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Die ganz große Prüfung für den VfB Friedrichshafen

Friedrichshafen / Lesedauer: 4 min

Für die Häfler Profivolleyballer des VfB Friedrichshafen steht in der Bundesliga das Gigantenduell bei den Berlin Recycling Volleys an. Das sind die Erwartungen.
Veröffentlicht:19.01.2024, 19:46

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Mark Lebedew ist bestens vorbereitet ins Freitagstraining gefahren. Der Trainer des VfB Friedrichshafen hat ein Video für seine Mannschaft erstellt, um ihr zu zeigen, wie den Berlin Recycling Volleys beizukommen ist. Es ist ein Duell der Superlative. Die Hauptstädter führen mit 13 Siegen aus 13 Spielen die Tabelle der Volleyball-Bundesliga an. Schon ein Spiel mehr absolviert und vier Punkte weniger auf dem Konto hat der zweitplatzierte VfB, der mit einer Erfolgsserie von neun Siegen am Stück anreist. Spielbeginn in der Max-Schmeling-Halle ist am Sonntag um 15 Uhr. Eine Liveübertragung bietet Dyn an.

Sehr interessiert schaute sich Lebedew die Champions-League-Partie der Berliner am Mittwochabend an. Deutschlands Tabellenführer spielte gegen Gas Sales Daiko Piacenza. Der Tabellendritte der italienischen Liga machte mit einem 3:0 (25:15, 25:23, 25:19)-Sieg den ersten Platz in Pool C klar. Berlin rutschte durch die erste Heimniederlage der Saison hinter Halkbank Ankara auf den dritten Rang ab, bleibt der Königsklasse aber als bester Gruppendritter erhalten. In den Play-offs trifft der deutsche Meister auf Tours VB. Wie der Tabellensechste Frankreichs besiegt werden kann, machten die Häfler im Vorjahr vor, als sie mit 3:0 und 3:2 gewannen.

Berlins Champions-League-Auftritt liefert interessante Erkenntnisse

In diesem Jahr ist der VfB nach seinem freiwilligen Rückzug in der Champions League nur Zuschauer. Das kann aber einen großen Erkenntnisgewinn mit sich bringen - das erfuhr Lebedew insbesondere am Mittwoch. Er schaute sich an, wie das italienische Topteam die BR Volleys dominierte und sah zwangsläufig Schwächen. „Entscheidend war der Aufschlagdruck von Piacenza“, staunte der Häfler Trainer. „Normal ist Berlin eine gute Annahmemannschaft. Sie hatten aber keine Chance, vor allem gegen Yuri Romano.“ Am liebsten würde Friedrichshafen das nachmachen, doch das ist nicht immer so einfach. „Wir haben nicht die gleichen Spieler“, sagte der VfB-Coach. Aber durch die Verpflichtung des Mittelblockers José Israel Masso Alvarez ist die Häfler Qualität im Aufschlag noch einmal enorm gestiegen. Neben ihm können auch Diagonalspieler Michal Superlak und Außenangreifer Tim Peter den Ball beständig mit 100 bis 120 km/h auf die andere Seite jagen. Auch Zuspieler Aleksa Batak sei in diesem Element nicht zu unterschätzen. Zum Vergleich: Piacenza erreicht regelmäßig Geschwindigkeiten zwischen 110 bis 125 km/h. „In den vergangenen Wochen hatten alle gute Momente“, lobte Lebedew. Es werde darum gehen, die Balance zwischen Tempo und Präzision zu finden.

Wenn der Aufschlag aber gut funktioniert, dann erwartet der VfB-Trainer ein ganz anderes Bild als noch in den Finalspielen der Vorsaison. Da schluckte Friedrichshafen ein Ass nach dem anderen. „Je besser wir aufschlagen, desto mehr haben wir Möglichkeiten, gute Aufschläge anzunehmen. Das hat uns im Finale gefehlt, durch Verletzungen hatten wir nicht so starke Aufschlagspieler“, so Lebedew. Beim 3:2-Heimsieg gegen die SVG Lüneburg am vergangenen Samstag kassierte der VfB nur drei Asse - das macht Hoffnung für das Gigantenduell.

Häfler mit vollem Kader in den Volleyballtempel

Logischerweise erinnern sich die Häfler nicht gerne an den bisher letzten Auftritt in Berlin am 6. Mai 2023. Die Hauptstädter tüteten mit einem 3:1-Erfolg die deutsche Meisterschaft ein. An den Voraussetzungen hat sich nichts verändert. „Berlin ist die Macht, klarer Favorit auf dem Papier. Qualitativ und sportlich gibt es einen Größenunterschied“, sagt VfB-Geschäftsführer Thilo Späth-Westerholt. Er gibt sich dennoch kämpferisch, nach neun Siegen in Serie ist das Selbstbewusstsein beim Außenseiter vorhanden. „Wir fühlen uns gut, sind in einer deutlich besseren Verfassung als zu Saisonstart und wollen guten Volleyball spielen und zeigen, dass wir nach wie vor eine gute Mannschaft sind“, betont Späth-Westerholt. Sicher seien die Berliner „stärker als wir, wenn sie top spielen, aber wenn sie nachlassen, wollen wir sofort da sein“. Er hofft auf den Vorteil, sich durch die fehlende internationale Belastung komplett auf die Bundesliga konzentrieren zu können. Für die ganz große Prüfung der verjüngten Häfler Mannschaft stehen alle Spieler zur Verfügung. Einige Neue werden zum ersten Mal in der Max-Schmeling-Halle spielen und es wird garantiert eine besondere Erfahrung werden. Die BR Volleys haben den Oberrang geöffnet, weshalb im Volleyballtempel mit einer tollen Kulisse von mehr als 5000 Zuschauern zu rechnen ist.

Lebedew freut sich aufgrund eines anderen Aspekts noch mehr auf das Duell der Bundesliga-Giganten. Durch die Abschaffung der Zwischenrunde gibt es weniger Aufeinandertreffen. „Wenn etwas seltener ist, ist es wertvoller“, sagt Lebedew. Dem 56-jährigen Australier wird es aber ein dringendes Anliegen sein, die eigene Statistik gegen seinen Ex-Club aufzubessern: Unter seiner Regie gewannen die Häfler nur fünf der 21 Spiele - immerhin ebnete das 3:2 im DVV-Pokalhalbfinale im Jahr 2022 den Weg zum Cuptitel. Und mithilfe des Anschauungsmaterials, das die Italiener aus Piacenza geliefert haben, kommt am Sonntag vielleicht ein weiterer Erfolg hinzu.