Milliardenspiel

Marcel Reif verrät in Friedrichshafen seinen Top-Favoriten auf den WM-Titel

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Als Gast der Bürger-Universität berichtet er von seiner Sicht auf das Fußballgeschäft
Veröffentlicht:22.11.2022, 15:00

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Der renommierte Fußballkommentator und Sportjournalist Marcel Reif ist bei der Bürger-Universität der Zeppelin-Universität (ZU) zu Gast gewesen. Unter dem Motto „Das Milliardenspiel – Ein Gespräch über die schönste Nebensache der Welt“ sprach Reif über seinen Weg zum Fußball, die Kommerzialisierung des Sports und seine Einschätzung für die Weltmeisterschaft in Katar .

Ein bunt gemischtes Publikum versammelt sich im voll besetzten „Graf-von-Soden-Saal“ an der ZU. Das Interesse an Marcel Reif ist groß. Als Klaus Mühlhahn, der Präsidenten der Universität, die Veranstaltung eröffnet, nehmen Menschen teilweise auf der Treppe Platz. Mühlhahn zeigt sich begeistert von dem Andrang: „Ich freue mich sehr, dass wir hier heute ein volles Haus haben. Das haben wir jetzt zwei Jahre vermisst.“

Weg von der Fankultur

Moderiert von der Studentin Luisa Hiller und dem Gastprofessor Marcel Tyrell, widmet sich das Gespräch zunächst dem Konflikt zwischen Fankultur und dem modernen Fußball. Reif spricht von einer immer größer werdenden Schere zwischen Kommerz und Tradition. „Es wird sich ein Unterhaltungspublikum parallel zur Fankultur entwickeln“, prognostiziert er.

Ich konnte mit Fußball sprechen. Fußball hat mir als Kind das Leben gerettet

Sportjournalist Marcel Reif

Der Kommentator gibt aber auch persönliche Einblicke in seine Kindheit und seine Ehe. Als Kind lebte Reif zunächst in Polen und später in Israel. Er sei allerdings nie lang genug an einem Ort geblieben, um die Sprachen zu lernen. Mit acht Jahren zog er schließlich mit seinen Eltern nach Kaiserslautern, wo er den Fußball für sich entdeckte. „Ich konnte mit Fußball sprechen. Fußball hat mir als Kind das Leben gerettet“, erzählt er über seine schwierige Anfangszeit in Deutschland.

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Das „Graf von Soden-Forum“ der Zeppelin Universität ist voll besetzt. Teilweise nehmen Menschen auf der Treppe Platz. (Foto: Hanna Neuberger/Schwäbische.de)

Dann lenken die Moderatoren den Blick auf die WM in Katar. Dass die Fifa das Großturnier in ein Land mit solchen Verhältnissen vergeben hat, bedauert Reif. Wenn es nach ihm ginge, sollten solche Turniere nur in demokratischen Ländern ausgetragen werden – die Auswahl sei allerdings begrenzt. Über die Weltmeisterschaft in Katar sagt er: „Wenn es etwas Gutes an diesem Turnier gibt, ist es, dass wir heute über die Verhältnisse in Katar sprechen.“

Südamerika ist an der Reihe

Schauen wolle er die Spiele aber trotz all der Kritik, die er für das Land und die Fifa übrig hat. Fußballerisch erwartet Reif eines der besten Turniere und eines, bei dem die deutsche Nationalmannschaft nicht zum Favoritenkreis gehört. „Ich glaube, dass Messi noch mal zeigen wird, was er kann. Einen Euro setze ich auf Argentinien“, scherzt er.

Die anschließende Diskussion mit dem Publikum empfand der Sportjournalist als angenehm, wie er der „Schwäbischen Zeitung“ verriet. „Es gab wenige Grundsatzfragen, das kommt selten vor.“