StartseiteRegionalBodenseeFriedrichshafenRegionalverband erklärt Standorte für Windräder am Bodensee

Energiewende

Regionalverband erklärt Standorte für Windräder am Bodensee

Friedrichshafen / Lesedauer: 6 min

Drei Vorranggebiete für Windkraft gibt es im Bodenseekreis. Die Anlagen können bis zu 300 Meter hoch werden. Wo sie hinkommen und warum.
Veröffentlicht:23.01.2024, 17:00

Artikel teilen:

Neue Windkraftanlagen werden wohl bald auch im Bodenseekreis entstehen: Auf den Höhenlagen bei Heiligenberg, Markdorf (Gehrenberg) und zwischen Owingen und Sipplingen.

Um die Auswirkungen der Energiewende im Bodenseekreis zu erklären, veranstaltet der Regionalverband am Mittwoch von 18.30 Uhr bis 21 Uhr eine Dialogveranstaltung mit dem Titel „Räume suchen - Gebiete finden“ in Heiligenberg im Bürgerhaus „Sennhof am Schloss“. Die Veranstaltung ist ausgebucht. Wir klären wichtige Fragen bereits im Vorfeld mit dem Verbandsdirektor Wolfgang Heine.

Warum müssen unbedingt Flächen für Windkraft in der Region gefunden werden?

1,8 Prozent der gesamten Fläche in der Region müssen laut einem Beschluss der Landesregierung für Windkraft zur Verfügung gestellt werden. Im Bereich der Landkreise Sigmaringen, Ravensburg und Bodenseekreis ist der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben (RVBO) für die Suche der geeigneten Flächen zuständig. Sie werden im sogenannten Regionalplan Erneuerbare Energien ausgewiesen.

Wie lief das Verfahren bislang?

Zunächst wurden auf elf Prozent der Fläche sogenannte Suchräume ausgemacht. Diese wurde in einem zweiten Schritt auf Vorranggebiete konkretisiert, sie machen 2,5 Prozent der Fläche des Verbandsgebietes (Landkreise Ravensburg, Sigmaringen und Bodenseekreis). Bis spätestens Ende 2025 muss der Verband nach Vorgaben von Bund und Land die Flächen für Windkraft fix reservieren.

Nach welchen Kriterien wurden die Flächen ausgewählt?

Entscheidend bei der Auswahl ist die sogenannte Windhöffigkeit, es kommen also nur solche Gebiete infrage, auf denen der Wind entsprechend stark weht. An zweiter Stelle steht die Frage, welche Konflikte es in den windstarken Gebieten gibt, etwa mit dem Thema Artenschutz oder dem Siedlungsabstand. Am Ende bleiben also Flächen übrig, bei denen „es ein Optimum gibt, zwischen Eignung und Konfliktbereich“, sagt Wolgang Heine, der Direktor des Regionalverbandes Bodensee Oberschwaben.

Warum liegen die Gebiete meistens in einem Wald?

Ein wichtiges Kriterium ist der Siedlungsabstand. Von einem Windrad zum nächsten Wohngebäude muss der Abstand 600 Meter betragen, zu einer Siedlung 750 Meter. 80 Prozent der Vorrangflächen liegen deshalb auch im Wald, nur 20 Prozent in der sogenannten Offenlage. Da in Waldgebieten in der Regel der Siedlungsabstand gegeben ist. Oft liegen Wälder auch auf einem Höhenrücken, was eine höhere Windhöffigkeit zur Folge hat.

Wo Windräder wahrscheinlich sind

Wo Windräder wahrscheinlich sind

1,8 Prozent der Flächen im Land sollen für Windkraft reserviert werden. Im Bodenseekreis ist das Ziel nicht erreichbar. Wo dennoch bald Windräder stehen könnten.

Lesen Sie HIER mehr zum Thema

Wie stark ist der Bodenseekreis betroffen?

Von den Vorranggebieten liegen nur vier Prozent im Bodenseekreis, 37 Prozent im Landkreis Ravensburg und 59 Prozent im Landkreis Sigmaringen. Das Ziel, die Flächen gleichmäßig über die Landkreise zu verteilen, konnte also nicht erreicht werden. Auch das hängt vor allem mit der Siedlungsstruktur zusammen. Im Bodenseekreis kommt zur engen Wohnbebauung noch eine schlechte Windhöffigkeit.

Welche Vorranggebiete gibt es im Bodenseekreis?

