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Bergauf gesegelt

Friedrichshafen / Lesedauer: 4 min

Simon Diesch und Philipp Autenrieth klettern 2017 in der Weltrangliste der 470er-Segler auf Platz 18
Veröffentlicht:29.12.2017, 20:10
Aktualisiert:22.10.2019, 23:00

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Die Olympischen Spiele von Tokyo 2020 haben Simon Diesch vom Württembergischen Yacht Club (WYC) und sein Augsburger Vorschoter Philipp Autenrieth (Bayerischer YC) fest im Blick. Die Mannschaft, die in der 470er-Jolle segelt, ist in der Weltrangliste binnen Jahresfrist aus den 40er-Rängen bis auf Platz 18 geklettert. Zuletzt hatte die Crew das „Christmas Race“ in Palamós an der spanischen Costa Brava gewonnen (SZ berichtete).

Seit dem Frühjahr 2016 segeln Diesch und Autenrieth miteinander – nachdem sie zuvor in anderer Crew-Zusammensetzung gegeneinander segelten, jedoch schon miteinander trainierten. „Anschluss an die Top 20 der Weltrangliste bekommen“, hatte Simon Diesch zu Beginn der Saison 2017 eines der Ziele definiert. Seit Anfang Dezember stehen Diesch/Autenrieth da auf Rang 18 – und damit lediglich ein paar Punkte hinter der momentan noch bestplatzierten deutschen Mannschaft, den Mecklenburgern Malte Winkel und Matti Cipra (Rang 16).

2017 war eine lange, intensive Saison für die beiden 470er-Segler. Nach dem Wintertraining in Cadiz (Südspanien) ging es nach Mallorca, wo sie im April auf Rang elf bei der „Trofeo Prinçesa Sofia“ segelten. Platz 16 stand wenig später zweimal auf der Ergebnisliste: beim World Cup in Hyères und bei der EM in Monaco. Ein Auf und Ab der Leistungen wie auch Gefühle war die Kieler Woche im Juni. Obwohl sich Vorschoter Autenrieth die Schulter bei einer Kenterung ausgekugelt hatte, erreichte das Team am Ende noch Platz vier. Quer durch Europa ging es zur WM nach Thessaloniki (Griechenland), wo bei schwierigen Leichtwindbedingungen Rang 17 herauskam.

Ins „Medal Race“ der besten zehn Mannschaften segelten Diesch/Autenrieth dann beim Testevent im dänischen Aarhus, wo 2018 die Weltmeisterschaften sämtlicher olympischer Klassen erfolgt.

Lediglich im September war es etwas ruhiger auf den 470er-Regattabahnen – ehe ein heißer Herbst folgte. Enttäuscht waren die beiden indes vom Ergebnis der deutschen Meisterschaft Anfang Oktober in Radolfzell. Vierte insgesamt, Bronze in der Herrenwertung – nach dem Titel aus dem Jahr 2016 war dessen Verteidigung eigentlich das Ziel gewesen. Vom Bodensee ging es direkt für drei Wochen nach Japan . Dort stand zunächst die World-Cup-Serie in Gamagori auf dem Programm. Eine schwierige Welle – reflektiert von einer langen Hafenmauer – und starke Strömung sorgten zusammen mit wechselhaften Winden für anspruchsvolle Bedingungen. Diesch/Autenrieth segelten einmal mehr auf Platz 16.

Wenige Tage später verlagerte sich der Tross der Regattasegler nach Enoshima. Dort werden – wie schon 1964 – die Segelwettbewerbe der Olympischen Spiele von Tokyo ausgetragen. Es war schon ein besonderer Moment für Simon Diesch und Philipp Autenrieth, erstmals an diesem Revier zu stehen, auf das sich ihre Träume fokussieren. Mit besonderem Elan segelten sie eine Superserie und kamen auf Platz vier. „Ein schönes Erfolgserlebnis nach dem suboptimalen World-Cup“, so Diesch. Nicht nur die Reviere galt es in Japan zu erkunden, auch die Lebensgewohnheiten dort unterscheiden sich erheblich von den europäischen. Denn Reis mit irgendwas zum Frühstück, mittags und abends entspricht nicht dem Ernährungsplan eines schwäbischen Leistungssportlers.

„Wir sind superhappy“

Zurück in Europa wurde im Dezember zwei Wochen mit den Spaniern in Barcelona trainiert, ehe das Team beim Christmas Race in Palamos zum Sieg segelte. „Das ist ein super Jahresabschluss, wir sind superhappy“, schlossen die beiden 470er-Segler die Saison 2017 ab.

Und die Ziele für 2018 sind fixiert: Top-Ten-Platzierung bei der EM im Mai in Bulgarien, bei der WM in Dänemark in die Top Zwölf segeln – und den deutschen Meistertitel Anfang Oktober in Wismar zurückerobern. Beginnen wird die Segelsaison im neuen Jahr schon am 9. Januar, wenn die beiden ihren zweiten 470er in Miami aus dem Container holen, den sie von Japan aus dorthin geschickt haben – stehen doch im Januar in Florida die nordamerikanischen Meisterschaften und der nächste World Cup an.