StartseiteRegionalBodenseeFriedrichshafenAus einem Erotik-Abenteuer wird ein Albtraum mit fatalen Folgen

Unglaublicher Fall

Aus einem Erotik-Abenteuer wird ein Albtraum mit fatalen Folgen

Bodenseekreis / Lesedauer: 4 min

Eine Prostituierte wird einem 55-Jährigen zum lebensbedrohlichen Verhängnis. Die Mutter des Mannes schildert schockierende Details. Ihr Appell an den Richter ist eindringlich.
Veröffentlicht:04.12.2023, 12:14

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Am zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen eine 44-jährige Frau und ihren 34-jährigen Verlobten wegen räuberischer Erpressung standen am Landgericht Ravensburg die Vernehmung der Mutter des Opfers und die Befragung der ermittelnden Polizeibeamten im Vordergrund.

Laut Staatsanwaltschaft soll das Pärchen einen 55-jährigen Mann aus dem Bodenseekreis im April dieses Jahres nach einer Geldforderung von 2500 Euro brutal zusammengeschlagen haben, woraufhin der Mann im Nachgang einen Schlaganfall erlitt und bis heute gesundheitliche Einschränkungen hat.

Der 55-Jährige hatte die Angeklagte 2010 über ein Erotikportal kennengelernt, mehrfach ihre Dienste in Anspruch genommen und ihr in den vergangenen Jahren immer wieder finanziell ausgeholfen. Insgesamt hatte er ihr 60.000 Euro gegeben.

Mutter fleht Richter an

Ginge es nach dem Willen der Mutter des Geschädigten, die als Zeugin geladen war, so sollte die 44-jährige Angeklagte, die ebenso wie ihr Partner seit Juni in Untersuchungshaft sitzt, nie wieder auf freien Fuß kommen.

„Bitte, bitte: Lassen Sie die nie wieder raus“, wandte sich die 81-Jährige an den Vorsitzenden Richter Daniel Scholze. Durch die Bekanntschaft mit der Angeklagten habe sich ihr Sohn im Laufe der Jahre immer mehr verändert, vom einst ruhigen, besonnenen Mann zum reinsten Nervenbündel, erklärte die Mutter vor Gericht. Er sei „ein Spielball“ in den Händen „dieser Dame“ gewesen, von der anfänglichen Liebe ihres Sohnes zu der Prostituierten sei am Ende wenig übriggeblieben.

Mann bekam fürchterliche Angst

Vielmehr habe er „fürchterliche Angst“ vor der Frau gehabt und schon gezittert, wenn sie ihn anrief, schilderte die Mutter vor Gericht. „Mutti, die braucht Geld. Die tut mir was an. Ich habe Angst“, mit diesen Worten habe sich ihr Sohn mehrfach an sie gewandt, als seine gesamten Ersparnisse aufgebraucht waren, berichtete die 81-Jährige. Daraufhin habe sie ihm, wenn auch „mit viel Geschimpfe“, insgesamt mit 10.000 Euro ausgeholfen.

„Es war peinlich. Er kam nicht von ihr los. Sie hat ihm das Leben zur Hölle gemacht“, berichtete die Mutter. Sogar zu ihren Freiern habe er die Frau manchmal gefahren, erzählte sie weiter. „Mutti, ich wurde grün und blau geschlagen“, habe er ihr nach der Tat noch am gleichen Tag telefonisch berichtet.

Opfer hatte einen Blackout

Wer geschlagen habe, konnte er ihr nicht sagen, da habe er „einen Blackout“ gehabt. Nur dass „der Bodyguard“, so bezeichnete die Mutter den Angeklagten, von ihm eine Überweisung über 2500 Euro mit den Worten „sonst kommst du hier nicht lebend raus“ gefordert habe, habe ihr Sohn ihr erzählt, erklärte die Mutter.

Als sie ihn am nächsten Morgen gesehen habe, sei sie sehr erschrocken. „Es war ein furchtbarer Anblick. Überall Blut, seine Augen waren verquollen, aus beiden Ohren lief Blut, er fing an zu stottern“, berichtete die Mutter, die, nachdem es ihrem Sohn einen Tag später immer schlechter ging, auch den Notarzt verständigte.

Lebensgefährlich verletzt

Im Klinikum Friedrichshafen wurden zwei Blutgerinnsel im Gehirn festgestellt, zwischenzeitlich bestand Lebensgefahr bei dem 55-jährigen. Sie habe ihren Sohn im Klinikum nur unter Nennung eines Passwortes besuchen können, „solange die noch nicht verknackt sind“, berichtete die 81-Jährige, die die Tat schließlich auch gegen den Willen ihres Sohnes, der Angst vor dem Pärchen hat, zur Anzeige brachte.

Da eine akute Lebensgefahr nicht auszuschließen war, wurde der 55-Jährige, obwohl eigentlich nicht vernehmungsfähig, noch im Klinikum von der Polizei befragt. „Es war eine schwierige Vernehmung. Er brachte maximal drei bis vier Worte heraus“, berichtete eine ermittelnde Polizeibeamtin vor Gericht.

Bei Hausdurchsuchung fündig

Dass die Frau Boxerin sei und er zwei Schläge von ihr bekommen habe, habe er mitteilen können, erzählte die Beamtin. Über ein Foto des Angeklagten auf dem Handy des Opfers konnten die Beamten schließlich den 34-Jährigen in ihrer Datei ausfindig machen.

Anfang Juni erfolgt eine Hausdurchsuchung bei der 44-Jährigen, bei der der 34-Jährige inzwischen gemeldet ist. Die Frage der Polizeibeamten, ob sie allein in der Wohnung sei, bejaht die Angeklagte. Allerdings finden die Beamten ihren Verlobten kurz darauf im Schlafzimmer, versteckt im Kleiderschrank zwischen Wäschestücken. Zudem finden sie auch noch ein Tütchen mit Marihuana und Scheckkarten mit Kokainanhaftungen.

Der Prozess wird am 7. Dezember fortgesetzt. Dann wird auch geklärt, ob Richter Daniel Scholze dem Antrag der beiden Verteidiger auf Entlassung ihrer Mandanten aus der Untersuchungshaft stattgibt. Staatsanwalt Florian Brütsch hat allerdings schon sein Veto angekündigt.