Bürgerinnendialog

60 Interessiert sammeln Ideen für nachhaltige Kommune

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Reges Interesse an erstem Bürgerinnendialog in Friedrichshafen
Veröffentlicht:30.06.2021, 10:17

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60 Menschen haben sich auf Einladung der GWÖ-Regionalgruppe Bodensee zum Bürgerinnendialog im Graf-Zeppelin-Haus getroffen und gemeinsam an Ideen für eine nachhaltige und menschenfreundliche Kommune gearbeitet, das teilt der Verein zur Förderung der Gemeinwohlökonomie mit. Alessendra Hensel vom GWÖ Baden-Württemberg und Frank Labitzke führten die Teilnehmenden durch die Veranstaltung.

Das Format des Bürgerinnendialogs sei seit drei Jahren in Baden-Württemberg bewährt. An diesem Workshoptag standen Impulse zu den Nachhaltigkeitszielen und Informationen über den Ansatz der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) auf der Agenda und mündeten in Diskussionen und dem Abarbeiten daraus resultierender Fragestellungen: Wie lebt ein Pionierunternehmen die Werte der Nachhaltigkeit und wie lassen sich „Good Practices“ den Themenfeldern der Gemeinwohlmatrix zuordnen? Welche Bedeutung hat die GWÖ für die zukünftige Entwicklung in Gesellschaft und Wirtschaft und für das eigene Leben? Wie sollten Unternehmen gefördert und besteuert werden, die sozial-ökologische Kriterien erfüllen oder davon abweichen? Was kann die GWÖ dazu beitragen, dass Produkte und Leistungen ihren wahren Preis zeigen und die Folgen des wirtschaftlichen Handelns auf Soziales und Ökologie transparent sind? Schließlich wollen Kunden wissen was es wirklich „kostet“ und davon ihre Kaufentscheidung abhängig machen. Wie wäre es, wenn man als Kommune nachhaltige Kriterien an die öffentlichen Aufträge knüpft? Die Klimaziele wären erreichbar und die Welt wird eine Gerechtere. „Höchste Zeit sich über den aktuellen Stand in der eigenen Kommune zu informieren und sich daran zu messen“, sagt Kajo Aicher aus Tettnang und fügt hinzu: „Überraschungen sind nicht ausgeschlossen!“

Die Bewältigung der Klimakrise und sozialen Ungerechtigkeiten sei nicht nur die Summe einzelner Handlungen, sondern fordere laut Pressemitteilung einen Veränderungsprozess und eine breite Beteiligung. Ulrike Amann , Gemeinwohl Beraterin aus Vorarlberg, habe in ihrem Impulsvortrag zur Nachhaltigkeit in Kommunen hervorgehoben, welche Verantwortung politisch Verantwortliche mit der Beteiligung von Bürgerinnen eingehen. „Die Menschen mit ihren Ideen und Beiträgen stellen einen Goldschatz dar, welches wertgeschätzt und in Entscheidungen und Umsetzungen Berücksichtigung finden darf“, wird Amann zitiert. Es brauche einen übergreifenden Konsens und das Vertrauen in das Miteinander, um den Weg in eine nachhaltige Zukunft erfolgreich einzuschlagen.

Die Teilnehmenden hätten das „Systemischen Konsensieren“ kennengelernt und hätten es direkt in praktischen Übungen angewendet. Diese Methode greife die Problematik von Mehrheitsentscheidungen heutiger, auf Mehrheitsbeschlüsse ausgerichteter, demokratischer Meinungsbildungsprozesse auf. Diese produziere Gewinner und Verlierer. Dagegen sei das Systemische Konsensieren auf das Identifizieren von Widerständen ausgerichtet. Die Methode frage jeden Einzelnen: Worin besteht Dein Widerstand und was brauchst Du, um der Lösung zuzustimmen. Sie sei eine Methode des Gehörtwerdens.

„Es war so viel Energie im Raum und eine Fülle von Ideen und Vorhaben zur Nachhaltigkeit, dass wir uns einfach ermutigt fühlen daran anzuknüpfen“, wird Thomas Henne – einer der Initiatoren des Bürgerinnendialogs in Friedrichshafen, zitiert. Die GWÖ-Regionalgruppe Bodensee Oberschwaben wird die Ergebnisse aufbereiten und zu einer Nachleseveranstaltung im Laufe des zweiten Halbjahrs einladen. Dazu trifft man sich schon am 12. Juli um 19 bis 21 Uhr. Interessierte können sich an folgende Adresse wenden: [email protected]