Dampfschiff

1933 ausgemustert und einfach versenkt: Dampfschiff liegt noch heute am Grund des Bodensees

Friedrichshafen / Lesedauer: 3 min

Als die „Säntis“ 1933 nicht mehr gebraucht wurde, hat man sie mit großen Spektakel und samt Flagge im Bodensee versenkt. Das Schiff liegt so tief, dass es noch hervorragend erhalten ist.
Veröffentlicht:04.07.2022, 15:00
Aktualisiert:04.07.2022, 15:34

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Das Raddampfschiff „Säntis“ liegt noch immer gut erhalten auf dem Grund des Bodensees . 1933 wurde das Schiff von der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt AG ausgemustert - und deswegen samt Maschine und Aufbauten in einem großen Spektakel versenkt. Vor 130 Jahren, so teilt die Schweizerische Bodensee-Schifffahrt AG mit, wurde das Schiff in Betrieb genommen. Damals gab es noch keine Autos oder Flugzeuge.

Am 1. Juli 1892 trat das Raddampfschiff „Säntis“ am Bodensee seine erste Fahrt an. Hauptverkehrsmittel für Personen und Güter im Fernverkehr war damals noch die Eisenbahn. Natürlich mit Kohle und Dampf, heißt es in der Mitteilung weiter, die Elektrifizierung war damals ganz neu. Im Nahverkehr ging man zu Fuß oder fuhr Pferdekutsche.

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Das Dampfschiff „Säntis“ besaß ein Klipperbug mit Bugspriet, wie ein Segelschiff. Dieser wurde in der Werftsaison 1897/98 zu einem senkrechten Bug umgebaut.

1920 wurde das Schiff laut Schweizerischer Bodensee-Schifffahrt AG als erstes Bodensee-Dampfschiff von Kohlen- auf Ölfeuerung umgestellt, wodurch die Mannschaft um einen Mann verringert werden konnte. Das DS Säntis hat wie die Titanic eine Drei-Zylinder-Dampfmaschine, welche sehr selten ist.

Im Jahr 1933 wurde das Schiff dann aber ausgemustert und laut Mitteilung samt Maschine und Aufbauten im Bodensee versenkt. Das geschah über Bug, genau wie bei der Titanic. Mit zischendem Rauch und am Schluss noch die Schweizer Flagge hochhaltend, verschwand sie vom Tageslicht.

Wie im Daumenkino sehen Sie in dieser Bildergalerie, wie das Dampfschiff langsam sinkt:

Im Herbst 2013 wurde das Dampfschiff „Säntis“ bei Vermessungsarbeiten im See auf rund 210 Metern Tiefe wieder entdeckt. Das Süßwasser, die Dunkelheit und die Sauerstoffarmut hat das Wrack hervorragend erhalten.

„Eine Bergung ist technisch kein Problem jedoch privatwirtschaftlich unmöglich. Unsere Firma hat eine Hebung bereits im Jahr 1943 geprüft“, sagt der Technische Betriebsleiter der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt AG, Silvan Paganini. Die Kosten der Bergung und Instandhaltung seien immens und für eine privatwirtschaftliche Firma nicht zu finanzieren.

Weiter würde der laufende Unterhalt sehr viel Geld verschlingen und wäre nur mit großzügigen Sponsoren und Fördervereinen oder durch öffentliche Hand zu stemmen.

Auch läuft demnach die Zeit davon. 2020 ratifizierte die Schweiz das Übereinkommen über den Schutz des Unterwasser-Kulturerbes. Dabei werden alle Spuren menschlicher Existenz, die über 100 Jahre ununterbrochen unter Wasser liegen, unter Schutz gestellt und dürfen nicht kommerziell ausgebeutet werden.

„Wir hätten also noch bis 2033 Zeit, das Dampfschiff zu bergen, doch dies wäre ein sehr kostspieliges Abenteuer“, meint Silvan Paganini. Das Nachfolgerschiff der „Säntis“, die „MS Zürich“ (Baujahr 1933) fährt noch im regelmäßigen Kursbetrieb auf dem Bodensee.