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Wie sie sich aufstellt

Für die Messe Friedrichshafen brechen neue Zeiten an

Friedrichshafen / Lesedauer: 7 min

Die Messe Friedrichshafen hat turbulente Zeiten hinter sich. Messe-Chef Klaus Wellmann erklärt Entscheidungen der Vergangenheit und wie es weitergehen soll. 
Veröffentlicht:06.07.2023, 13:05

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Die Messe Friedrichshafen hat turbulente Jahre hinter sich gebracht. Das Veranstaltungsverbot durch Corona, Unsicherheiten bei den Kunden, ob und wann wieder Messen stattfinden dürfen, und schließlich die Entwicklung aller Branchen in einer wirtschaftlich angespannten Zeit, haben ihre Spuren hinterlassen.

Gleichzeitig aber gab es auch lokale Themen, die die Messe gefordert haben. Der Ausfall der ZF–Arena für den VfB Volleyball, die nötige Unterbringung von Flüchtlingen und die Notlage in der Versorgung der Häfler Schulen mit Hallenkapazitäten brachten die Messe immer wieder in den Fokus.

Ein Dauerthema sind in diesem Zusammenhang auch die nicht stattfindenden Rockkonzerte, die sich aber viele Häfler in der Messehalle wünschen würden und die es dort früher durchaus gab. Messe–Geschäftsführer Klaus Wellmann und der Bereichsleiter Finanzen, Personal & Administration, Stefan Mittag, geben Antworten auf viele Fragen.

Warum gibt es in der Messe keine Konzerte mehr?

„Wir sind keine Konzertveranstalter, aber für alle offen, die da etwas tun wollen“, sagt Klaus Wellmann. Grundsätzlich stünden das Gelände und die größte Halle mit einer Kapazität von 8000 bis 11.000 Besuchern zur Verfügung. Weltstars sind da wohl nicht angesagt, die füllen eher Stadien, aber trotzdem gebe es eine ganze Reihe anderer Möglichkeiten, sagt Wellmann.

Wenn Anfragen von Konzertveranstaltern an die Messe kommen, dann werden die laut Aussage des Messe–Chefs geprüft. Dabei geht es nicht nur um eine terminliche Umsetzungsmöglichkeit, sondern auch darum, ob die jeweiligen Veranstaltungen dem Standort guttun würden.

Er stellt aber auch fest, dass das Kulturbüro der Stadt gerne etwas zusammen mit der Messe auf die Beine stellen könnte und definiert in diesem Zusammenhang den Auftrag, den die Messe Friedrichshafen GmbH habe. „Unsere Aufgabe ist es, Veranstaltungen durchzuführen, Gebäude und Gelände für Veranstaltungen zu vermieten und Veranstaltungen an anderen Orten stattfinden zu lassen, die aber auf das Konto der Messe einzahlen.“

Warum konnte der VfB keine Heimstatt in einer Messehalle bekommen?

Die Messe hatte seinerzeit, als der VfB die ZF–Arena wegen deren Probleme in der Dachkonstruktion nicht mehr nutzen konnte, für die Volleyballer eine kurzfristige Lösung angeboten. „Wir waren für den VfB nicht das Problem, sondern die Problemlöser“, sagt Klaus Wellmann dazu. Während die Volleyballer in der Messehalle spielen konnten, haben Mitarbeiter der Messe Alternativhallen gesucht und dem VfB vorgeschlagen. Die aber seien vom VfB nicht als machbare Lösung gesehen worden.

Eine dauerhafte Variante, den VfB in einer Messehalle spielen zu lassen, gebe die Aufgabe der Messe nicht her. Fakuma, Tuning World, Faszination Modellbau, Klassikwelt Bodensee sowie viele parallel stattfindende Veranstaltungen nähmen das komplette Gelände in Anspruch und das sei in Verträgen niedergeschrieben, die nicht einfach gelöst werden dürften.

Im Übrigen habe die Messe Friedrichshafen GmbH in der Zeit, in der der VfB eine Halle zur Verfügung hatte, auch angeboten, dort Schulsport stattfinden zu lassen. In den Morgenstunden sei die Halle vom VfB wenig genutzt worden. Das aber sei abgelehnt worden. Auch die Idee, eine temporäre Halle auf einem Messegrundstück in Allmannsweiler zu errichten, sei vermutlich nicht zustande gekommen, weil es vonseiten der Eltern als zu weit außerhalb betrachtet worden sei.

Gilt das auch bei Lösungen der Flüchtlingsunterbringung?

„Die Logistik und der Terminkalender der Messe sind komplex“, sagt Klaus Wellmann. Aufsichtsrat und Gesellschafter hätten angesichts dieser genannten Probleme bestätigt, dass das Gelände der Messe nicht dauerhaft vermietet werden dürfe, weil sonst das Kerngeschäft der Messe nicht mehr möglich sei.

„Und wie bei einer Dauerbelegung durch den VfB wäre das Messegeschäft bei einer Belegung mit Flüchtlingen obsolet geworden“, sagt Klaus Wellmann.

Wie hat die Messe die Pandemie überstanden?

