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Stillstand

Bahnstreik am See: Azubis und Schüler bleiben teils zu Hause

Friedrichshafen/Tettnang / Lesedauer: 3 min

Die GDL streikt und die Züge stehen. Die Auswirkungen sind am See überall spürbar. Betroffene schildern ihre Probleme.
Veröffentlicht:08.12.2023, 18:24

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Nach schneebedingten Ausfällen und Schienenersatzverkehr zwischen Lindau und Friedrichshafen fahren schon wieder keine Züge. Denn die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) hat zum Streik aufgerufen. Welche Folgen stehende Züge für die Menschen in der Region haben? Wir haben uns umgehört.

Ungefähr 20 Prozent der Schüler und Schülerinnen der Droste-Hülshoff-Schule in Friedrichshafen haben sich explizit wegen ausfallender Zugverbindungen vom Unterricht entschuldigt, berichtet Schulleiterin Angelika Seitzinger. Das hänge mit dem großen Einzugsgebiet der Schulen am Berufsschulzentrum zusammen, das sich über den Bodenseekreis hinaus bis ins Allgäu erstreckt.

Azubis haben langen Heimweg

Ihr Kollege von der Claude-Dornier-Schule (CDS), Stefan Oesterle, berichtet, dass gut die Hälfte der Auszubildenden im Bereich Stahlbeton- und Straßenbau an diesem Freitag nicht zur Schule gekommen ist: „Ein Teil von ihnen wohnt noch hinter Überlingen“, erzählt Oesterle. „Wenn dann die Bahn nicht fährt, wird es kompliziert.“

Ebenfalls stark vom Bahnstreik betroffen seien die CDS-Schülerinnen und Schüler der Hotel- und Gastro-Bezirksfachklasse an der Landesberufschule in Tettnang. Hier stammt etwas weniger als ein Viertel aus Ulm, Tübingen oder anderen entfernten Orten. Diese Schüler verbringen die gesamte Unterrichtswoche vor Ort.

Wichtigen Termin verpasst

Sie durften, so Oesterle, bereits am Donnerstagnachmittag abreisen, damit sie zum Wochenende wieder zu Hause sind. Zur Entspannung trage allerdings bei, dass viele Schülerinnen und Schüler an den beruflichen Schulen bereits selbst mit dem Auto kommen können, ergänzt Seitzinger.

Facebook-Nutzerin Michelle Ohlinger hingegen ist richtig sauer auf die Deutsche Bahn. Sie schreibt, dass sie einen wichtigen Termin in Ulm wegen des Streiks verpasst hat. Und das, obwohl sie sich kontinuierlich informiert habe. Erst als sie Ravensburg erreichte, habe sie gesehen, „dass alle Züge gestrichen sind.“

Ein anderer Facebook-User hat die Nase bereits gestrichen voll. Er schreibt, dass er bereits nach dem „gigantischen, völlig überraschenden Wintereinbruch“ mit dem Kauf eines Autos geliebäugelt hat. „Ich habe es begriffen! Zugfahren in Deutschland ist ein Alptraum.“

Verständnis für Streik schwindet

Stefan Buhl, Sprecher des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben Pro Bahn, sieht das Verständnis für die Streiks bei der Bahn schwinden. Einen Streik noch vor ernsthaften Verhandlungen zu starten, „zeigt mir, dass die GDL an Lösungen nicht wirklich interessiert ist“.

Auch die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung bei gleichzeitigem erheblichem Personalmangel hält Buhl für eine vollkommen unmöglich umzusetzende Idee.

Der Bahnstreik sorgt zudem für Verwirrung. Niemand weiß so genau, welche Züge fahren und welche nicht: Auch bei den Unternehmen, die für die Deutsche Bahn arbeiten. In Bayern und Baden-Württemberg ist das beispielsweise Go-Ahead. „Da entsteht ein ziemliches Durcheinander“, sagt Pressesprecher Winfried Karg.

Mehrkosten für Unternehmen

Zwar werde Go-Ahead nicht bestreikt, Züge können aber trotzdem nicht fahren. Das liege an den „Fahrdienstleitern“, die für die Sicherheit und Abwicklung des Zugverkehrs verantwortlich seien.

Sie seien bei der Bahn angestellt und somit im Streik. Dadurch werde ein sicherer Zugverkehr fast unmöglich. „Wir fahren da, wo wir können“, sagt Karg. Die Zugführer, die pünktlich zur Arbeit kommen und nicht fahren können, müssen aber trotzdem bezahlt werden.

Die Kosten trägt momentan das Unternehmen selbst. „Wir sind aber in Verhandlungen“, sagt Karg. Zu viele Zugausfälle würden sogar einen Vertragsbruch darstellen. Dann wären Strafen fällig. Da Go-Ahead für die Zugausfälle durch den Streik nichts kann, blieben zumindest diese Kosten aus.