Lösungsweg

Ein Blick in Kim Jong-uns Reich

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Walter Klitz berichtet im Buchhorner Hof über das abgeschottete Nordkorea
Veröffentlicht:27.12.2017, 15:26
Aktualisiert:22.10.2019, 23:00

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Walter Klitz war als Projektleiter der Friedrich-Naumann-Stiftung zuständig für Korea. Im Buchhorner Hof hat er kurz vor Weihnachten über Lösungswege im Korea-Konflikt und über mögliche Entwicklungen im Atomstreit zwischen den USA und Nordkorea gesprochen. Die Reinhold-Maier-Stiftung hatte zu Vortrag und Diskussion eingeladen.

Walter Klitz ist laut Veranstalter ein ausgewiesener Experte im Bereich der Konfliktbewältigung und hat das weitgehend isolierte Nordkorea mehr als 20-mal zu politischen Gesprächen besucht. So konnte er aus erster Hand interessante Einblicke in das abgeschottete Land und seine Politik geben, die in dieser Form sonst kaum zu bekommen sind.

In seinem Vortrag ging Klitz sowohl auf die Historie und die Dynamik des Konflikts als auch auf die Akteure und ihre unterschiedlichen Wahrnehmungen ein.

Kontraproduktive US-Politik

Ein wichtiger Punkt war dabei der aktuelle Konflikt zwischen den USA und Nordkorea und dessen Atombomben-Tests. Trumps Politik in dieser Angelegenheit bewertete Walter Klitz als kontraproduktiv, da Amerika so zu einem klaren Feindbild werde. Die USA gelten in den Augen Nordkoreas ohnehin als imperialistisches Land und das aktuelle Vorgehen verstärke nur die Position der Machthaber, so Klitz. Vielmehr sei es wichtig, sich um Vertrauensbildung zu bemühen.

Auch das Verhältnis zu China thematisierte Klitz. Dessen Zusammenarbeit mit dem Westen habe man in Nordkorea als „Kriechertum“ empfunden. Man wolle sich selbst nicht in Abhängigkeit von anderen Ländern begeben und sehe sich – im Gegensatz zu China – als Wahrer der konfuzianischen Tradition. Letztlich sei dies aber eine Pervertierung des Konfuzianismus und die dort im Zentrum stehende Harmonie werde der Bevölkerung von staatlicher Ebene durch das vorherrschende System der Unterdrückung oktroyiert.

Klitz berichtete hier aus erster Hand von vor Ort geltenden Einschränkungen wie Passierscheinen des Militärs, die zum Betreten und Verlassen der Stadt nötig seien. Die Kontrolle gehe soweit, dass schon Kinder im Kindergarten oder in der Schule über ihre Eltern und deren Gewohnheiten, etwa in Bezug auf das Fernsehprogramm, ausgefragt würden. Es herrsche eine Loyalitätsschichtung, bei der die Regimetreuen an oberster Stelle stünden und auch die höheren Ämter und Positionen innehaben. Der engere Führungszirkel umfasse etwa 300 Personen, so der Korea-Experte.

Kritik an der Führung der Partei sei kaum möglich, eine diplomatisch geäußerte Kritik am System von ausländischen Gästen würde jedoch teilweise akzeptiert. Klitz merkte außerdem an, dass in den letzten Jahren die Umgangsmöglichkeiten gelockert worden seien und man inzwischen auch besser mit der Bevölkerung in Kontakt treten könne.

In der Diskussion wurden vor allem die Sorgen des Publikums deutlich, wie man Nordkorea davon abhalten könne, eine Atombombe zu bauen oder einzusetzen. Klitz äußerte Zweifel, dass Nordkorea darauf verzichte, schon um die Unabhängigkeit des Systems zu demonstrieren. Es sei jedoch wichtig, zu signalisieren, dass das System ernst genommen werde – nur so könne die tatsächliche Gefahr eingedämmt werden. Grundsätzlich seien in allen Verhandlungen und in der Beziehung mit Nordkorea Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit der Politik sowie ein fairer Interessenausgleich entscheidend.

Es sei zu wünschen, dass sich die USA, wenn sie sich auch nicht ganz aus dem Konflikt heraushalten werden, sich zumindest zurückhalten. Zudem äußerte Klitz auch die Hoffnung, dass Europa eine größere Rolle spielen könne. Gerade Deutschland gelte als ehrlicher Makler – eine Einschätzung, die sinnvoll genutzt werden könne und solle.