Neue Kurtaxe

Häfler Hoteliers haben großen Mehraufwand durch Kurtaxe

Friedrichshafen / Lesedauer: 6 min

Gastgeber Uwe Felix und Moritz Rieger sprechen über die Belastungen, die die Einführung der Meldepflicht gebracht hat. Warum sie diese dennoch unterstützen.
Veröffentlicht:25.01.2023, 05:00

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Kurtaxe, ein Wort, das nun auch in Friedrichshafen kein fremdes mehr ist: Mit dem 1. Januar 2023 hat die Stadt nicht nur diese, sondern auch die Echt Bodensee Card (EBC) eingeführt. Was das genau für die Gastgeber bedeutet, dazu haben Hotel City Krone-Direktor Moritz Rieger vom Verkehrsverein Friedrichshafen und Traube am See-Hotelier Uwe Felix vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) einiges zu sagen.

„Friedrichshafen hat sich mit der Einführung schwerer getan als beispielsweise Hagnau, wo es die Kurtaxe schon gab. Mit der Stadt waren wir während des gesamten Planungsprozesses jedoch in einem konstruktiven Austausch“, sagt Uwe Felix. Doch er räumt auch ein: „Klar, eine hundertprozentige Zustimmung für die Karte und die damit verbundene Kurtaxe und Meldepflicht gibt es vermutlich weder im Verkehrsverein noch beim Dehoga.“

Geschäftsreisende nutzen Vorteile weniger

Für Hotels etwa, die überwiegend Geschäftsreisende beherbergen, sei die EBC eher uninteressant, da beruflich Reisende die Vorteile der EBC – also ermäßigter oder freier Eintritt in verschiedene Sehenswürdigkeiten und Vorteile im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) – kaum nutzen würden. „Die Gastgeber fragen sich an der Stelle natürlich, wozu sie dann den großen Aufwand mit der Kurtaxe betreiben müssen, wenn die Gäste diese gar nicht nutzen“, erläutert Felix. Auch Hotels im Hinterland, die noch nicht so an den ÖPNV angeschlossen sind, seien davon betroffen.

Wir verbringen viel Zeit damit, dass das alles funktioniert und das bindet Ressourcen – nicht nur finanziell

Moritz Rieger

„Die EBC ist eben vor allem für Familienurlauber. Dort findet sie Zuspruch“, fasst Moritz Rieger zusammen. Doch ganz gleich, ob Tourist oder Geschäftsreisender, so wie die Stadt nun auch durch die Kurtaxe einen Aufwand hat, so sind auch wir jetzt viel stärker gefordert“, fügt Uwe Felix an. Vor allem die EDV-Implementierung sei eine Hürde gewesen. „Wer das zeitgemäß und digital lösen wollte, musste als größerer Betrieb schon um die 10 000 Euro in die Hand nehmen“, berichtet Rieger. Und er nennt ein Beispiel aus dem neuen Alltag im Vergleich zum alten: Die Rezeption habe nun nämlich eine viel höhere Belastung. „Früher wurde der Hauptreisende einer Reisegruppe erfasst. Jetzt müssen wir alle Daten von allen Reisenden aufnehmen. Und da geht es um 50 bis 80 Checkouts täglich in großen Hotels. Wir verbringen viel Zeit damit, dass das alles funktioniert und das bindet Ressourcen – nicht nur finanziell“, sagt er.

Abläufe funktionieren größtenteils

Nichtsdestotrotz, die Realisierung dieser neuen Prozessabläufe habe stattgefunden und „natürlich gibt es hier und da noch kleine technische und organisatorische Nachwehen, aber die sollten bis zum Saisonstart aus dem Weg geschafft sein“, schildert Rieger.

So viel Anstrengung, da bleibt die Frage, „warum wir die Einführung der EBC dennoch unterstützen“, ergänzt Uwe Felix, und Moritz Rieger liefert direkt Antworten. „Es ist wichtig und zeitgemäß, dass die Bodenseeregion sich zusammenfasst. Wir schaffen hier allerdings keinen Mehrwert, sondern holen nur auf. Auch wir als Gastgeber wollen helfen, die Deutsche Bodensee Tourismus GmbH zu stärken. Und nicht zuletzt geht es darum, den Tourismus hier nachhaltiger zu machen“, sagt er.

