Klapprad

Auf dem Klapprad nach Polozk

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Roland Hecht radelt 2200 Kilometer
Veröffentlicht:12.12.2018, 21:07
Aktualisiert:22.10.2019, 14:00

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Eine Geschichte hat während des diesjährigen Heldenabends des Freundeskreises Uphill für großes Erstaunen gesorgt: Nach den Bildvorträgen, in denen die Vereinsmitglieder Martin Abt und Hartwig Plath mit Radsportausfahrten in die Pyrenäen und in den Himalaya für Furore gesorgt hatten, lüftete der Vereinsvorsitzende, Roland Hecht , ein bislang gut gehütetes Geheimnis. Er radelte in diesem Jahr während eines zweiwöchigen Urlaubs nach Polozk.

Nachdem Hecht bereits 2001 in der ersten Häfler Radgruppe nach Sarajevo geradelt war, Saint Dié schon mehrfach mit dem Fahrrad bereist wurde und er 2017 mit einer 612-Kilometer-Nonstop-Tour nach Imperia einen städtischen Rekord gesetzt hatte, sollte nun Polozk das Ziel einer radsportlichen Herausforderung werden. Trotz sechsmonatiger Planungsphase für Visabeschaffungen, GPS-Streckenplanung, Fahrradoptimierungen und Konfektionierung selbstentwickelter Kleinstpacktaschen (in der Radszene bekannt als Bike-Packing) gelang es Hecht, das Ziel der Reise unter Verschluss zu halten, heißt es im Vereinsbericht.

Demnach fanden sich am Freitagabend rund 50 Gäste auf dem Höchsten in der vereineigenen Berghütte ein und dem eigens dafür aufgebauten beheizten Festzelt ein, um den jährlich organisierten Heldenabend zu feiern. Bis dato war das Ziel von Hechts Reise noch unbekannt, heißt es vonseiten des Vereins. Über Italien, Frankreich oder Griechenland sei spekuliert worden, „Weißrussland jedoch hatte keiner auf dem Schirm“. Um so überraschter fielen dann die Reaktionen über die sportliche Höhe der Reise und das von Hecht gewählte Fahrrad aus.

Mit einem Faltrad – besser bekannt als Klapprad – war der Vorsitzende des FkU am 2. August zu seinem „RusslandFALTzug“ in Friedrichshafen gestartet, um mit 220 Kilometer Tagesleistung über Bayern, Österreich, Tschechien, Polen nach Weißrussland sportlich anspruchsvoll zu radeln. Neben durchgehend starkem Ostwind setzte ihm der schlechte Zustand der Straßen in den ehemaligen Staaten des Warschauer Paktes deutlich zu. Das hatte Folgen: Bereits nach 1100 Kilometern verabschiedete sich der erste Reifen mit beängstigendem Höhenschlag, zu heftig waren die vielen Schlaglöcher und die ab und an vorgefundenen Schotterpassagen. Bei nur einem mitgenommenen Ersatzreifen stellte er das Erreichen Polozks somit infrage. Nichtsdestotrotz erreichte Hecht zehn Tage nach Beginn, am 12. August, nach 2200 Kilometern und der Überschreitung der Dwina kurz vor der russischen Grenze die Partnerstadt Friedrichshafens, Polozk, als erster Häfler. „Sichtlich erschöpft und rund sieben Kilogramm leichter“, wie es im Bericht heißt.

Mit Kernseife, Ersatzschlauch und Zahnbürste

Wie richtig die Entscheidung für das sich sonst eher unhandlich fahrende Klapprad war, erwies sich nun bei der Fahrt im Nachtzug nach Sankt Petersburg, denn Fahrräder nimmt die russische Eisenbahn nicht mit. Ebenfalls hilfreich bei der komplett ungeplanten Rückreise war die Entscheidung, nahezu ohne Gepäck zu fahren. Neben einem Ersatzreifen und Schlauch, einer Regenhose und Regenjacke, einer Zahnbürste und einem Stückchen Kernseife bemerkte Hecht bei seiner Bildpräsentation humorvoll speziell an die Adresse der zahlreich erschienene Radsportdamen, dass er ein T-Shirt, eine kurze Hose und nur eine einzige Unterhose für die Radsportreise benötigte.

Abgerundet wurde der Abend mit der zur Präsentation ebenfalls erschienen Delegation des Vereins Freundeskreis Polozk. Voller Freunde wurde mitgeteilt, dass die obligatorische Vereinskollekte des Vereins komplett für das nächste soziale Projekt des Städtepartnerschaftsvereins nach Polozk ginge.