Die Messe Friedrichshafen GmbH hat die Pandemie überlebt. In Zusammenarbeit mit dem städtischen Kulturbüro wurde das Autokino als Veranstaltung geboren, das Kreisimpfzentrum wurde zusammen mit dem Landkreis eingerichtet und auf Kreisebene diente die Messe kurzzeitig sogar als Callcenter, um die Menschen anzurufen, die kurzfristig geimpft werden konnten. „Wir haben an vielen Stellen hohe Flexibilität bewiesen“, sagt Klaus Wellmann.

Warum ist die Eurobike weg?

Ein Argument, das „auf der Straße“ des Öfteren genutzt wird, um den angeblichen Niedergang der Messe zu begründen, ist der Weggang der Eurobike nach Frankfurt. Das aber sei falsch. Die Eurobike werde von einem Tochterunternehmen der Messe Friedrichshafen organisiert, sie finde nur in Frankfurt statt.

Die Eurobike hat sich in eine Dimension entwickelt, die in Friedrichshafen an ihre Grenzen gestoßen ist, sowohl auf dem Messegelände als auch in Bezug auf die Infrastruktur.

Klaus Wellmann

Und warum das der einzig richtige Weg gewesen sei, die Eurobike mit positiven Effekten für den Messeplatz Friedrichshafen überhaupt zu erhalten, erklärt Klaus Wellmann: „Die Eurobike hat sich in eine Dimension entwickelt, die in Friedrichshafen an ihre Grenzen gestoßen ist, sowohl auf dem Messegelände als auch in Bezug auf die Infrastruktur. Gleichzeitig waren wir in den Zehnerjahren an einem Punkt angekommen, an dem das Fahrrad nicht alleine Sportgerät war, sondern zunehmend Teil Mobilitätsprodukt wurde. Und dafür erwartete die Fachkundschaft den urbanen Raum, den Friedrichshafen nicht zu bieten hat.“

Das Fahrrad als Mobilitätslösung stehe dem Auto gegenüber und da Frankfurt ansonsten keinerlei Überschneidungen im Portfolio mit der Häfler Messe hatte, stand einem in Deutschland einzigartigen Geschäftsmodell zweier Messegesellschaften nichts mehr im Wege.

Damit die Messe nicht von München abgeworben wird, hatten Friedrichshafener und Frankfurter Messe–Verantwortliche seinerzeit die Idee, eine neue Gesellschaft, die Fairnamic GmbH, zu gründen, die künftig die Eurobike in Frankfurt stattfinden lässt, wie sie die Aero in Friedrichshafen veranstaltet. Die Messe Friedrichshafen hält 51 Prozent, die Messe Frankfurt 49 Prozent an dieser Gesellschaft.

Wie sieht die Zukunft der Messe Friedrichshafen aus?

Eine Eurobike, die nicht in Friedrichshafen stattfindet, bringt aber auch keine Kunden in die Stadt, die Hotellerie, und die Umwegrentabilität, die oft bemüht wird, den Wert der Messe darzustellen, scheint damit gar nicht gegeben zu sein. Auch hier widerspricht der Messechef. Friedrichshafen könne eine begrenzte Kapazität an Menschen mit der hiesigen Infrastruktur versorgen.

Da mache es kaum einen Unterschied, ob eine große oder mehrere kleine Messen stattfinden würden. Insofern sei die Strategie der Messe, viele kleine Veranstaltungen zu organisieren und nach Friedrichshafen zu holen, für die Kombination von Stadt und heimischer Wirtschaft sogar vorteilhafter.

Folgende regelmäßige Veranstaltungen sind seit Beginn der Pandemie neu im Messekalender verankert worden: An Eigenveranstaltungen sind dies die Vertical Pro, die erstmals 2021 stattfand und vom 24. bis 25. November erneut ausgerichtet wird, sowie die neue Messe Americana, die vom 6. bis 10. September erstmals in Friedrichshafen und künftig im Wechsel mit der Pferd Bodensee stattfinden wird.

Gastveranstaltungen sind Bildung & Karriere, erstmals 2022, vom 24. bis 25. März, Adventure Southside, erstmals 2020 vom 21. bis 23. Juli, LAKE Constance Mobility Supplier Summit, erstmals 2022 vom 28. bis 29. Juni, IMA Internationale Modellbahn Ausstellung, erstmals 2022, zeitgleich zur Modellbau Bodensee, aber in einem zweijährigen Turnus. Ferner die Gastro Summit, die im Februar zusammen mit der Gastrofachmesse Bodensee Oberschwaben in der Messe zu sehen war, die Eurobee, erstmals 2021, vom 10. bis 12. November, die Poolgarden, die vom 31. März bis 2. April nach Friedrichshafen kam. Ebenfalls bereits vorbei sind die erstmals hier veranstaltete Spiel doch!, deren Veranstalter für das kommende Jahr aber bereits zugesagt hat und die Cosmetica, die zum ersten Mal vom 15. bis 16. Juni gastierte.

Und genauso sieht auch die Zukunft der Messe aus. Zwar meint Stefan Mittag, dass man einer großen möglichen Messe keine Abfuhr erteilen werde, aber mehrere kleine Messen würden ebenfalls das Geschäft voranbringen.