Asylbewerber

„Der Markt ist aufnahmefähig“

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg legt Bilanz für 2016 vor – 400 geflüchtete Menschen in Arbeit und Ausbildung
Veröffentlicht:18.01.2017, 17:09
Aktualisiert:23.10.2019, 08:00

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Die Arbeitslosenquote ist weiterhin tief, die Zahl der offenen Stellen hoch, die Integration von Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt auf einem guten Weg: Die Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg hat am Mittwoch die Jahresbilanz 2016 vorgelegt. Ein Überblick über die wichtigsten Aspekte:

Der Arbeitsmarkt

Als „robust“ bezeichnet Jutta Driesch , Chefin der Agentur für Arbeit Konstanz-Ravensburg, die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den drei Landkreisen Bodensee, Ravensburg und Konstanz. Die Arbeitslosenquote lag 2016 bei 3,2 Prozent (2015: 3,3 Prozent) – mit diesem Wert belegt die Region einen Spitzenplatz in Baden-Württemberg. Im Durchschnitt waren 13725 Menschen arbeitslos gemeldet. Dem gegenüber stehen 7000 unbesetzte Stellen. „Frauen und Männer mit guten Qualifikationen sind gesucht“, stellt Jutta Driesch klar. „Unsere Hauptaufgabe bleibt, Menschen zu qualifizieren und Arbeitsplätze zu besetzen.“ Insgesamt unterliege der Markt einer großen Dynamik: In der Jahressumme haben sich 47749 Menschen arbeitslos gemeldet, gleichzeitig wurden 47367 aus der Arbeitslosigkeit abgemeldet.

Integration von Asylbewerbern

Es ist für Jutta Driesch und ihr Team nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine wichtige „gesellschaftspolitische Aufgabe“: die Integration von Asylbewerbern in den Arbeitsmarkt. „Wir sind zufrieden. Wir haben derzeit schon 400 Menschen in Arbeit und Ausbildung vermittelt. Das ist ein gutes Ergebnis“, betont die Agenturchefin und dankt allen, die daran mitgewirkt haben, seien es Arbeitgeber, Verbände oder auch Helferkreise. Sie verschweigt nicht, dass es auch Fehlschläge gegeben habe, dennoch findet sie: „Wir sind für den Mut belohnt worden, einfach mal anzufangen“. Die Sprachbarriere bleibe eines der großen Hindernisse. Während es bei der praktischen Arbeit im Betrieb oft klappe, hake es beim theoretischen Lernen. Doch auch für dieses Problem gebe es Lösungen, zum Beispiel Kombinationsmaßnahmen aus Teilzeitarbeit und Sprachkursen. Im Moment seien 500 Asylbewerber in Qualifizierungen bei verschiedenen Bildungsträgern untergebracht. Jutta Driesch ermutigt weitere Arbeitgeber, sich darauf einzulassen, einen geflüchteten Menschen zu beschäftigen. Die bürokratischen Hürden dafür seien relativ gering. Im vergangenen Jahr, lässt sie wissen, seien 3100 Anträge auf Erteilung einer Arbeitserlaubnis eingereicht worden – und fast alle wurden bewilligt. „Der Markt ist aufnahmefähig“, stellt Jutta Driesch klar. Die besten Chancen gebe es in den Branchen Bauwirtschaft und Gastronomie.

Der Ausbildungsmarkt

Zu Beginn des Ausbildungsjahrs im September waren 776 (+100) Ausbildungsplätze unbesetzt. 97 Jugendliche waren zu diesem Zeitpunkt ohne Lehrvertrag. 4003 junge Leute meldeten sich 2016 für eine Berufsberatung der Arbeitsagentur. 2410 von ihnen traten eine Ausbildung oder eine Stelle an.

Der Ausblick für 2017

„Alle großen Themen, die uns schon 2016 beschäftigt haben, nehmen wir mit in dieses Jahr“, verrät Jutta Driesch. Neben der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit und der Integration von Flüchtlingen gehört auch die Suche nach Fachkräften dazu. Eine „stille Reserve“ für den Arbeitsmarkt habe man in Frauen entdeckt, die – meistens familiär bedingt – jahrelang mit dem Beruf ausgesetzt haben. 2016 sei es gelungen 10 200 Frauen in einen sozialversicherungspflichtigen Job zu bekommen. Um dieses Potenzial zu erschließen, sei eine weitere Wiedereinstiegsberaterin eingestellt worden, berichtet Nicole Frister, die Beauftragte für Chancengleichheit bei der Agentur für Arbeit.

Die Landkreise des Arbeitsagenturbezirks im Vergleich:

Bodenseekreis

3349 Arbeitslose (1604 Frauen, 1745 Männer); Arbeitslosenquote: 2,8 Prozent (-0,1)

Landkreis Konstanz

5749 Arbeitslose (2624 Frauen, 3125 Männer); Arbeitslosenquote: 3,8 Prozent (-0,2)

Landkreis Ravensburg

4628 Arbeitslose (1962 Frauen, 2666 Männer); Arbeitslosenquote: 3,0 Prozent (+0,2)