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Bundesverdienstkreuz für Wilma Rehkugler

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Helfen bringt Freude: Seit 20 Jahren bringt die Oberteuringerin Bildung nach Pakistan. Dafür wird sie ausgezeichnet.
Veröffentlicht:01.12.2023, 15:44

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Wilma Rehkugler aus Oberteuringen erhält das Bundesverdienstkreuz am Bande. Verliehen wird es von Bundespräsident Walter Steinmeier und in einem Festakt überreicht von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, am Freitag, 8. Dezember, um 14 Uhr im Neuen Schloss in Stuttgart.

Wilma Rehkugler betrachtet diese Verleihung keineswegs als Schlusspunkt ihres Engagements. Seit über 20 Jahren sorgt sie dafür, dass die Kinder und Jugendlichen im abgeschiedenen Hochgebirge von Pakistan Schulbildung bekommen. Das gilt besonders für die Mädchen, die gegenüber den Jungen sonst das Nachsehen hätten.

Angefangen hat alles im Jahr 2000 mit einer von Wilma Rehkuglers ambitionierten Bergtouren. Damals kam sie ins 3200 Meter hoch gelegene Dorf Shimshal, um hier, im Hochgebirge des Karakorums, Gipfel zu stürmen. Vor Ort machte ihr einheimischer Bergführer sie auf die schlechte Bildungssituation der Kinder aufmerksam. Auf diesen Wink hin gründete sie vor nun 21 Jahren den Verein Kinder- und Jugendbildung Shimshal.

Der Verein hat eine Schule und zwei Wohnheime mitgebaut

„Dass das viel Arbeit sein würde, war mir von Anfang an klar“, sagt sie heute. Die Mühe hat sich gelohnt: Seit Gründung des Vereins wurden in Shimshal eine Grund- und Mittelschule und ein Wohnheim für Lehrer gebaut. In Karimabad, dem Hauptort von Hunza, ein weiteres Wohnheim mit 80 Plätzen, damit einer Weiterbildung im College oder an der Universität finanziell für die Studierenden tragbar ist.

Die Zöglinge machen ihren Weg

Mit dem Abschluss der Mittelschule stehen den Schülern und Schülerinnen weitere Bildungswege offen. Einige schaffen es bis zum Universitätsabschluss. Zu manchem ehemaligen Zöglingen, die ihren Weg gemacht haben, hält Rehkugler Kontakt. Durch Bildung Zukunftschancen zu ermöglichen sei notwendig, weil nicht alle Einheimischen in der Region bleiben könnten, sagt Rehkugler Die Verdienstmöglichkeiten in der unzugänglichen Region seien gering.

Pro Jahr mobilisiert der Verein bis zu 10.000 Euro an Spenden

„Die Anfänge waren schon sehr mühsam“ sagt Wilma Rehkugler rückblickend. Mit Verkaufsständen auf Advents- und Ostermärkten gelangen dem Verein ersten Einnahmen. Heute mobilisieren die Aktiven des 140 Mitglieder starken Vereins pro Jahr Spenden von 8.000 bis 10.0000 Euro. Für große Baumaßnahmen wurde die Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit gewonnen. Auch die Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg ließ sich an Bord holen. Und freilich steuert die SZ-Aktion „Helfen bringt Freude“ Geld aus den Spenden der SZ-Leserinnen und -Leser bei.

Alle Spenden kommen zu hundert Prozent an

„Das Geld kommt wirklich zu hundert Prozent an“, sagt Wilma Rehkugler. Die Spenden werden in erster Linie für die Unterstützung der Schüler des doch hohen Schulgeldes in der Grund-und Mittelschule für Buben und Mädchen in Shimshal verwendet. Auch der laufende Betrieb des Mädchenwohnheimes in Karimabad wird vom Verein unterstützt. So haben viele Mädchen und junge Frauen die Möglichkeit einer Weiterbildung, die sie sich sonst nicht leisten könnten. Reparaturen oder bauliche Neuerungen werden in der Hauptsache durch gezielte Zuwendungen wie etwa der „Schwäbischen Zeitung“ mit „Helfen bringt Freude“ getätigt.

Die Lebensmittelpreise sind in die Höhe geschossen

Erst im vergangenen Sommer hat Wilma Rehkugler Shimshal wieder einen Besuch abgestattet. Wie immer trägt sie die Reisekosten selbst. Wirklich drückend hätten sich in Pakistan die Lebenspreise entwickelt, sagt sie. Ein Kilo Reis koste 350 pakistanische Rupien - mehr als ein Zehntel des Tageslohns eines Arbeiters, der eine Familie zu versorgen hat.

Die Zukunft des Vereins scheint gesichert

Eine wichtige Stütze hat der Verein in Anneliese Axtmann. Seit 20 Jahren verwaltet sie als Kassier die Finanzen. Aber auch Karin Axtmann als Schriftführerin und Markus Rehkugler als 2. Vorsitzender sind mit den Aufgaben des Ehrenamtes vertraut und bereit, die Nachfolge anzutreten - falls Wilma Rehkugler einmal kürzer treten möchte. „Alle wissen, was auf sie zukommt“, sagt Wilma Rehkugler. Nämlich nichts Geringeres als mit dem Verein Kinder- und Jugendbildung Shimshal dem Nachwuchs im Hochgebirge Pakistans weiter durch Bildung Zukunftschancen zu geben. Eine Mitgliedschaft im Verein kostet übrigens nur 20 Euro im Jahr.