Konzert

So war der Auftritt von Entertainer Götz Alsmann im GZH 

Friedrichshafen / Lesedauer: 4 min

Er ist Meister des schnellen Sprechens, der verschachtelten Sätze und charmanten Formulierungen. Beim Konzert im GZH überzeugte aber vor allem jemand an seiner Seite.
Veröffentlicht:23.01.2023, 15:00

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„Drei Jahre sind eine lange Zeit. Ich weiß gar nicht, warum wir nicht auf Tournee waren – war irgendwas?“: Mit dieser ironischen Frage begrüßt Götz Alsmann, Multiinstrumentalist und Sänger, beim Konzert mit der SWR-Bigband das Publikum im Graf-Zeppelin-Haus.

Bereits vorher haben die Musiker der Bigband unter der lässigen Leitung von Klaus Wagenleiter die Zuhörer schon mit dem swingenden Stück „Wir machen Musik“ auf den Abend eingestimmt.

Spätestens mit Götz Alsmann jedoch, der die Bühne tanzend und singend mit der Frage – „Hast du dein Herz noch frei?“ – betritt, dürfte das Häfler Publikum in der Swing-Ära der 1930er- und 1940er-Jahre angekommen sein.

Dass er ein echter Profi ist, zeigt er nicht nur mit jeder Menge guter Laune und Natürlichkeit, sondern auch damit, dass er trotz offensichtlicher tontechnischer und akustischer Widrigkeiten im Saal seine Intonation immer wieder neu auf die Band abstimmt. Das häufig damit einhergehende Verschlucken von Endsilben beim Singen dürfte dabei zu einem Teil auch die zur besungenen Ära passende Stilistik sein.

Zusammenarbeit unter Freunden

Sehr schnell wird deutlich, wie eng Götz Alsmann und die Bigband verbunden sind. „Wir sind der letzte swingende Wanderzirkus“, stellt der Sänger sich und die Musiker hinter sich vor. Seit anderthalb Jahrzehnten seien sie immer wieder gemeinsam auf Tour. Nicht nur bei diesen Worten ist der ganzen Mannschaft auf der Bühne anzumerken, wie glücklich sie sind, die Zusammenarbeit nach der Pandemie-Zwangspause wieder aufgreifen zu können.

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Ergänzt wird das Programm immer mal wieder durch die einzigen drei Musikerinnen des Konzerts, das Trio „Zucchini Sistaz“, das passend zu seinem Namen ganz in grün gekleidet von Götz Alsmann als „schönstes Ding auf sechs Beinen“ angekündigt wird. Mit Songs wie dem „Boogie, der wie Carmen klingt“ und jeder Menge Tanzerei, wie hochgeschmissenen Beinen und umherwirbelnden Händen und Armen, reihen sich Sinje Schnittker, Jule Balandat und Tina Werzinger in das Swing-Programm ein. Leider in der Intonation teils deutlich daneben.

Lieber mit Instrument in der Hand

Dass es ihnen gut tun würde, sich mehr auf die Musik und weniger auf ihre teils sehr exaltierten Bewegungen zu konzentrieren, wird besonders deutlich als die Sängerinnen kurz vor Ende des Abends mit ihren Instrumenten auf die Bühne kommen. Gleichzeitig zu singen und dabei durchaus virtuos am Kontrabass zu performen, steht da etwa einer Jule Balandat deutlich besser, als singend über die Bühne zu hüpfen.

Wer an diesem Abend am meisten brilliert, das ist ganz klar die perfekt aufeinander eingestimmte SWR-Bigband: So etwa beim Glanzstück „Sweet Emma“, das Klaus Graf, der – von seinen Kollegen schwungvoll pulsierend begleitet – unglaublich virtuos sein Können auf dem Solo-Saxophon unter Beweis stellt. Beeindruckend entspannt und dabei imponierend beweglich auf dem Griffbrett ist auch die Darbietung von Decebal Badila auf dem Kontrabass beim Song „Cute“.

Eine sich überschlagende Zunge wie bei „Zimmer frei!“

Wenn Götz Alsmann nicht gerade die Band aus dem Backstage-Bereich anfeuert (seine schnipsenden Finger lugen immer mal wieder hinter der Bühne hervor) oder mit sichtbarer Freude alte Schlager wie den „Räuberrock“ in einer Swing-Version darbietet, dann brilliert er vor allem als Moderator.

Wer die WDR-Show „Zimmer frei!“ noch kennt, ist nicht überrascht, dass Alsmann mit sich geradezu überschlagender Zunge Informationen in Windeseile und noch dazu mit den charmantesten Formulierungen an sein Publikum herantragen kann. Eine Kunst, die ihm so schnell keiner nachmacht.

Am emotionalsten wird das Konzert dann zum Schluss: Alsmann, die „Zucchini Sistaz“ und schließlich die Bigband verabschieden sich nacheinander vom Podium. Zurück bleibt nur Dirigent Klaus Wagenleiter, der sich an den Steinway-Flügel setzt und das wohl berühmteste Wiegenlied aus der Feder von Johannes Brahms anstimmt: „Guten Abend, gute Nacht“. Das Publikum steigt mit ein und beweist mit seinem Gesang noch einmal kräftig, wofür Alsmann ihm in seiner Abschlussmoderation gedankt hat: Es ist auch über die Pandemie hinweg dem Konzert treu geblieben.