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Veranstaltungsreihe

Digitales Leben trifft reales Leben

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Stiftung Präventive Jugendhilfe holt Manfred Lucha und Catarina Katzer zu „Dialog im Schloss“
Veröffentlicht:25.11.2018, 19:22

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Eine lebhafte und spannende Diskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Dialog im Schloss“ der Stiftung Präventive Jugendhilfe präsentierten Manfred Lucha, Sozialminister in Baden-Württemberg, und Catarina Katzer , Sozialpsychologin vom Kölner Institut für Cyberpsychologie und Medienethik, am Samstagvormittag im Schloss Württemberg. Der Titel lautete „Digital-Kids. Verloren in der Cyberwelt?“

Für die Stiftung hatte die Vorsitzende des Stiftungsrats Marie Herzogin von Württemberg über hundert Gäste eingeladen. Ziel war es, auf die Gefahren besonders für Kinder und Jugendliche im Internet aufmerksam zu machen und zu klären, welche Strategien es gibt, diesen zu begegnen. Eckhard Rahlenbeck, Mitglied des Stiftungsrats, moderierte die Veranstaltung.

Kommandozentrale des Lebens

„Smartphone und Apps werden zur Kommandozentrale unseres Lebens“, formulierte Rahlenbeck eine These. Katzer beschrieb die Veränderungen, die nicht nur für Jugendliche gelten, sondern auch für Erwachsene: „Keine Technologie hat unsere Welt bisher so beeinflusst. Das Denken, Emotionen und Verhalten verändern sich enorm.“ So lasse zum Beispiel die Konzentrationsfähigkeit und die Auffassungsgabe nach. Für Manfred Lucha war es wichtig, die Souveränität des Menschen über die Technologie zu stellen. „Wir müssen Strategien entwickeln, damit umzugehen, denn eine Ent-Digitalisierung wird es nicht geben“, sagte er. Sein Plädoyer für das reale Leben: „Schaffen wir handyfreie Kommunikationszonen, das hat auch etwas mit Wertschätzung zu tun.“ Einfach mal wieder etwas zusammen machen als Familie oder Freunde. Wandern, Spielen, Kochen und Essen und dazu ein Glas Wein trinken mache mehr Freude, als sich über Chats auszutauschen. Und: „Küssen bleibt küssen und ist mehr wert als jeder Kuss-Smiley“, sagte er mit einem Schmunzeln.

Andererseits habe die Digitalisierung auch ihre Vorteile, beispielsweise in der Gesundheit und in der Bildung. So werde die elektronische Patientenakte kommen, die viele Chancen biete. Gerade da sei es wichtig, als Staat und Bürger die Kontrolle über die Daten zu behalten und sie nicht privaten Unternehmen zu überlassen.

Catarina Katzer erinnerte an die Vorbildfunktion von Eltern und bedauerte, dass bereits viele Kleinkinder mit dem Smartphone oder Tablet-PC beschäftigt würden. Das habe Auswirkungen. So würden einer Studie zufolge diese Kinder später sprechen lernen und Schwierigkeiten haben, die Gestik und Mimik ihrer Mitmenschen einzuschätzen. Ihre Empfehlung: „So früh wie möglich mit der digitalen Medienerziehung anfangen“, am besten schon in der Kita.

In vielen Punkten waren sich die Sozialpsychologin und der Minister einig. Beide plädierten für die Einführung eines sogenannten Notfall-Buttons, der in allen sozialen Netzwerken prominent sichtbar sein solle. Damit könnten Kinder und Jugendliche, die sich belästigt fühlen oder die Unterstützung brauchen, online schnell Hilfe anfordern, ohne erst lange nach einer Kontaktmöglichkeit suchen zu müssen.

„Wir bekommen das hin“, sagte Lucha, aber es müssten noch einige Fragen, unter anderem die Finanzierung, geklärt werden. Eine unterhaltsame Möglichkeit, bereits Grundschulkinder für die Stärken und Tücken der digitalen Welt zu sensibilisieren, präsentierte das interaktive Theater Tempus fugit aus Lörrach unter der Leitung von Karin Maßen. Mit tatkräftiger Unterstützung von Kindern aus der Bodenseeschule St. Martin zeigten sie in einem Theaterstück, dass das reale Leben wichtiger ist als die digitale Welt. Mit Unterstützung der Stiftung Präventive Jugendhilfe können Grundschulen, die sich dafür interessieren, dieses Theaterstück sozusagen ausleihen. „Das geschulte Team des Theaters arbeitet anschließend im Unterricht mit den Kindern weiter“, erklärte Maßen.