Klassenzimmer

Als Gewaltopfer meldet sich ganze Klasse

Friedrichshafen / Lesedauer: 2 min

Als Gewaltopfer meldet sich ganze Klasse
Veröffentlicht:30.09.2010, 11:10
Aktualisiert:26.10.2019, 00:00

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In Friedrichshafens Klassenzimmern geht es heiß her. Peter Köstlinger, Verhaltenspräventivbeamter, hat mit seiner Aktion „Tatort Jugendzimmer“ Station in Häfler Schulen gemacht. Schüler des Graf-Zeppelin-Gymnasiums haben anhand von Rollenspielen und Filmbeispielen gelernt, wie sie möglichst gewaltfrei ihren Alltag meistern können.

Von unserer Mitarbeiterin Anna Horneffer

Als der Kriminalhauptkommissar fragte, wer alles schon mal Opfer von Gewalt geworden sei, meldete sich die gesamte Klasse 8c. Die Übergriffe reichten von Beleidigung oder Eigentumsbeschädigung bis hin zu tätlicher Gewalt. Dementsprechend ausgelastet ist der Polizist, der zusammen mit Harald Reiners und Andreas Büchele in Schulen und Kindergärten Aufklärungsarbeit leistet. Mit Bildern und Rollenspielen möchten die Beamten Betroffenheit bei den Schülern erzeugen.

„Ich hätte nicht gedacht, dass man so schnell Opfer wird“, staunte Chiara Herzog, 13 Jahre. Deshalb sei auch die Präventivarbeit so wichtig, erzählte Köstlinger. Wenn man von Anfang an richtig reagiere, könne man Gewalttätigkeiten vermeiden. Angst sei dabei unbedingt notwendig, man dürfe sie nur nie zeigen, mahnte der Polizist. Der 1,90 Meter-Mann suchte sich einen Schüler aus und begann eine Auseinandersetzung mit dem viel kleineren Jungen, wodurch er zeigen wollte: „Der Täter ist ein feiges Schwein, er sucht sich immer schwächere Opfer.“

Die Schüler waren begeistert bei der Sache. Das Trainig war aufgeteilt in drei Teile: Gewalt, Mobbing und ein Film über Zivilcourage. Köstlinger forderte: „Lasst nicht zu, dass einer aus eurer Klasse fertiggemacht wird.“ Die Schüler spielten Situationen nach und diskutierten über ihre Gefühle. Am Ende des Trainings waren sie sich einig: „Wir reagieren jetzt anders, jetzt wissen wir nämlich, was alles passieren kann“.

Seit Jahren schon kommt Peter Köstlinger in die Schule. „Durch die Amokläufe hat das Ganze starken Aufwind bekommen“, erläuterte der Schulleiter, Dr. Hermann Dollak. Das Thema Gewaltprävention werde inzwischen auch auf Schulleiterebene diskutiert und es würden Maßnahmen ergriffen. Dazu gehöre das Training genauso wie ein anschließender Elternabend oder „Meckerkästen“ und Streitschlichter aus den Reihen der Schüler.