Helferkreis

Endlich wieder miteinander deutsch reden

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

„Fest der Kulturen“ findet nach zweijähriger Pause wieder statt
Veröffentlicht:29.07.2022, 13:27
Aktualisiert:29.07.2022, 14:56

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Menschen aus aller Herren Länder haben sich auf dem Gelände der Gemeinde St. Columban zum Fest der Kulturen des Helferkreises Asyl eingefunden. Pfarrer Herbinger und seine Mitstreiter freuten sich über rund 80 Besucher, die nach der zweijährigen coronabedingten Pause gekommen waren.

Alle packten mit an, als gleich zu Beginn das bunte Schwungtuch gemeinsam in die Luft gebracht wurde. Dabei spielte es überhaupt keine Rolle, aus welchem Land der Nebenmann oder die Nebenfrau kommt. Jeder redete mit jedem, und die Stimmung war bestens.

Auch Al Nerie Atieh war einer der Besucher. Er ist gemeinsam mit seiner Frau und den ältesten seiner vier Kinder 2016 aus Syrien nach Deutschland gekommen. „Damals war die deutsche Sprache am schwierigsten. In Syrien lesen und schreiben wir von rechts nach links. Da ist Deutsch ganz anders und es war eine große Umstellung“, denkt er an die harte Zeit zurück. „Auch die Arbeitssuche war nicht einfach, vor allem wegen der neuen Sprache. Aber wir haben viel Hilfe von unserem Nachbarn und dem Helferkreis bekommen.“ Al Nerie Atieh machte mit Unterstützung der Ehrenamtlichen eine Qualifizierung in der Paulinenstraße, um die Jobsuche zu vereinfachen, und hat mittlerweile eine Stelle bei ZF gefunden.

Auch beim Sommerfest kam schnell ein Gefühl von Gemeinschaft und Miteinander auf. Jede Familie steuerte etwas aus ihrem Heimatland zum reichhaltigen Buffet bei, die Kinder absolvierten verschiedene Stationen, es gab einen Schminktisch und es wurde gemeinsam gesungen und gelacht. Dabei kamen neben der deutschen Kultur auch Einflüsse aus anderen Ländern nie zu kurz. „Für uns vom Helferkreis ist es sehr wichtig zu vermitteln, dass alle miteinbezogen werden. Egal ob Muslime, Christen oder Anhänger anderer Religionen“, so die Koordinatorin Annemarie Fricker . „Wir singen immer unsere Lieder wie das Heimatlied oder die Fischerin vom Bodensee. Aber wir stimmen auch arabische Lieder gemeinsam an.“

Diese gemeinsamen Nachmittage haben sowohl die Flüchtlinge als auch die Ehrenamtlichen während der Corona-Pandemie schmerzlich vermisst. So konnte beispielsweise das wöchentliche „Café Miteinander“ erst im März dieses Jahres wieder starten. „Die Leute haben keine Sprechpraxis“, meint Annemarie Fricker. „Nach Corona ist uns aufgefallen, dass die Menschen im Sprechen zurückgefallen sind.“ Diese Rückstände versuche man nun gemeinsam zu kompensieren. Jeden Freitag lernen ehrenamtliche Lehrerinnen primär mit den Frauen Deutsch. Fricker schildert: „Dabei geht es vor allem um Alltagssituationen. Wie kann ich mich beim Arzt verständigen? Gleichzeitig wollen wir zum Beispiel zeigen, was das Seehasenfest ist. Die Menschen kommen auch und fragen nach Hilfe zu Dokumenten. Unser Helferkreis ist nah an den Menschen und das macht ihn so besonders.“

2014 wurde der Helferkreis mit 30 Ehrenamtlichen aus den Kirchengemeinden St. Columban und Dietrich Bonhoeffer gegründet. Er kooperiert eng mit dem Landratsamt, der Stadt und dem DRK. Die Unterstützungsangebote reichen von Sprachkursen und Nachhilfe über Wohnungssuche und Begleitung bei Behördengängen bis hin zu Freizeitgestaltung und Möbeltransporten.

Beim Fest wurde schnell klar, was Annemarie Fricker meint. An jedem der Biertische saßen Menschen aus verschiedenen Ländern zusammen und tauschten sich aus – meistens wohlgemerkt auf Deutsch. Die Gäste zeigten sich im Gegenzug über das Engagement und den Einsatz der Ehrenamtlichen sehr glücklich. „Wenn du jemanden vom Helferkreis anrufst, weil du Hilfe mit etwas brauchst, kommen sie sofort“, sagte ein Besucher des Feier. „Dafür bin ich sehr dankbar.“

Um dieses Engagement weiter fortsetzen zu können, sucht die Gemeinde weiter nach Ehrenamtlichen, die gerne mit den Neuankömmlingen ins Gespräch kommen wollen. Interessierte können einfach freitags von 16 bis 18 Uhr beim Café Miteinander in der Paulinenstraße 35 vorbeikommen. Hier ist jeder willkommen. Kontakt gibt es auch über [email protected] oder bei der Kirchengemeinde St. Columban unter Telefon 07541 / 28992-0.