Außenbordmotor

Boote, Außenbordmotoren, Trailer: Fahnder befürchten Boom bei Diebstählen

Friedrichshafen / Lesedauer: 5 min

Zahlen am Bodensee waren noch nie so niedrig wie 2021 – Kompetenz-Zentrum warnt Eigner
Veröffentlicht:03.07.2022, 01:00
Aktualisiert:03.07.2022, 08:51

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Boote, Außenbordmotoren, Trailer: Die Zahl der Diebstähle am Bodensee war noch nie so niedrig wie 2021. Am deutschen Ufer wurden lediglich 25 Außenbordmotoren und keine Boote gestohlen.

Ähnlich sieht es in der Schweiz aus, wo nur fünf Außenborder in den an den See angrenzenden Kantonen entwendet wurden. Vorarlberg und Bayern meldeten gar keine Diebstähle.

Das Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität Baden-Württemberg (KBK) bei der Wasserschutzpolizeistation Konstanz führt das auf die Corona-Reisebeschränkungen zurück. Für die Fahnder überhaupt kein Grund zur Entwarnung. Im Gegenteil.

Insgesamt sind im vergangenen Jahr in Deutschland 144 (149) Sportboote und 540 (541) Außenbordmotoren gestohlen worden. Die meisten Boote wurden in Nordrhein-Westfalen (26) entwendet, in Baden-Württemberg waren es zwölf. Bei den Motoren liegt Brandenburg seit vielen Jahren an erster Stelle, in diesem Jahr mit 102 Motoren (Baden-Württemberg gesamt 49). Die Gesamtschadenshöhe liegt bei etwa 4,9 Millionen Euro.

Außenborder sind gefragt

Für 2022 erwartet das KBK laut Pressemitteilung allerdings einen Boom, denn die Nachfrage, insbesondere nach Außenbordmotoren sei so hoch wie selten zuvor. Außerdem seien Ersatzteile und Neumotoren durch die derzeit in allen Bereichen verknappte Marktsituation kaum oder nur mit langen Wartezeiten verfügbar.

Die Polizei bittet die Bevölkerung deshalb um erhöhte Wachsamkeit in den Häfen sowie insbesondere auch im Bereich von Trockenliegeplätzen. Die Tätergruppen arbeiten nicht nach dem Zufallsprinzip, sondern suchen sich ihren „Arbeitsplatz“ gezielt aus und kundschaften diesen vor der Tat regelmäßig aus, lautet die Warnung.

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Im Bereich Konstanz ist demnach vor Kurzem von einem Motorboot gezielt der sogenannte Z-Antrieb fachmännisch abmontiert und in Gottmadingen ein auffälliges Schlauchboot samt Trailer gestohlen worden.

In Ludwigshafen wurde dem KBK zufolge ebenfalls ein auf einem Privatgelände abgestelltes Motorboot entwendet, das dann aber wieder in Tatortnähe – allerdings ohne den neuwertigen Außenborder – aufgefunden werden konnte.

Brüder und Mutter arbeiten zusammen

Kurz vor Weihnachten nahm die Stuttgarter Polizei einen 35-Jährigen, amtsbekannten bulgarischen Staatsangehörigen mit zwei gestohlenen Außenbordmotoren fest, der am Bodensee in den Jahren 2016 bis 2018 ebenfalls in großem Stil mit zwei Mittätern (Mutter und Bruder) bandenmäßig Außenbordmotoren gestohlen hatte, heißt es in der Mitteilung.

Die organisierte Bande sei damals kurz vor der Ausreise nach Tschechien durch koordinierte Maßnahmen des KBK und den Schweizer Behörden mit gestohlenen Motoren aus der Schweiz festgenommen worden.

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Nach der Auslieferung in die Schweiz wurden Mutter und Sohn laut Mitteilung dort zu zwei beziehungsweise eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Im Mai 2022 sei der erneut festgenommene Sohn vom Amtsgericht Stuttgart zu einer eineinhalb jährigen Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt worden.

