Religiöses Bad

Darum springen 23 Schwimmer zur Ehre Gottes in eiskalten Bodensee

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Hinter der Aktion steckt kein sportlicher Wettkampf. Vielmehr geht es um einen „der wichtigsten Feiertage der orthodoxen Kirche“. Trotzdem gibt es einen Sieger.
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Luft Minus ein Grad, Wasser knapp fünf Grad, bewölkter Himmel: Das waren die frostigen äußeren Bedingungen für 23 mutige Schwimmer, die am Sonntag um die Mittagszeit beim Häfler Strandbad in die eiskalten Fluten sprangen. Hintergrund waren aber keine sportlichen Beweggründe. Das „Theophanie-Schwimmen“, zu dem die serbisch-orthodoxe Gemeinde Friedrichshafens eingeladen hatte, wird traditionell zur Ehre Gottes begangen.

Es soll an die Taufe Jesu erinnern, die nach julianischem Kalender am 19. Januar gefeiert wird. Vorausgegangen war ein Festgottesdienst in der serbisch-orthodoxen Kirche in der Adelheidstraße, der von zahlreichen Gläubigen aus der ganzen Region besucht wurde. Theophanie bedeutet wörtlich übersetzt „Erscheinung Gottes“.

Gegen 12 Uhr begann Pfarrer Milorad Marijanović die Feier unter freiem Himmel mit Gebeten, der Segnung des Wassers und der ganzen Schöpfung. „Die große Wasserweihe ist einer der wichtigsten Feiertage der orthodoxen Kirche“, erklärt Aleksandar Prijović, Sprecher der serbisch-orthodoxen Diözese.

Er wird später auch mitschwimmen und gehört zu den knapp 2 000 Mitgliedern der serbisch-orthodoxen Kirchengemeinde Friedrichshafens, deren Einzugsgebiet ganz Oberschwaben umfasst und auf bayerischer Seite bis nach Füssen reicht.

Gute Zusammenarbeit mit der Stadt

„Ein Theophanie-Schwimmen im Bodensee hat auf Schweizer Seite zum ersten Mal vor fünf Jahren in Rohrschach stattgefunden“, sagt Prijović und verweist darauf, dass diese Tradition weltweit in den Gemeinden, egal, ob es dort warm oder kalt sei, begangen werde.

Er betont aber auch die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Friedrichshafen, die es überhaupt erst ermöglicht habe, das Schwimmen hier in diesem Rahmen durchführen zu können.

Bei solchen Temperaturen bin ich noch nie ins Wasser gesprungen.

Radovan Mojicević

Dann ist es soweit: Von einem Boot des DLRG aus wirft Pfarrer Marijanović das mit Blumen geschmückte Theophanie-Kreuz ins Wasser. Startsignal für die Männer, die sich vom Strandbadsteg aus auf einen kurzen Sprint einlassen wollen, in der Hoffnung, das Kreuz als erster zu erreichen. Angefeuert und beklatscht werden sie von rund 300 Gemeindemitgliedern.

Auch Taucher und weitere DLRG-Mitglieder stehen sicherheitshalber bereit. Als jüngster Schwimmer ist der 14-jährige Radovan Mojicević aus Priboj, der derzeit seinen Vater in Friedrichshafen besucht, mit von der Partie. „Nein, bei solchen Temperaturen bin ich noch nie ins Wasser gesprungen“, gibt er gerne zu. „Aber ich will es und freue mich auf das Erlebnis, ich möchte aber auch im Glauben die Tradition leben.“ Keine Frage, dass auch seine Eltern sehr stolz auf ihren Sprössling sind.

Miloš Tasić aus Wangen ist der Sieger

Jetzt aber heißt es, Vollgas zu geben. Wenige Minuten später ist das Outdoor-Abenteuer vorbei und alle Schwimmer haben wieder sicheren und trockenen Boden unter den Füßen. Von Freunden und Verwandten werden sie mit Decken eingehüllt und mit wärmenden Getränken versorgt. Strahlen dürfen alle, insbesondere auch der 36-jährige Miloš Tasić aus Wangen.

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So sehen Sieger aus. Miloš Tasić (erste Reihe kniend, der zweite von links) aus Wangen gewann das Theophanie-Schwimmen der serbisch-orthodoxen Gemeinde in Friedrichshafen. (Foto: Brigitte Geiselhart)

Ihm ist es gelungen, das Holzkreuz als erster zu erreichen. „Eine große Ehre, darauf bin ich sehr stolz“, sagt er durchgefroren aber glücklich – und darf viele beglückwünschende Hände schütteln. Als ältester Teilnehmer ging der 42-jährige Ivan Ekert aus Friedrichshafen an den Start. Viktor Schneider aus Langenargen vertrat als Deutschstämmiger aus Russland die russisch-orthodoxe Kirche. Jetzt noch schnell für ein abschließendes Gruppenfoto posieren – und dann ab ins Warme.