Weltkarriere

Vom Bodensee ins EM-Finale von Wembley: TSG Ailingen fiebert mit Giulia Gwinn - und erinnert sich

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Heimatverein TSG Ailingen fiebert mit Giulia Gwinn
Veröffentlicht:31.07.2022, 09:47
Aktualisiert:31.07.2022, 10:54

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Bei der TSG Ailingen machte Nationalspielerin Giulia Gwinn die ersten Schritte Richtung Weltkarriere. Vor dem heutigen EM-Finale erinnern sich Trainer und Freunde an das kleine Mädchen, das die Jungs früh auf Trab hielt.

Wäre es nach ihrer Mutter gegangen, dann würde Giulia Gwinn am Sonntag ganz sicher nicht im EM-Finale in Wembley stehen. Vielleicht wäre sie in zwei Wochen bei der Leichtathletik-EM in München dabei, denn eine Laufsportart konnte sich Gabi Gwinn gut für ihre Tochter vorstellen.

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Florian Gwinn: „Sind nicht nur wegen der Erfolge stolz auf Giuli“ (mit Video-Gruß in die Heimat)

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Auch Kunstradfahren war im Gespräch. Aber Fußball? Nein, das ist doch nichts für Mädchen. Doch Giulia hatte früh ihren eigenen Kopf: Nachdem sie das erste Mal mit ihren Brüdern beim Fußballtraining war, war klar, sie will einfach nur kicken.

Video-Grüße für Fans und Leserinnen und Leser der Schwäbischen Zeitung:

„Man hat das Leuchten in ihren Augen gesehen“, erinnert sich ihr erster Trainer Michael Fischer , der gemeinsam mit Thilo Holzbaur den Nachwuchs bei der TSG Ailingen trainierte. „Giuli hat den Fußball geliebt, die musste man nie zum Training tragen.“

Dass er damals schon geahnt habe, dass es die 9-jährige Giulia bis zur Nationalspielerin und sogar ins EM-Endspiel schaffen könnte, will sich Fischer nicht anmaßen. „Aber ihr Talent und die Liebe zum Fußball konnte man damals schon erkennen.“ Vor allem die Schnelligkeit, die sie bis heute auszeichnet, sei früh aufgefallen. „Ihre Mutter meinte: ,Sie muss schnell sein, sie hat zwei ältere Brüder’“, erzählt Fischer mit einem Lachen.

Gwinn ist noch immer eng mit der Heimat verbunden

Auch das Selbstbewusstsein, mit dem sie heute noch auftritt und eine Führungsrolle beim FC Bayern und im Nationalteam beansprucht, sei früh ausgeprägt gewesen. Als einziges Mädchen unter vielen Jungs habe die junge Giulia nie zurückgesteckt.

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idole (Foto: privat SV Deuchelried)

„Sie hatte überhaupt keine Angst. Es war ganz normal, dass sie als Mädchen bei uns mitspielt“, erinnert sich ihr Jugendfreund Rafael Geigges, der bis heute bei der TSG Ailingen spielt, und ergänzt lachend: „Sie hat uns ganz schön auf Trab gehalten.“ Früh sei klar gewesen, dass ihr Talent zu groß für die TSG ist.

Über den VfB Friedrichshafen, den SV Weingarten und den FV Ravensburg spielte sich Gwinn immer mehr in den Fokus. Zur Saison 2015/16 wechselte sie als 16-Jährige ins Internat nach Freiburg, vom SC Freiburg ging es 2019 zum FC Bayern München. „Neid war da nie ein Thema“, sagt Geigges. „Man ist eher stolz, ein kleiner Teil des Wegs gewesen zu sein.“

Bis heute hält Giulia Gwinn den Kontakt in die Heimat. Kurz vor der EM machte sie mit einem Schnuppertraining in Meckenbeuren Werbung für den Mädchenfußball. Als sie sich 2020 schwer am Kreuzband verletzte, tauschte sie sich mit Rafael Geigges, der mit derselben Verletzung flachlag, über WhatsApp aus.

„Sie ist immer auf dem Boden geblieben“, sagt Gwinns Jugendfreund, der mit vielen Vereinskameraden der TSG Ailingen das Finale am Sonntag schauen wird. „Als Verein reagiert man mit viel Stolz, die Wiege für solch eine tolle Kariere sein zu dürfen“, sagt Jugendtrainer Fischer.