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Für Halle am Häfler Flughafen

„Lernort Landshut“ kostet 47.000 Euro Miete im Monat

Friedrichshafen / Lesedauer: 4 min

Der Mietvertrag läuft 15 Jahre, im November findet bei der Boeing ein Lehrerworkshop statt. Dank einer Petition landet der Flieger vielleicht bald wieder im Bundestag.
Veröffentlicht:18.09.2023, 19:00

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Wie die „Landshut“ restauriert wird und wann genau sie in ihre neue Heimstatt ‐ eine ehemalige Flugzeugwerft- umzieht, ist weiter unbekannt. Öffentlich dagegen ist jetzt, wie lange der Bund die Halle Q gemietet hat und wie viel er dafür bezahlt: 47.000 Euro im Monat.

Im August hatte die bei dem Projekt federführende Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) mitgeteilt, wo der geplante „Lernort Landshut“ entstehen soll. Ab 2026 soll dort nicht nur an die Entführung und Befreiung der Lufthansa-Boeing 737 im Jahr 1977 erinnert, sondern politische Bildung rund um die Themen wehrhafte Demokratie und Extremismus angeboten werden.

Festlaufzeit 15 Jahre

Die für die Anmietung der Halle Q zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIma) hatte Fragen nach Miethöhe und -dauer zunächst nicht beantwortet, dann aber ihre Haltung verändert. Nun bestätigt die BIma auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“: „Die Festlaufzeit des Mietvertrages beträgt 15 Jahre.“

„Wenn die ,Landshut’ ein Symbol für die wehrhafte Demokratie ist, dann darf man sie doch nicht so verrottet stehen lassen.“ Torsten Goldmann hat deswegen eine Petition beim Bundestag eingereicht.
„Wenn die ,Landshut’ ein Symbol für die wehrhafte Demokratie ist, dann darf man sie doch nicht so verrottet stehen lassen.“ Torsten Goldmann hat deswegen eine Petition beim Bundestag eingereicht. (Foto: Felix Kästle/dpa)

Die Behörde äußert sich auch zur Miete für 1830 Quadratmeter Halle, 900 Quadratmeter Bürotrakt und 1680 Quadratmeter Freiflächen: rund 47.000 Euro im Monat. Der Betrag „beinhaltet einen Zuschlag für einen Sonderausbau (also die Transformation vom Hangar zu einem Lernort) in Höhe von 22.000 Euro sowie die Grundmiete für die Halle, die Büro- und die Außenflächen“, schreibt Behördensprecher Thorsten Grützner. Hinzu kämen die laufenden Betriebskosten. Insgesamt hat der Bund für das Projekt bis jetzt 15 Millionen Euro zugesagt.

„Bedarfsgerecht hergerichtete Liegenschaft“

Die Miete für die Halle Q werde erst fällig, wenn die „bedarfsgerecht hergerichtete Liegenschaft“ übergeben wird. Das heißt: Die Halle Q wird vorab vom Vermieter umgebaut oder ‐ auf Behördendeutsch ‐ „zu einem bezugs- und betriebsfertigen Lernort hergerichtet“.

Der Vermieter ist die Firma Air Plus Maintenance GmbH. Zu den Modalitäten der Vermietung will sich Geschäftsführer Laurent Gauthier nicht öffentlich äußern. Dass man für den schon einige Zeit leerstehenden Hangar eine sinnvolle Nachnutzung gefunden habe, sei aber erfreulich.

Keine Lappalie

Die Planungen für den Umbau hätten mit dem Tag der Unterschrift unter dem Mietvertrag begonnen. Aus einer Werkstatt zur Flugzeugwartung wird eine Versammlungsstätte. Keine Lappalie, wie man spätestens seit der Umrüstung des benachbarten Hangars R zur Space-Tech-Arena der Volleyballer weiß.

Beim Zeitplan für den Umbau lässt sich Gauthier nicht in die Karten blicken. Die BIma teilt mit: „Der Einzug wird Mitte 2024 erfolgen.“ Die Behörde sagt zur Höhe der Kosten: „Die angebotene Miete ist aufgrund der direkten Lage des Hangars am Flughafen und der hierdurch gegebenen Nutzungsmöglichkeit von Start- und Landebahn marktgerecht. Die begrenzte Anzahl an Alternativen bestimmt eine hohe Nachfrage am Markt, aus der sich hohe Mietpreise ergeben.“ Kaufangebote hätten nicht vorgelegen.

Derweil plant die bpb die nächste Veranstaltung mit und bei der „Landshut“. Am 10. November sind „Lehrkräfte und andere Multiplikatorinnen und Multiplikatoren“ zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Lernen am Lernort Landshut“ eingeladen.

Petition eingereicht

Der Bundestag muss sich möglicherweise demnächst auch noch einmal mit der „Landshut“ beschäftigen. Denn der Biologe Torsten Goldmann aus Borstel (Schleswig-Holstein) hat dort eine Petition eingereicht mit dem Ziel, die Maschine originalgetreu zu restaurieren.

Die bpb plant genau das nicht. Auf der Homepage der Bundeszentrale ist zu lesen: „Ausdrücklich nicht beabsichtigt ist die Rekonstruktion eines vermeintlichen ,Originalzustandes’ des Jahres 1977, da dies sowohl aus didaktischer als auch aus restauratorischer Sicht lediglich Authentizität simulieren würde“.

Heilung durch Restaurierung

Diese Einschätzung teilt Goldmann, der sich seit vielen Jahren für ein Landshut-Museum engagiert, nicht: „Wenn die ,Landshut’ ein Symbol für die wehrhafte Demokratie ist, dann darf man sie doch nicht so verrottet stehen lassen.“ Zudem könne man vielen Zeitzeugen das Gefühl geben, dass etwas geheilt werde, wenn man das Flugzeug, das zuletzt als Frachtmaschine in Brasilien unterwegs war, restauriert.

Goldmann wünscht sich zu dem Thema einen „ergebnisoffenen Diskurs mit den Zeitzeugen“. Ob ihm der Petitionsausschuss des Bundestages dabei helfen wird, ist offen. Dafür müssen sich zunächst 50.000 Menschen online für das Vorhaben aussprechen. Die Zahl der Unterzeichner betrug am Donnerstagnachmittag 69.