Es wäre schön, dass durch den Moment, in dem ein touristisches Schwergewicht wie Friedrichshafen dazu kommt, auch eine Weiterentwicklung des Angebots angestoßen wird.

Moritz Rieger

„Wenn nur ein paar Gäste vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen, dann entlastet das die B 31 und auch die Umwelt“, führt Uwe Felix aus. Es werde noch spannend, zu sehen, ob die EBC die Nachfrage im ÖPNV steigern wird, fügt Rieger an. Einig sind sich beide Hoteliers, dass die EBC noch „an Attraktivität gewinnen kann. Es wäre schön, dass durch den Moment, in dem ein touristisches Schwergewicht wie Friedrichshafen dazu kommt, auch eine Weiterentwicklung des Angebots angestoßen wird“, sagt Rieger. Der erste Schritt sei getan, nun gehe es darum, dass der Dialog zwischen Stadt und Gastgebern fortgeführt werde, meint Uwe Felix.

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Denn es sei ja so, wie Moritz Rieger fortfährt, dass die Stadt das Meldewesen für die Kurtaxe implementiert habe, die Gastgeber jedoch das Sprachrohr dafür seien. „Der Hotelier bekommt die Rückmeldungen vom Gast dazu. Wir hören also, was läuft und was noch fehlt. Für diese Anregungen wäre es schön, auch weiterhin vonseiten der Stadt gehört zu werden“, sagt er. Seine Traumvorstellung wäre „ein Mitbestimmungsrecht für uns Gastgeber, was mit dem Geld passiert“, fügt Rieger noch an.

Stadt offen für Ideen von Gastgebern

„Die Einnahmen sind zweckgebunden und dürfen nur für die in der Kalkulation für die Kurtaxe aufgeführten Ausgaben verwendet werden. Selbstverständlich sollen damit auch neue touristische Projekte verwirklicht werden“, lautet die Antwort von Stadtsprecherin Andrea Kreuzer zu diesem Ansinnen der Gastgeber.

Die Tourist-Informationen hätten bereits begonnen, die Maßnahmen für das Folgejahr mit den Gastgebenden abzustimmen und würden diese auch in Entscheidungen zu zukünftigen Projekten einbinden. „Ideen von Seiten der Gastgeber und Gastgeberinnen werden gerne entgegengenommen“, sagt Kreuzer.

Und wenn ein Gastgeber den ganzen Aufwand mit der Meldepflicht umgehen will? Auch Moritz Rieger und Uwe Felix stellen sich die Frage, wie die Stadt das überprüft. „Wir sind im Kontakt mit den großen Buchungsplattformen, um von dort Gastgeberdaten zu erhalten. Parallel dazu werden wir die Buchungsplattformen daraufhin prüfen, ob dort Gastgeber aufgelistet sind, die noch nicht bei uns gemeldet sind. Weiter gehen wir davon aus, dass sich Gäste, die die Vorteile der EBC nutzen wollen, bei ihrem Gastgeber aber keine erhalten haben, bei uns melden“, erläutert die Stadtsprecherin. Gastgeber, die die Meldepflicht nicht einhalten, würden von der Stadt eine Frist bekommen. Weitere Ausführungen zu eventuellen Bußgeldern macht die Stadt zu dieser Thematik nicht.

Es gilt, die Nebensaison zu bearbeiten.

Uwe Felix

Uwe Felix und Moritz Rieger setzen große Hoffnung in den stetigen Austausch zwischen Verkehrsverband, Dehoga und Stadt zur EBC-Thematik. „Nachfrage und Angebot sollten gleichmäßig wachsen, sodass unsere Region im besten Fall irgendwann eine Ganzjahresdestination wird“, meint Rieger. Uwe Felix knüpft daran an: „Es gilt, die Nebensaison zu bearbeiten. Die EBC könnte ein kreatives Instrument sein, um die Nachfragen auch im Winter mit flexiblen Angeboten zu beleben.“


Bei der Echt Bodensee Card handelt es sich um eine Gästekarte, mit der während des Urlaubs am See die freie Fahrt in Bus und Bahn möglich ist. Zudem gibt es mit der Karte Preisnachlässe und Inklusivleistungen bei mehr als 200 Attraktionen in der Region. (Quelle: DBT)