Seeufer

Forscher diskutieren naturnahes Seeufer

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Austauschplattform: Meeresforschungsschiff „Aldebaran“ auf Kurztripp am Bodensee
Veröffentlicht:31.05.2016, 18:49
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

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Der Bodensee als weltweit betrachtet sehr gut untersuchtes Gewässer ist hinsichtlich seiner Wasserqualität heute ohne Probleme. Übernutzung und Siedlungsdruck aber seien Herausforderungen, denen sich die Seeregion stellen müsse. So sei nur ein Drittel des Bodenseeufers naturnah: Grundtenor einer Medienfahrt auf dem Meeresforschungsschiff „Aldebaran“, das vierzehn Tage lang auf dem See kreuzte und nun wieder in seinen Heimathafen Hamburg zurückkehrt.

Premiere am See: Erstmals schipperte ein Meeresforschungsscchiff auf dem Bodensee. Das Forschungs- und Medienschiff „Aldebaran“ war über die Pfingstferien zunächst einmal Plattform für Schüler aus dem Land, die innerhalb von „mikro makro mint“, einem Programm der Baden-Württemberg-Stiftung, auf dem See Gewässerforschung betrieben haben. Die Stiftung hatte das Forschungsschiff für den Einsatz am Bodensee gechartert.

Schüler forschen

Nach dem Motto Beobachten, Hypothesen aufstellen, Experimentieren und Forschen tummelten sich Schüler auf dem bekannten Forschungssegler. Am Dienstag dann kletterten Wissenschaftler und Vertreter des Global Nature Fund (GNF) sowie der Bodensee-Stiftung an Bord. Sie erörterten innerhalb der Pressefahrt „Bodensee Lebendiger See 2016“ aktuelle Herausforderungen für das Ökosystem See. Der GNF und das Netzwerk Lebendige Seen Deutschland haben den Bodensee zum „Lebendigen See des Jahres 2016“ ernannt.

Nach Worten von Udo Gattenlöhner, Vertreter des GNF, sei der Bodensee ein sehr gut untersuchtes Gewässer. So sei die Wasserchemie des Trinkwasserspeichers Bodensee inzwischen „völlig in Ordnung“. Mit Blick auf die „Wasserökologie“ aber erkennen die Wissenschaftler und Naturschützer Handlungsbedarf. Das gelte insbesondere auch für die „Herausforderung Siedlungsentwicklung“ am See. Tillmann Stottele , bei der Stadt Friedrichshafen verantwortlich für Umwelt und Naturschutz, sieht nur ein Drittel des Bodensseufers in naturnahem Zustand. „Ziel muss sein, ein weiteres Drittel zu renaturieren“, meinte Stottele innerhalb der Gesprächsrunde auf dem Forschungsschiff. Potenzial sieht Stottele auch in Friedrichshafen. Bislang gebe es dort 2,3 Kilometer naturnahes Ufer, Ziel sei die Renaturierung auf insgesamt 6,2 Kilometer Länge. Als Positivbeispiel bezeichnete Stottele die Uferzone in Fischbach zwischen MTU-Uferweg und der Brunnisach-Mündung.

Phosphor und Seezirkulation

Auch über Phosphormanagement und Seezirkulation ist es am Dienstag auf der „Aldebaran“ gegangen. Und da war Martin Wessels vom Institut für Seenforschung in Langenargen der gefragte Mann. Wessels machte auch Aussagen zu einem vorausgegangenen Schülerprojekt über Mikroplastik. Die Schüler aus Baden-Württemberg sind auf der „Aldebaran“ über die Pfingstferien dem Problem nachgegangen. Über Stichproben haben sie mit einem Spezialnetz nach Spuren von Mikroplastik gesucht. „Wir haben Plastikspuren gefunden. Die Menge ist im Vergleich zur Ost- und Nordsee aber sehr gering“, resümierte Aldebaran-Skipper und Biologie Frank Schweikert. Das sieht auch Wessels so: „Es war zwar nur ein kurzes Reingucken in den See. Das Ergebnis der Schüler bestätigt aber auch unsere Untersuchungen. Plastikspuren im See aber sind so gering, dass man nicht akut handeln muss, sagte der Seenforscher aus Langenargen.

Seit 1992 ist das bekannte gelbe Forschungs- und Medienschiff Aldebran als flexible und kostengünstige Forschungs- und Kommunikationsplattform in Küstengewässern weltweit unterwegs. Innerhalb eines Schülerforschungsprojekts schipperte das Schiff insgesamt 14 Tage auf dem Bodensee. Mit knapp einem Meter Tiefgang und einer soliden Grundausrüstung ist der Forschungssegler spezialisiert auf die Flach- und Küstengewässer vorwiegend in Deutschland und Europa. Die Aldebaran ist weltweit einsetzbar und bietet bis zu vier Wissenschaftlern, Technikern und Medienmachern einen flexiblen und unkomplizierten Arbeitsplatz.