstärkt werde. Momentan komme fast gar niemand mehr. Die Umbauarbeiten sollen laut Stadt bis voraussichtlich Anfang Juli dauern. „Wenn das bis Juli so bleibt, wird es für uns eng“, lautet seine Befürchtung.

Gäste wissen nicht, wie sie herkommen sollen

„So wie die Situation aktuell ist, ist sie geschäftsschädigend“, sagt auch Lars Reufsteck, Pächter der Buchhorner Stuben und des Pavillons am See. „Wir wissen nicht, wie wir so bis Juli durchhalten sollen.“

Er spricht von einem Rückgang der Gäste zwischen 30 und 40 Prozent. „Die Leute wissen nicht, wie sie herkommen und wo sie parken sollen“, fasst sein Partner Marco Abt zusammen. „Dann suchen sie sich eben ein anderes Lokal.“

In der Schillerstraße, die zu den Buchhorner Stuben absticht, wurden auf der einen Seite die Parkplätze gesperrt, ebenso im Teil der Straße, die zum Bahnhof führt.

Sorgen, was die Vollsperrung bedeutet

Die beiden Gastronomen wundern sich, warum die Stadt nicht mit Bauabschnitten geplant und warum die ganze Straße bis Juli nur mit Ausnahmegenehmigungen befahren werden darf. Oder warum das Parkverbot in der Schillerstraße am Abend nicht aufgehoben wird.

„Eine Sperrung in Abschnitten hätte die gesamte Bauzeit verlängert, da dann die Baustellenplanung deutlich aufwändiger wäre“, teilt die Stadt auf Nachfrage mit. Sprecherin Monika Blank verweist auf die Linienführung im ÖPNV und die Umleitungen, die dann mehrfach hätte geändert werden müssen. 

Tino Jaeger fühlt sich durch die Baunzäune wie abgeschnitten von der Welt.
Tino Jaeger fühlt sich durch die Baunzäune wie abgeschnitten von der Welt. (Foto: Anke Kumbier)

Sorge bereitet den beiden Gastronomen aber auch die voraussichtliche Vollsperrung vom 11. bis zum 18. April und wie ihre Lieferanten sie dann erreichen sollen. Sie wollen die Situation nicht einfach so hinnehmen. „Wir sind gerade dabei zu prüfen, welche Schritte wir gehen können“, sagt Reufsteck.

Hotels merken bisher wenig von der Sperrung

Noch nicht bemerkbar macht sich die Sperrung hingegen beim Hotel Buchhorner Hof im selben Gebäude, wie Empfangsmitarbeiter Alexander Mehret berichtet. Er geht aber davon aus, dass das noch kommen wird und sieht vor allem bei der Anfahrt und den fehlenden Parkplätzen Konfliktpotenzial.

„Wir merken die Sperrung, weil sich manche Gäste verspäten oder Schwierigkeiten haben, das Hotel zu finden“, sagt hingegen Hanne Junginger vom Lukullum.

Axel Leitsmann, Direktor des Seehotel, teilt mit, dass die Sperrung bisher keine Auswirkungen auf die Gästezahlen habe. Allerdings reagierten die Anreisenden teilweise ungehalten, vor allem über die Anfahrt durch die Schillerstraße.

„Da die ganze Situation ja noch recht neu ist, muss sich das ein oder andere auch erst einpendeln, bis es dann funktioniert“, gibt sich Leitsmann optimistisch.

Ebenfalls keinen Grund zu klagen sieht Emanuel Stocker, Pflegedienstleiter der evangelischen Heimstiftung, die sich zwischen Lukullum und Miele–Jaeger befindet. Die An– und Abfahrt für die Autos der Tagespflege und für die Essen–auf–Rädern–Fahrer sei bisher kein Problem gewesen.

Aufenthaltsqualität in den ersten Tagen sogar gestiegen

Die Umfrage unter den Händlern, Gastronomen und Hoteliers zeigt, dass die Auswirkungen je nach Lage unterschiedlich sind. Auch die Art und Weise, wie Kunden dorthin kommen, spielt eine Rolle.

Viele Kunden freuen sich sogar und sehen die Umgestaltung als Bereicherung.

Olivia Bucher

Das Café Gessler 1862, dessen Gäste vor allem zu Fuß unterwegs sind, verzeichnet bislang keine Einbußen, wie Mitarbeiter Philipp John berichtet.

Das beste daraus machen: So hat das Café Gessler auf Facebook auf die Sperrung reagiert.


