Bodenseebibliothek

Bodenseebibliothek zeigt Kunst vom See

Friedrichshafen / Lesedauer: 4 min

Bis 11. Dezember sind Arbeiten von Domes, Kaltenmark, Ficus, Schosser und anderen Künstlern zu sehen
Veröffentlicht:30.10.2018, 19:06
Aktualisiert:22.10.2019, 15:00

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Wer war Marie Laufes? Ulrike Siegmund weiß es nicht. Aber bis sie es in Erfahrung gebracht hat, wird sie kaum Ruhe geben. Siegmund ist schließlich Leiterin der Bodenseebibliothek, die alles Wissenswerte über die Bodenseeregion zu ihrem Sammelgebiet erklärt hat. Und in der Bodenseebibliothek hängt noch bis 11. Dezember Marie Laufes Bild „Nuit polaire Bodensee “ an der Wand, als Teil der Ausstellung „Kunst vom See“.

Gezeigt werden zehn Arbeiten, die entweder den Bodensee zum Thema haben oder deren Schöpfer zum See in Beziehung stehen. Abgesehen von Marie Laufes gibt es in der Bodenseebibliothek zu jedem Künstler Bücher oder Aufsätze, die ergänzend präsentiert werden. Namentlich geht es um André Ficus (Friedrichshafen), Hermann Feierabend (Friedrichshafen), Dieter Schosser (Friedrichshafen), Otto Valentien (Kressbronn), Barbara Zoch-Michel (Überlingen), Dietlinde Stengelin (Langenargen), Hubert Kaltenmark (Kressbronn / Tettnang), Diether F. Domes , (Langenargen / Eriskirch) und Andrea Zaumseil (Überlingen / Berlin).

Die Techniken und künstlerischen Sprachen sind völlig verschieden. Marie Laufes „Polarnacht“ am Bodensee aus dem Jahr 1962 erinnert an den „Moormaler“ Sepp Mahler. Dieter Schosser, der derzeit eine kreative Explosion seines Schaffens erlebt, zeigt in einer Eitempera-Malerei von 1989 ein Motiv, das an ein aufgeschlagenes Buch erinnert. Oder ist es eine gegenstandslose Form? Seine grob-intensive Malweise nimmt es mit dem Markus Lüpertz der 80er-Jahre auf. Der Landschaftsarchitekt Otto Valentien setzte sich mit seinen Monotypien immer wieder dem Verdacht aus, Naturformen wie etwa Wurzelwerk, Blumenzwiebeln und andere botanische Formen darzustellen. So lässt sich auch das Blatt in dieser Ausstellung deuten. Die Galeristin Annette Pfaff-Stöhr bezeichnete Valentiens Kunst aber als „Bilder aus dem Unterbewusstsein“, die nicht unmittelbar lesbar, sondern als Symbole für das Dasein zwischen Werden und Verfall zu interpretieren seien. Auch diese Lesart macht Sinn.

Barbara Zoch-Michel lichtet die blattlose „Winterplatane in Hagnau“ so kontrastreich ab, dass sie aus der Ferne wie eine stilisierte Druckgrafik wirkt. Dietlinde Stengelins „Wein- und Apfelkönigin“ arbeitet mit den gelben und roten Erntefarben des Herbsts. Pralle Formen, die das Papier beherrschen und in die der Kopf der besagten Königin nur schwach eingezeichnet ist. Hubert Kaltenmark malt mit dem Tintenstrahldrucker: Das Foto einer jungen Frau hat er auf Folie ausgedruckt und die feuchte Farbe dann auf Butterbrotpapier gepresst. Im saugfähigen Papier zerlaufen die Konturen, der fotografische Charakter verschwindet.

Diether F. Domes’ „Seesommervogel“ lebt ganz aus seinen dynamisch bewegten Flügeln – Lineaturen, die nicht, wie für ihn typisch, wieder aufgebrochen werden. Die Flügel bilden stattdessen Ellipsen und ermöglichen gerade so dem Vogel, was Domes’ Kunst ausmacht: den besagten Aufbruch. Andrea Zaumseil hat nach dem Flugunglück von Überlingen mit ihrer Plastik „Zerrissene Perlenkette“ einen Gedenkort geschaffen. In der Bodenseebibliothek zeigt die gebürtige Überlingerin sich als Zeichnerin, die mit schwarzer Pastellkreide erdige Strukturen schafft – von Licht und Schatten durchzogene Wälle, die Sandstrukturen am Strand ebenso ähneln wie Satellitenbildern von fernen Planeten.

Ulrike Siegmund möchte in den renovierten Räumen der Bodenseebibliothek vermehrt Ausstellungen durchführen, denn hier stehen ihr in Nachbarschaft zu den Buchbeständen zwei jeweils sieben Meter lange Wände zur Verfügung. Kooperationspartner könnte dabei auch das Medienhaus am See sein. In ihm hat auf Initiative von Medienhaus-Leiterin Sabine Giebeler die städtische Artothek ihr Zuhause gefunden. Auch alle Arbeiten der Ausstellung „Kunst vom See“ stammen aus der Artothek. Die Blätter von Stengelin, Kaltenmark, Domes und Zaumseil sind wiederum Teil der Kunstmappe, die der Bodenseekreis zu seinem 30-jährigen Bestehen 2013 herausgebracht hat. Eine dieser Mappen wurde der Artothek als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Mit der Popularität der Artothek geht es bergauf, seitdem ihr Bestand für die Besucher des Medienhauses einsehbar ist. „In diesem Jahr hatten wir schon 80 Ausleihen“, sagt Sabine Giebeler. Das ist mehr als die Hälfte des Gesamtbestandes von rund 150 Werken. Für 10 Euro kann ein Werk acht Wochen lang ausgeliehen und zu Hause an die Wand gehängt werden.