Auszählverfahren

CDU ärgert sich über das neue Auszählverfahren

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Freien Wählern fehlte ein Wahlkreis – Grüne und Linke sind glücklich über Zugewinne
Veröffentlicht:27.05.2014, 20:47
Aktualisiert:24.10.2019, 13:00

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„Wir sind nach wie vor die Nummer eins im Bodenseekreis“, sagt Lothar Fritz. Der Vorsitzende der CDU im Bodenseekreis ist „nicht unzufrieden“ über das Ergebnis seiner Partei bei der Kreistagswahl, er freut sich sogar über das Mandat, das er für seinen Wahlkreis Überlingen im Kreistag geholt hat. Dass seine Fraktion vier Sitze verlor, Grüne und Linke dagegen zulegen konnten, ist ihm freilich ein Dorn im Auge. Grüne und Linke, die je einen Sitz dazugewonnen haben, dürfen sich als die eigentlichen Gewinner der Wahl fühlen.

„Der Bodenseekreis ist grüner geworden“, sagt Landtagsabgeordneter Martin Hahn, der auf der Überlinger Liste für den Kreistag kandidierte und dort die meisten Stimmen einsammelte. „Wo die Linke antritt, kann sie auch punkten,“, lautet das Fazit von Annette Groth. Die Bundestagsabgeordnete rechnet auf: in Friedrichshafen, Überlingen und Sipplingen erstmals in den Gemeinderäten, und jetzt sogar zu zweit im Kreistag. „Wir sind damit in der Fläche angekommen“, so Groth.

Neben CDU und SPD haben auch die Freien Wähler Federn gelassen. Zwölf Sitze, drei weniger als im bisherigen Kreistag, tut weh, sagt Simon Blümcke. Mit Volkmar Weber, Erich Habisreuther und Joachim Krüger haben es gleich drei ehemalige Kreistagsmitglieder der FW nicht mehr geschafft. Doch der Kreisvorsitzende und Bürgermeister von Hagnau tröstet sich damit, dass in seinem Wahlkreis Meersburg die FW das beste Ergebnis hatte, mithin er und sein Immenstaader Kollege Beisswenger mit Abstand die meisten Stimmen bekamen. Doch im Gegensatz zu Lothar Fritz , der für die Verluste der CDU das neue Auszählungsverfahren verantwortlich macht, gibt sich Blümcke eher selbstkritisch. „Diesmal wird es ganz offensichtlich: Im Wahlkreis Kressbronn fehlt uns etwas.“ Dort hatten die FW keine Liste aufgestellt. „Das müssen wir nächstes Mal ändern“, so Blümcke.

„Das neue Auszählverfahren fördert die Tendenz zur Zersplitterung und führt zu eklatanten Verzerrungen“, sagt Lothar Fritz. Als Beispiel nennt er die Gemeinderatswahl in Überlingen, bei der die Linke mit 5,8 Prozent zwei Sitze hat, die CDU mit 24,7 Prozent nur sechs Sitze. Da stimme das Verhältnis nicht mehr. Ein Trost, dass die CDU tatsächlich auf mindestens 22 Stimmen im Kreistag zählen könne, denn Bürgermeister Markus Spieth von der Eriskircher Liste und Bürgermeister Karl-Heinz Beck von der Oberteuringer Liste werden sich der Fraktion anschließen. Was Sabine Becker (CDU), Oberbürgermeisterin von Überlingen macht, wisse er nicht. Sie ist zum ersten Mal mit einer eigenen Liste angetreten und hat es über ein Ausgleichsmandat knapp wieder in den Kreistag geschafft.

Der verlorene Sitz der SPD geht auf Kosten des Wahlkreises 1 Friedrichshafen. „Schade, dass es Wolfgang Sigg nicht mehr geschafft hat“, sagt Dieter Stauber. Der Kreisvorsitzende der SPD im Bodenseekreis kann die Verluste noch nicht schlüssig erklären. Ob es an der geringeren Wahlbeteiligung im Vergleich zu den Europawahlen liegt, ob an der Listen beziehungsweise Persönlichkeitswahl oder an anderen Faktoren liegt, wisse er nicht. Jetzt gelte es, erst einmal Atem zu holen, sich zu sortieren, eventuell neue Bündnisse auszuloten und die Chance, die in jedem Neuanfang liegt, zu nutzen.

In unserer gestrigen Berichterstattung über die Kreistagswahl haben wir die Bürgermeister Georg Riedmann, Markdorf, und Knut Simon , Deggenhausertal, den Freien Wählern zugeordnet. Das ist falsch. Sie gehören zur CDU-Fraktion. Nicht zur CDU, sondern zu den Freien Wählern gehört Martin Rupp, Bürgermeister in Bermatingen. In der Liste „Namen und Stimmen der Neuen“ muss es unter Freie Wähler heißen, Hansjörg Bär (nicht Hansjörg Weiß), und Roland Karl Weiß hat nicht 9733 Stimmen, sondern 6733. Wir bitten die Fehler zu entschuldigen. Auf dieser Seite sind alle Kreistagsmitglieder mit Namen und Stimmergebnis komplett.