„Die Leute haben es in letzten Tagen sogar genossen, draußen zu sitzen bei wenig Verkehr. Nur die Busse sind vorbeigefahren.“ Seit Dienstag wird allerdings direkt vor dem Café gebaggert. „Mal schauen, wie das mit dem Lärm wird.“

Olivia Bucher, deren Friseursalon schräg gegenüber der Karlstraße liegt, nimmt keine Einschränkungen wahr. „Viele Kunden freuen sich sogar und sehen die Umgestaltung als Bereicherung.“

Unterschiedliche Meinungen über die Umgestaltung

In diesem Punkt herrscht unter den Befragten allerdings Uneinigkeit. Während sich Bucher gespannt zeigt, wie es wird und Philipp John die Umgestaltung als richtigen Schritt in die richtige Richtung wertet, glaubt Ulrich Ellerbrock, Inhaber des Tattoostudios „Die fröhlichen Stecher“, nicht, dass sich dadurch die Aufenthaltsqualität steigern wird.

„Es kommen vielleicht mehr Leute vorbei, aber die werden wahrscheinlich nicht hier verweilen“, gibt Ellerbrock zu bedenken, der ebenfalls einen Rückgang bei den Kundenzahlen seit Beginn der Sperrung merkt.

Kritik an der Stadt

Kritik kommt auch von Reufsteck, Abt und Jaeger, unter anderem an der Kommunikation der Stadt. Ihnen fehlen konkrete Pläne, die das Vorhaben visualisieren.

„Wir wissen nicht, was sich für uns durch die Umgestaltung ändert, ob das für uns positiv ist oder nicht“, sagt Lars Reufsteck mit Blick auf die geplanten Podeste, die den Gehweg stellenweise vergrößern sollen.

Jaeger ärgert sich, dass eine Ausnahmeregelung, die für sein Geschäft gilt, nicht besser kommuniziert wurde. Weil er Haushaltsgroßgeräte vertreibt, hatte die Stadt mit ihm vereinbart, dass Kunden in Ausnahmefällen seinen Parkplatz anfahren dürfen, wie Stadtsprecherin Monika Blank bestätigt.

„Weitere Ausnahmen sind nicht möglich, da der Verkehr innerhalb der Baustelle aus Sicherheitsgründen für die Bauarbeiter, aber auch für den Ablauf der Baumaßnahme so gering wie möglich sein muss“, teilt sie weiter mit.

Jaeger bemängelt, dass die Streckenposten von dieser Regelung nichts wüssten und dass sie auf keinem der Schilder zu lesen ist. Seine Hoffnung: Dass die Stadt an dieser Stelle nachbessert.


Was geplant ist

Die Friedrichstraße bekommt ein neues Gesicht. Dazu gehört, dass es statt drei nur noch zwei Fahrspuren geben soll, auf denen neben Kraftfahrzeugen auch Radfahrer unterwegs sein sollen und auf denen Tempo 20 gilt.

Ebenfalls geplant sind unter anderem Podeste, die als Fläche für die Gastronomie, zur Begrünung oder für Fahrradstellplätze genutzt werden können, Pflanztröge, Querungshilfen, Anlieferparkplätze sowie eine neue Bushaltestelle.

Wo diese verschiedenen Maßnahmen entstehen sollen, zeigen Sitzungsunterlagen aus dem Gemeinderat vom Frühjahr 2022.

Podeste, die als Fläche für die Gastronomie, zur Begrünung oder für Fahrradabstellmöglichkeiten dienen sollen, sind demnach geplant:

  • vor der Hausnummer 29 (Tagespflege der Evangelischen Heimstiftung)
  • vor der Hausnummer 37 (Miele-Jaeger)
  • vor der Hausnummer 39
  • vor den Hausnummern 47 und 49
  • vor der Hausnummer 53 (Gessler 1862)
  • vor der Hausnummer 61 (Naschstore)
  • vor der 65 (Friseursalon von Olivia Bucher)
Vorstellungshilfe: So ähnlich könnten sich die Podeste in die umgestaltete Friedrichstraße einfügen.
Vorstellungshilfe: So ähnlich könnten sich die Podeste in die umgestaltete Friedrichstraße einfügen. (Foto: Hirthe Architekt BDA)

Pflanztröge sind im Plan eingezeichnet:

  • kurz nach der Einmündung der Olgastraße in die Friedrichstraße
  • vor dem kleinen Park am Stadtbahnhof
  • links und rechts der Einmündung der Riedleparkstraße in die Friedrichstraße

Querungshilfen sind laut Plan an diesen Stellen vorgesehen:

  • beim geplanten Minikreisel an der Kreuzung Olgastraße/Friedrichstraße
  • der Übergang zwischen den Buchhorner Stuben und dem Pavillon am See bleibt
  • ebenso die beiden bestehenden links und rechts des Stadtbahnhofs 

Anlieferparkplätze sind vor den Hausnummern 35 sowie 51 geplant. Eine neue Bushaltestelle soll gegenüber des Busparkplatzes (Nähe Graf-Zeppelin-Haus) entstehen. Der Busparkplatz bleibt, wird aber ebenfalls umgestaltet.