In Bukarest „persönlich abgeholt“

Zwei vom Ermittlungsdienst der Wasserschutzpolizei Konstanz in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Baden-Württemberg ermittelte rumänische Staatsangehörige, die kurz vor Weihnachten 2019 in Allensbach vier Außenbordmotoren gestohlen hatten, stellten sich der Mitteilung zufolge der deutschen Justiz.

Nicht ganz ohne Grund, denn einen ihrer Mittäter konnten die Fahnder in Rumänien aufspüren. Er wurde in seinem Heimatland festgenommen und mit europäischem Haftbefehl nach Konstanz ausgeliefert.

Trinkwasser

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Von Fahndungskräften des Polizeipräsidiums Einsatz wurde der Beschuldigte in Bukarest „persönlich abgeholt“, teilt das KBK mit. Die Botschaft der Fahnder an die Täter sei unmissverständlich: „Kommt ihr zu uns, kommen wir auch zu euch.“ Das Amtsgericht Konstanz verurteilte den Beschuldigten demnach zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Im Auftrag von Frontex

Das KBK, das dem Polizeipräsidium Einsatz Göppingen angegliedert ist, hat vor 21 Jahren seine Arbeit aufgenommen und koordiniert in Deutschland die Fahndungsmaßnahmen nach gestohlenen Sportbooten, Außenbordmotoren und Sportboottrailern.

Die Arbeit der drei Fahnder ist der Mitteilung zufolge europaweit ausgerichtet und insbesondere mit der Europäischen Grenzschutzagentur Frontex und Europol sehr eng verknüpft.

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Im Auftrag von Frontex waren zwei der Spezialfahnder im vergangenen Jahr in Rumänien, um dort insbesondere gestohlene Außenbordmotoren aufzuspüren und ihren rumänischen Kollegen ein Basiswissen zu vermitteln, so das Kompetenz-Zentrum.

Insgesamt fünf in verschiedenen europäischen Ländern gestohlene Außenbordmotoren im Wert von mehr als 60.000 Euro konnten die Beamten direkt identifizieren und sicherstellen. In weiteren 45 Fällen wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet, die das KBK noch immer beratend begleiten.

Täter agieren international

Im Jahr 2021 gingen nur halb so viele Anfragen von Kontrollen beim KBK ein wie in normalen Zeiten. Zeitweise Grenzschließungen und scharfe Grenzkontrollen hätten sich auch auf die Reisetätigkeit der nahezu ausschließlich international agierenden Tätergruppen ausgewirkt.

Dennoch gelang es laut Mitteilung in Zusammenarbeit mit Polizeidienststellen in Deutschland und acht europäischen Ländern, insgesamt 14 Sportboote, acht Jetskis (Wassermotorräder), 62 Außenbordmotoren und drei Bootstrailer im Gesamtwert von knapp einer Million Euro sicherzustellen.

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Damit summierten sich die Vermögenswerte, an deren Sicherstellung die Fahndungseinheit maßgeblich beteiligt war, auf mehr als 45 Millionen Euro. Hinzu kämen sogenannte Beifänge, wie zum Beispiel Autos, Motorräder, E-Bikes, Fahrräder, Baumaschinen, Notebooks, Mobiltelefone, Solarpaneele und mehr im Gesamtwert von mehr als 1,6 Millionen Euro.

Prävention

Ausdrücklich warnen die Fahnder vor faulen Verkaufsangeboten im Internet, insbesondere im Zusammenhang mit Außenbordmotoren. Gestohlene Außenbordmotoren seien zum Teil mit professionell gefälschten Seriennummern versehen. Aber auch gestohlene Sportboote würden im Netz mit auf den ersten Blick plausiblen Historien angeboten.

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Vorsicht sei immer geboten, wenn Dokumente fehlen und die Vorgeschichte unklar ist. Um die Bürger davor zu schützen, Diebesgut zu kaufen und sich dabei womöglich selbst strafbar zu machen, bieten die Ermittler des KBK an, das Wunschobjekt vor dem Kauf überprüfen zu lassen.

Dieses Angebot gilt auch für Bürger aus der Schweiz und Österreich. Anfragen können an das Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität unter Telefon telefonisch 07531 / 59 02-300 gerichtet werden.