Luftfilter

Claude-Dornier-Schule testet spezielle Luftfilter aus den USA

Friedrichshafen / Lesedauer: 5 min

Schüler und Lehrer erproben in Friedrichshafen eine Woche lang die Technologie, die in Deutschland neu ist
Veröffentlicht:16.12.2020, 16:00
Aktualisiert:17.12.2020, 11:48

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An der Claude-Dornier-Schule in Friedrichshafen sind eine Woche lang Luftfilter getestet worden, die der Friedrichshafener Pionier Iren Dornier zur Verfügung gestellt hat. Das Ergebnis ist erstaunlich.

Weiß und schlicht sind die fünf Geräte, die für den Versuch auf zwei Klassenzimmern verteilt worden waren – einem 115 und einem 70 Quadratmeter großen Raum. Sie gehören zur Gruppe der Do-X-Air-Geräte, sind also Luftreinigungssysteme für Innenräume. Getestet wurden sie an der Claude Dornier-Schule , weil Iren Dornier, Enkel des Namensgebers, sie der Schule probeweise eine Woche lang zur Verfügung gestellt hat – er bringt die Geräte, die vor nahezu 40 Jahren in den USA erstmals gebaut und seither dort fortlaufend weiterentwickelt werden, auf den deutschsprachigen Markt, hat sich dafür die Verkaufsrechte gesichert.

Geräte filtern kleinste Luftpartikel

Früher sei er nach Linienflügen häufig krank gewesen, sagt Iren Dornier. Deshalb beschäftige er sich seit Jahren mit der Aerosol-Problematik. „Es ist mir ein Herzensanliegen, dass wir in dieser Sache alle ein Bewusstsein dafür entwickeln“, betont er. Dornier sei seiner Zeit immer voraus gewesen. „Dieses Pioneering ist mir geblieben.“

DSF (Disinfecting Filtration System, zu Deutsch Desinfektionsfilter-System) – mit dieser Technologie arbeiten die Geräte, die laut Dornier in der Lage sind, kleinste Luftpartikel zu filtern. „Damit werden sogar Viren, die deutlich kleiner als ein Coronavirus sind, entfernt“, erklärt er. Bakterien würden durch das Luftreinigungssystem, in dem verschiedene Filter hintereinander angebracht seien, getötet, Viren durch das elektrostatische Plasmafeld verklumpt und damit unschädlich gemacht.

Die Geräte verbrauchten wenig Strom – das kleinere beispielsweise bei geringer Lüfterstärke elf, bei der Einstellung „Turbo“ 46 Watt. Durch die „außerordentliche hohe Effizienz“ der Luftreiniger reichten schon wenige Luftumwälzungen aus, um einen Raum keimfrei zu bekommen. Und: Der Wechsel des Hauptfilters, der alle acht bis zwölf Monate anfalle, sei völlig unproblematisch, wie auch der Wechsel der anderen Filter. Diese müssten nicht als Sondermüll entsorgt werden.

Eine Woche voller Messungen

Eigenschaften, auf die man in der Claude-Dornier-Schule gespannt war. „Aufgrund der Namensverwandtschaft und weil wir eine technisch orientierte Schule sind, waren wir gerne zu einem Versuch bereit“, erläutert der stellvertretende Schulleiter Daniel Grupp, der derzeit wie Schulleiter Stefan Oesterle von Lüfter-Angeboten geradezu überhäuft wird.

„Uns war und ist bewusst, dass es ein Spagat ist: Auf der einen Seite brauchen die Schülerinnen und Schüler ausreichend Sauerstoff, das heißt, wir wollen den Kohlendioxid-Gehalt der Luft niedrig halten“, ergänzt Oesterle. „Auf der anderen Seite bleiben die Temperaturen und die Filtration der neu hinzugekommenen Luft ein Thema.“

Eine Woche lang machte man sich in der Claude Dornier-Schule ans Messen – und ans Dokumentieren. Partikelzahl, Kohlendioxid, Raum- und Luftfeuchtigkeit wurden festgehalten. Am meisten beeindruckt war man davon, dass die Zahl der Partikel zwischen 8 und 10.30 Uhr von mehr als 5000 auf ein Fünftel zurückging.

Und nicht nur das: „Nachdem man die Geräte eine Nacht durchlaufen ließ, war der Partikelwert am nächsten Morgen bei null. Das CO2-geführte Lüften erhöht die Werte logischerweise.“ Auch seien die Geräte leicht zu handhaben. Nur eine Lehrerin habe sich am Geräusch des Luftreinigers gestört. Das Problem sei gelöst worden, indem das Gerät auf Stufe eins gestellt worden sei. Andere Kollegen hätten sich über die klare und reine Luft gefreut.

Nach der Testphase können sich Stefan Oesterle und Daniel Grupp an ihrer Schule, die 2000 Schülerinnen und Schüler in 94 Klassen hat, zusätzlich zu den CO2-Ampeln, von denen je eine für jedes Klassenzimmer angeschafft wird, den Einsatz von 10 bis 20 Luftreinigern vorstellen: in Versammlungsräumen, für große Klassen und beispielsweise im Sekretariat – also dort, wo es eine hohe Frequenz gibt.

In Luftreiniger investieren?

Michael Veit, beim Landratsamt für die Claude Dornier-Schule zuständig, verweist auf das neu aufgelegte 40-Millionen-Euro-Förderprogramm „Unterstützung der Schulen“ für die 4500 Schulen in Baden-Württemberg, das den bisherigen Maßnahmenkatalog um die Anschaffungen für raumlufthygienische Maßnahmen ergänze.

Also beispielsweise in Luftreiniger investieren? „Das Geld muss bis Ende 2021 ausgegeben sein“, betont Veit. Folgekosten seien also nicht enthalten, Strom und beispielsweise Unterhalt blieben bei den Schuleignern hängen. Zudem gebe es derzeit noch keine richtigen Vergleiche für Geräte am Markt. „Wir kommen aber nicht umhin, uns darüber Gedanken zu machen“, sagt Veit, der die Wichtigkeit des drei bis fünf Minuten langen Stoßlüftens betont.

„Je mehr frische Luft, desto besser“, bestätigt Dornier. „Die Aerosolbelastung bekommt man dadurch aber nicht in den Griff.“ Wolle man Aerosolbewegungen im Raum auffangen, gehe das nicht ohne Luftreiniger. Ohne könnten beispielsweise auch beim Lüften gefährliche Viren verteilt werden.

Für ein paar Testschülerinnen und -schüler war das Geräusch des Luftreinigers zunächst gewöhnungsbedürftig, dann habe man aber wie gewohnt arbeiten können. Manche von ihnen freuten sich, dass sie nicht mehr so viel frieren, nicht immer mit Decken und Jacken im Klassenzimmer sitzen mussten. „Dadurch, dass nicht mehr ganz so oft die Fenster geöffnet werden mussten, waren wir zudem weniger abgelenkt und konnten besser arbeiten.“ Fünf von 21 befragten Schülerinnen und Schülern der Technik- und Management-Klasse standen dem Einsatz des Luftreinigungssystems gleichgültig gegenüber. 14 begrüßten ihn.