Titeltraum

Der Häfler Titeltraum zerschellt in Düren

Friedrichshafen / Lesedauer: 4 min

Friedrichshafens Volleyballer verlieren Halbfinale im DVV-Pokal nach schwacher Leistung mit 0:3
Veröffentlicht:21.12.2022, 21:41
Aktualisiert:22.12.2022, 07:28

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Von wegen frohe Weihnachten: Der VfB Friedrichshafen ist am Mittwochabend im Halbfinale des DVV-Pokals überraschend deutlich mit 0:3 (19:25, 22:25, 22:25) bei den Powervolleys Düren gescheitert und verpasste somit den erneuten Einzug ins Finale in Mannheim. Die Mannschaft machte sich das Leben mit vielen Fehlern und unkonzentrierten Aktionen selbst schwer. Wenig Druck mit dem Aufschlag, eine mäßige Blockabwehr und Probleme in Annahme wie Angriff bescherten dem VfB das unerwartete Aus.

Lebdew: „Das kann ich mir nicht erklären“

„Wir waren nicht einen Moment im Spiel“, sagte ein niedergeschlagener VfB-Trainer Mark Lebedew . „Die Mannschaft hat sich einfach nicht an den taktischen Plan gehalten. Außerdem haben wir ohne Energie gespielt – das kann ich mir nicht erklären. In allen Elementen haben wir zu viele Fehler gemacht.“ Anders als noch vor gut einem Vierteljahr bei den beiden letzten Gastspielen in der Dürener Arena, als die Häfler im Play-off-Halbfinale jeweils mit 3:2 die Nase vorn hatten, präsentierte sich am Mittwoch ein in vielen Phasen unkonzentrierter VfB – vom ersten Ballwechsel an. Der VfB-Coach vertraute zunächst der Starting Six aus dem Duell gegen die Berlin Volleys – Ziga Stern, Luciano Vicentín, Andre Brown, Aleksandar Nedeljkovic, Michal Superlak, Dejan Vincic und als Libero Nikola Pekovic.

Den besseren Start indes erwischten die Hausherren, gingen mit 6:2 und 11:6 in Führung. Bis auf 13:11 kamen die Häfler heran, doch vor allem mit dem Aufschlag machte Düren mehr Druck, kam immer wieder durch die Mitte zum Zug und baute den Vorsprung bis auf 22:16 vorentscheidend aus. Ein Aufschlagfehler von Vincentín besiegelte den Satzverlust.

Doch eben der Argentinier war es, der dem VfB in Satz zwei zum 4:0 verhalf. Der Vorsprung schmolz aber wieder schnell, Lebedew forderte mehr Konzentration. Ein völlig verunglückter Angriff von Brown brachte den 8:10-Rückstand. Es gab unnötige Fehler vor allem im Angriff, womit der VfB die Gastgeber immer wieder aufbaute. Eine Aufschlagserie von Sebastian Gevert sorgte für das 14:10. Die VfB-Angriffe kamen weiterhin zu selten durch, das zwischenzeitliche 13:18 wirkte bedrohlich, das 17:22 war letztlich nicht mehr zu kitten.Tobias Brand verwandelte zur 2:0-Satzführung.

Fast beschwörend sprach Lebedew auf seine Schützlinge ein, die jetzt mit dem Rücken zur Wand standen. Der dritte Satz stand zunächst auf des Messers Schneide – über 8:8 lagen die Häfler nach einem Gevert-Ass und einem Block gegen Superlak aber plötzlich mit 8:12 im Hintertreffen. Selbst der Elfmeter von Stern – er kam gänzlich frei zum Angriff – landete zum 8:13 im Aus. Mit sieben Punkten in Serie zum 15:8 standen auch hier schon früh die Zeichen auf Satzverlust. Lebedew brachte Marcus Böhme, Mateusz Biernat und Vojin Cacic – und nach einem aussichtslosen 12:18 wurde der VfB plötzlich stärker. Bis auf 22:23 durch Vicentín kamen die Häfler noch einmal heran, doch Matchwinner Sebastian Gevert besiegelte das VfB-Debakel.

Nur als Mittelgewichtler zum Schwergewichtskampf

Die 1200 Zuschauer waren aus dem Häuschen, der Jubel kannte keine Grenzen. Auf der anderen Seite ließen die VfB-Akteure enttäuscht die Köpfe hängen. Überraschend hatte Friedrichshafen den Rückenwind des 3:2-Erfolges am Samstag über den Bundesliga-Serienmeister aus Berlin nicht nutzen können, das Selbstvertrauen aus den bis dato 13 Siegen in 15 Pflichtspielen. Von einem Schwergewichtskampf, wie Dürens Trainer Rafał Murczkiewicz im Vorfeld sprach, war kaum etwas zu spüren – weil der VfB eben an diesem Abend nicht mitspielte und selten über die Rolle eines Mittelgewichtlers hinauskam.

Im siebten Volleyballhimmel schwebte nach der Partie Rafał Murczkiewicz: „Wir haben einfach großartig angenommen, das Trio mit Batanov, Brand und Ernastowicz war unzerstörbar. Wir haben schon die ganze Saison gut aufgeschlagen und uns endlich auch einmal belohnt.“ Mittelblocker Michael Andrei jubelte im Kreise seiner Mitspieler – und freute sich schon aufs Finale: „Es ist schon so lange ein Traum dieses Vereins, einen Titel zu gewinnen. Jetzt ist es nur noch ein Spiel.“

Für die Powervolleys lebt der Titeltraum, während der VfB diesmal nur die Rolle des Zuschauers übernimmt. Das machen die Häfler nur unger, aber für mehr waren sie am Mittwoch schlicht nicht gut genug.