Alarmierend

9200 Menschen im Bodenseekreis haben Minijob

Friedrichshafen / Lesedauer: 2 min

Zahl der Zweitjobber ist im Bodenseekreis auf 9200 gestiegen – Forderung: Regierung muss sich um Renten kümmern
Veröffentlicht:29.10.2017, 18:04
Aktualisiert:23.10.2019, 00:00

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Immer mehr Zweitjobber: Rund 9200 Menschen im Bodenseekreis haben neben dem Haupterwerb noch einen Minijob – 66 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten ( NGG ) mit.

Die NGG Ulm-Aalen-Göppingen beruft sich dabei auf neueste Zahlen der Arbeitsagentur . Besonders verbreitet sind Zweitjobs demnach im Gastgewerbe: 1380 geringfügig Beschäftigte arbeiten in der Branche im Bodenseekreis – zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Stelle. Gegenüber 2007 stieg ihre Zahl um 113 Prozent.

Karin Brugger , Geschäftsführerin der NGG Ulm-Aalen-Göppingen, spricht von einem „alarmierenden Trend“. „Es kann nicht sein, dass immer mehr Menschen mit einem normalen Arbeitsverhältnis nicht über die Runden kommen.“

Auf den ersten Blick verzeichne der Arbeitsmarkt im Bodenseekreis steigende Beschäftigungsquoten. „Doch die hohe Zahl der Zweitjobber zeigt, dass nicht alles Gold ist, was auf dem Arbeitsmarkt glänzt“, so Brugger.

Gelernte Kräfte nötig

Mit Blick auf das Gastgewerbe kritisiert die Gewerkschafterin, die Branche dürfe nicht zur bloßen Minijobber-Domäne werden. „In Hotels, Pensionen und Restaurants brauchen wir mehr gelernte Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte. Aushilfen können auf Dauer keine Fachkräfte ersetzen.“ Schon heute seien die Klagen über fehlende Köche und Oberkellner groß.

Doch die gewinne man nur, indem man gute Löhne zahle. Dringenden Handlungsbedarf sieht die NGG Ulm-Aalen-Göppingen auch bei der Politik.

„Wenn laut Arbeitsagentur im Bodenseekreis mittlerweile nahezu jeder zehnte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen Nebenjob hat, dann ist hier etwas aus dem Ruder gelaufen“, betont Brugger.

Der gesetzliche Mindestlohn sei zwar ein erster wichtiger Schritt gewesen, um extreme Niedriglöhne abzuschaffen. Doch mit derzeit 8,84 Euro pro Stunde liege die Untergrenze zu niedrig, um davon allein als Vollzeit-Beschäftigter etwa eine bezahlbare Wohnung in der Stadt zu finden.

Brugger plädiert dafür, dass ausgehandelte Tarifverträge künftig in allen Betrieben einer Branche gelten sollen – unabhängig davon, ob der Chef in einem Arbeitgeberverband ist oder nicht.

Zugleich müsse sich die nächste Bundesregierung dringend um die Rente kümmern. „Ein Großteil der Menschen, die heute auf einen Zweitjob angewiesen sind, wird im Alter mit Armutsbezügen leben müssen. Hier brauchen wir dringend eine Haltelinie nach unten“, sagt Karin Brugger.

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