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Frust wegen langer Wartelisten

Die Nachfrage nach Bürgerbäumen ist riesig – und das wird zum Problem

Friedrichshafen / Lesedauer: 4 min

Manche warten seit drei Jahren auf ihren Baum. Aber weil es kaum noch Flächen gibt, steht die Aktion in Friedrichshafen vor dem Aus. Was die Stadt stattdessen plant.
Veröffentlicht:04.12.2023, 05:00

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Man findet sie überall in der Stadt und in den Ortschaften: Jene Bäume, an denen kleine Schildchen hängen. Darauf zu lesen sind die Namen derjenigen, die die Pflanze gespendet haben.

Die Nachfrage nach den sogenannten Bürgerbäumen bei der Stadt ist riesig. Und genau das führt dazu, dass die Verwaltung die Aktion nach 20 Jahren in ihrer jetzigen Form wohl beenden muss. Ein Überblick.

Seit wann gibt es die Bürgerbäume?

2024 wird die Aktion 20 Jahre alt. Wie die Stadtverwaltung in der Sitzungsvorlage zur kommenden Sitzung des Ausschusses für Planen, Bauen und Umwelt (PBU) schreibt, startete sie im Jahr 2004 als Baumpflanzaktion der lokalen Agenda.

„Ziel war damals die Schaffung von mehr Grün im Wohnumfeld“, heißt es weiter. Zunächst nur ein einmaliges Projekt ist „Bürger spenden Bäume“ heute eine dauerhafte Aktion.

Wie funktioniert die Aktion bislang?

Für eine Spende von 200 bis 300 Euro pflanzt die Stadt einen Bürgerbaum mit persönlicher Widmung auf einer öffentlichen Fläche. Die Bürger dürfen einen Wunschstandort nennen. Die Spender erhalten dazu Spendenplaketten und eine Urkunde sowie die Einladung zur Übergabefeier, die meist zweimal im Jahr stattfand.

Über die Jahre wurden laut Stadtverwaltung 867 Bürgerbäume gepflanzt. Ein Anteil von etwa 90 Prozent der gepflanzten Bürgerbäume sind Nachpflanzungen von bestehenden Stadtbaum-Standorten - etwa 10 Prozent kommen an neue Standorte.

Welche Schwierigkeiten gibt es?

„Nach 20 erfolgreichen Jahren der ’Aktion Bürgerbäume’ führt das Projekt zunehmend zu Beschwerden und damit zu Unzufriedenheit, Unverständnis bis hin zu Frust seitens der Bürgerinnen und Bürger“, räumt die Stadt in der Sitzungsvorlage ein. Es bestehen verschiedene Probleme.

Zum einen gibt es sehr lange Wartezeiten. „Sämtliche denkbaren öffentlichen Grünflächen und Standorte sind größtenteils bereits mit Bürgerbäumen bepflanzt“, schreibt die Stadt. Deshalb musste im Jahr 2022 die Vergabe von Bürgerbäumen komplett gestoppt werden. Pro Jahr gibt es laut Verwaltung etwa 20 bis 40 Baumstandorte - und dem stehen 80 bis 100 Anfragen gegenüber. „Die Wartelisten für die noch offenen Anfragen reichen daher zurück bis ins Jahr 2020“, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Auch dass die Wunschstandorte - viele wollen ihren Baum zum Beispiel im Uferpark oder in den Ortskernen der Ortschaften haben - oft nicht erfüllt werden können, sorge für Frust.

Was kosten die Bürgerbäume die Stadt?

Für die unterschiedlichen Ämter und Abteilungen der Stadtverwaltung ergeben sich aus dem Projekt viele Aufgaben - und Kosten. Die Mitarbeiter müssen Anfragen, aber auch Beschwerden und Schadensmeldungen bearbeiten, Standorte abstimmen, Pfähle und Plaketten anbringen und vieles mehr.

„Neben den Personalkosten entstehen Kosten für Schilder, Pfosten, Übergabefeiern und weiteres Material von circa 3000 Euro jährlich“, schreibt die Stadt. Insgesamt kostet die Aktion pro Jahr 47.700 Euro - wovon nur 22.000 Euro durch die Spenden gedeckt werden. Zudem erhöhe sich der Aufwand stetig, da die Verwaltung jährlich mehr Bäume betreuen muss.

Wie soll sich das Projekt ändern?

Aufgrund der Schwierigkeiten - vor allem, weil die öffentlichen Flächen schon bepflanzt sind - will die Stadt das Projekt auf andere Weise weiterführen. „Statt ’Bürger spenden Bäume’ und die Stadt Friedrichshafen den Platz heißt es nun: Bürgerinnen und Bürger spenden Platz und die Stadt spendet Bäume“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Das Projekt soll also auf privaten Flächen weitergeführt werden.

Das neue Angebot richtet sich sowohl an Bürger als auch an Wohnungsbau- oder Gewerbeunternehmen. Geplant ist, dass sie Bäume bei der Stadt beantragen können, die einmal im Jahr zur Pflanzzeit im Herbst herausgegeben werden.

100 Bäume will die Stadt pro Jahr bereitstellen - Kostenpunkt: 10.000 Euro. „Zum Baum wird jeweils einmalig eine personalisierte Klimabaum-Plakette zum Selbst-Anbringen ausgehändigt“, schreibt die Verwaltung.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Stadt will die bisher gespendeten Bürgerbäume weiterhin mit den bestehenden Stadtbäumen unterhalten und pflegen. Auch die Schilder bleiben - werden bei Wegfall aber nicht mehr erneuert. Die Entscheidung, ob das geplante Vorgehen der Verwaltung umgesetzt wird, fällt der PBU in seiner Sitzung am Dienstag, 5. Dezember.