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Bilanz mit Hoffnung auf Besserung

Die Zahlen des Medizin Campus Bodensee sind weiterhin tiefrot

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

2023 wird der Millionenverlust wohl noch größer als 2022. Das externe Management des Klinikbetreibers Sana soll die Wende bringen, befindet sich aber noch in der Analyse.
Veröffentlicht:10.10.2023, 15:00

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Einmal mehr hat Franz Klöckner als Geschäftsführer des Medizin-Campus Bodensee (MCB) den Mitgliedern des Finanz- und Verwaltungsausschusses am Montag tiefrote Zahlen präsentiert ‐ den Jahresabschluss für 2022 und die aktuelle Prognose für 2023. Neu waren im Wesentlichen weder die Zahlen noch die vielfältigen Gründe dafür. Klar ist aber auch die Erwartungshaltung der Räte: Dass die externe Unterstützung, die man sich mit Klinikbetreiber Sana ins Haus geholt hat, alsbald Früchte trägt.

Für ein erstes Zwischenfazit ist es zwar noch zu früh, weil Sana erst seit 1. September an Bord ist und sich noch in der Analysephase befindet, doch auch Franz Klöckner gab in der Ausschusssitzung klar zu verstehen: „Wir erhoffen uns einen deutlichen Effekt zum Besseren.“ Er selbst hatte angeregt, auch auf Kompetenz von außen zu setzen, um den Klinikverbund wirtschaftlich auf stabilere Beine zu stellen und damit die medizinische Versorgung der Bevölkerung in und um Friedrichshafen langfristig zu sichern.

Millionenverluste im Jahr 2022

Für das Geschäftsjahr 2022 präsentierte Klöckner dem Ausschuss ein finales Minus von 7,01 Millionen Euro für das Klinikum Friedrichshafen und ein Minus von knapp 4,27 Millionen Euro für die Klinik Tettnang. Die bereits zu Beginn des Jahres beschlossenen Betriebskostenzuschüsse der Stadt beziehungsweise der Zeppelin-Stiftung sind darin noch nicht berücksichtigt.

Viele Dinge sind in der Vergangenheit nicht mit der Stringenz verfolgt worden, wie es nötig gewesen wäre.

Franz Klöckner

Zu einem Großteil sind diese Zahlen zwar von Faktoren beeinflusst, die nicht oder nur sehr bedingt vor Ort beseitigt werden können ‐ gesundheitspolitische Rahmenbedingungen, Corona-Nachwirkungen, Preissteigerungen infolge des Ukraine-Krieges, Tariferhöhungen und Fachkräftemangel. Dass zur schwierigen Gesamtlage des MCB aber auch politische Entscheidungen und interne Versäumnisse der Vergangenheit beigetragen haben, räumte Franz Klöckner nach einer entsprechenden Bemerkung von Netzwerk-Rat Jürgen Holeksa zumindest diplomatisch-vage ein: „Viele Dinge sind in der Vergangenheit nicht mit der Stringenz verfolgt worden, wie es nötig gewesen wäre“, so Klöckner, der selbst erst seit Anfang 2021 als Geschäftsführer in der Verantwortung steht.

Fast 3000 offene Fälle

Ein ganz konkretes Problem, das offenbar bereits seit Jahren besteht, sprach FDP-Rätin Gaby Lamparsky an: Außenstände in Millionenhöhe, die sich der MCB angesichts der „schwierigen Liquididät“ eigentlich nicht leisten sollte. Franz Klöckner bestätigte, dass zwischenzeitlich „fast 3000 Akten offen“ gewesen seien ‐ sprich 3000 Fälle, die noch nicht abgerechnet werden konnten, weil die Akten noch nicht vollständig waren.

Hier hakt es offenbar an zu komplizierten internen Abläufen. „Wir haben hier deutlichen Nachholbedarf und gehen davon aus, dass wir das 2024 besser in den Griff bekommen werden“, so Klöckner. Es ist eines der Themen, bei denen Sana helfen soll.

2023 noch schlechter als 2022

Dass Hilfe und Veränderungen generell nötig sind, legt auch der Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung im laufenden Jahr nahe: In der aktuellen Prognose rechnet der MCB-Chef für 2023 mit einem Gesamtminus von 19,2 Millionen Euro.