Es handelt sich um drei Gebiete. 1. „Gehrenberg“: Ein 146 Hektar großes Waldstück auf dem Gehrenberg bei Markdorf, das sich auf der Gemarkung der Gemeinden Markdorf, Deggenhausertal und Oberteuringen befindet. 2. „Betenbrunn“: Ein 62 Hektar großes Waldgebiet bei Heiligenberg, auch die Gemeinde Deggenhausertal ist betroffen. 3. „Hochbühl“: Ein etwa 80 Hektar große Waldfläche auf dem Höhenzug zwischen Owingen und Nesselwangen, Überlingen und Owingen sind betroffen.

Worum geht es bei der Infoveranstaltung am Mittwoch?

Im Zentrum der Veranstaltung stehen laut Regionalverband diese drei Vorranggebiete für die Windenergie, aber auch 39 Vorbehaltsgebiete für Freiflächephotovoltaik, die sich ganz oder teilweise auf der Gemarkung des Bodenseekreises befinden. Wolfgang Heine, Direktor des RVBO, und seine Stellvertreterin Nadine Kießling erläutern die Vorgehensweise und die Auswahlkriterien bei der Flächensuche. Im Anschluss stehen Expertinnen und Experten des RVBO, des Landratsamts sowie der Naturschutzverbände (BUND/NABU) an Informationsständen für weitere Fragen und Hintergründe und zur Verfügung.

Welche Fragen werden bei der Veranstaltung nicht geklärt?

Es geht nicht um grundsätzliche Fragen der Energieversorgung. Also warum der Bau von Stromtrassen so lange dauert, warum die Atomkraftwerke abgeschaltet wurden. Auch zum konkreten Genehmigungsverfahren, also wo genau wie viele Windräder hinkommen, kann der RVBO keine Aussage machen.

Kann man noch kurzfristig an der Infoveranstaltung teilnehmen?

Nein, es war eine Anmeldung erforderlich, alle 350 Plätze sind schon ausgebucht. Aus Sicherheitsgründen können nicht mehr Teilnehmer zugelassen werden, erklärt Wolfgang Heine. Die AfD hat laut Heine eine Demonstration angemeldet, die vor der Halle stattfindet. Deshalb ist auch die Polizei vor Ort. Im Saal gibt es einen Sicherheitsdienst.

Wie geht es in dem Planungsprozess weiter?

Zu den drei Flächen können Bürgerinnen und Bürger ab Ende Januar 2024 innerhalb einer zweimonatigen Anhörungsfrist Stellungnahmen abgeben. Die Träger öffentlicher Belange bekommen einen Monat länger Zeit. Der Regionalplan Erneuerbare Energien soll ab Ende 2025 gültig sein. Dann können seitens der Energiewirtschaft entsprechende Anträge für den Bau der Windkraftanlagen gestellt werden. Die zuständige Behörde für die Genehmigung ist dann das Landratsamt. Jedes Windrad muss einzeln genehmigt werden.

Sind Änderungen möglich?

Ja. „Es wird spannend, ob noch so gewichtige Hinweise kommen, die uns veranlassen bei den Flächen noch Veränderungen vorzunehmen“, sagt Heine zum Anhörungsverfahren. Man habe jetzt 2,5 Prozent Fläche ausgewählt, „am Ende müssen wir 1,8 Prozent liefern“. Wahrscheinlich sei aber nicht, dass ganze Gebiete gestrichen werden, sondern dass sich eventuell Flächen verändern. Pro Windrad werden zwischen 15 und 30 Hektar benötigt, in jedem der Gebiete sollen aber mindestens drei Windräder entstehen.

Wie wahrscheinlich ist, dass Windkraftanlagen gebaut werden?

Sehr wahrscheinlich: „Das ist unser Anspruch“, sagt Heine, „dass sich auf diesen Flächen auch etwas tut.“ Man soll ja seitens des Verbandes genau die geeignete Flächen finden. „Wir gehen davon aus, dass Projektierer sich durch unsere Arbeit bestätigt sehen.“

Wer kann den Bau der Anlagen verhindern?

„Wenn der Eigentümer nicht mitspielt, wird auf der Fläche nichts passieren“, sagt der Verbandsdirektor. Das sei bei Raumordnungsverfahren grundsätzlich so. Die Eigentümer der besagten Waldflächen sind in der Regel das Land, Kommunen oder gegebenenfalls Privateigentümer. Der RVBO klärt das Interesse der Eigentümer nicht ab. In der Regel werden die Flächen an die Windkraftbetreiber verpachtet.

Wie profitieren die Waldbesitzer?

„Für Waldbesitzer ist das sehr interessant“, sagt Heine, die Pacht bei den modernen und hohen (bis zu 300 Meter) Windenergieanlagen sei sehr gut. Auch die Gemeinde rund um die Anlagen profitieren laut Heine über die EEG-Umlage und die Gewerbesteuer.