Elektromotor

Elektromotoren erobern die Formula Student

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Beim ZF Race Camp in Friedrichshafen bereiten sich studentische Teams auf Rennen vor
Veröffentlicht:18.06.2014, 13:12
Aktualisiert:24.10.2019, 13:00

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Mit welchem Vorteil punktet ein Elektromotor gegenüber einem Verbrennungsmotor? „Das Drehmoment“, sagt Christian Schimpitz. „Das konstant hohe Drehmoment. Die Leistungsentfaltung ist enorm. Aus der Kurve heraus schiebt der schon ziemlich stark.“ Wer sollte es besser wissen als Schimpitz: Er ist einer der Fahrer im Team Global Formula Racing (GFR) der Dualen Hochschule Ravensburg . Aber nicht, weil er klein genug erscheint, um in den Wagen zu passen, sondern auch, weil er Elektrotechnik im sechsten Semester studiert.

Am Dienstag ist das gesamte Team in Halle 2 auf der Messe Friedrichshafen zu Werke: Sie schrauben an der Karosserie, analysieren Messdaten und erproben auf den Parcours vor der Halle, ob die selbst konstruierten und gefertigten Rennwägen den eigenen Ansprüchen standhalten. 23 Teams sind am ZF Race Camp zugange. Sie alle nehmen an einem der über 400 weltweiten Formula Student Rennen teil. Sie alle werden von ZF Friedrichshafen gefördert. Deshalb sind sie hier. Um sich auf die Rennen vorzubereiten, bei denen es vor allem auch um die Konstrukteurswertungen geht, prüfen ZF-Ingenieure die Teams und ihre Rennwagen auf Herz und Nieren – vielmehr auf Motor und Leistung.

So wie im vergangenen Jahr sind auch heuer wieder mehr Elektrofahrzeuge mit dabei als solche mit Verbrennungsmotoren: 16 von 25 werden mit Strom und nicht mit Benzin betrieben. Der Trend ist eindeutig. Das Team von der Hochschule Ravensburg-Weingarten ist sogar mit zwei Elektrofahrzeugen da, dem neuen und dem alten. „Wir haben beide dabei, damit wir mehr Zeit zum Testen haben“, erklärt Schimpitz. „Worauf es ankommt, ist das Fahrertraining.“ Zwei Rennwagen bedeuten zwei Batterien. Für eine halbe Stunde fahren muss eine Batterie eine Stunde geladen werden – wenn es schnell geht. Warum gibt es keine Batterien zum Auswechseln? „Weil sie der größte Kostenfaktor sind“, erklärt Schimpitz. „Allein die Zelle kostet 14000 Euro.“ Das gibt das Budget des Teams nicht her.

Batterien sind der Knackpunkt

Wie im Straßenverkehr sind die Batterien also auch im Rennsport die Krux, die Schlüsselstelle, die es zu überwinden gilt. Das stellt sich auch bei der Gesprächsrunde heraus, die vor den etwa 500 Studenten abgehalten wurde. Mit der Elektromobilität sei es in Deutschland deshalb so schlecht bestellt, weil es zu wenige Kaufanreize gebe und der Komfort zu eingeschränkt sei, sagte ZF-Personalvorstand Jürgen Holeksa. Batterien reichten nicht sehr weit und es fehle an Infrastruktur wie zum Beispiel Ladesäulen. Die von der Bundesregierung geforderten eine Million Elektrofahrzeuge sehe er bis 2020 nicht im Straßenverkehr.

Dennoch glaube er an die E-Mobilität. „Den Peak Oil, also den Höhepunkt der Ölförderungen, haben wir längst überschritten.“ Deshalb sei die Forschung an der Batterietechnik so wichtig. Die Weiterentwicklung habe man in Deutschland etwas verschlafen. „Wenn wir diese Kompetenz außer Landes geben und die Technik einkaufen müssen, dann haben wir ein Problem“, sagte Holeksa.