Landtagswahlergebnis

Das sagen die Kandidaten des Bodenseekreises zum Landtagswahlergebnis

Bodenseekreis / Lesedauer: 6 min

Emerich will die Erneuerung der CDU – Högel fordert Professionalisierung der AfD – Bancazio hofft auf eine Regierungsbeteiligung der SPD – Frank schaut nach vorne
Veröffentlicht:14.03.2021, 22:47

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Nach bisherigem Stand der Dinge haben es zwei der sechs Kandidaten des Bodenseekreises wieder in den Landtag geschafft. Martin Hahn und Klaus Hoher vertreten ihre Parteien in Stuttgart.

Es ist ein guter Abend für den Landtagskandidaten der Grünen im Bodenseekreis Martin Hahn . Nach viel Applaus für den Überlinger bei einem digitalen „Get together“ seiner Fraktion anstelle der sonst üblichen Wahlparty lautet sein erstes Fazit: „Wir können stolz sein, denn wir haben eine gute Leistung miteinander hingelegt.“ Es sei ein ruhiger Wahltag für ihn gewesen, berichtet er vorher im Gespräch mit der SZ. Mit dem Ergebnis sei er – auch wenn er vor seinen Parteifreunden später zugibt, er habe sich noch etwas mehr erhofft – zufrieden.

„In Anbetracht der aktuellen Lage und für uns als Regierungspartei innerhalb einer Pandemie, in der die Menschen viele Einschränkungen hinnehmen mussten, ist das ein sehr gutes Ergebnis“, sagt Hahn. Auch wenn derzeit noch alle Koalitionen mit den „demokratischen Parteien offen“ seien, hat der Gewinner im Bodenseekreis einen Favoriten. „Meiner Meinung nach müssen wir eine Ampel riskieren. Nach fünf Jahren mit der CDU würde ich sagen, dass das nicht mehr sein muss. Aber wir werden reden und sehen, was das Beste fürs Land ist.“

Das klingt ein wenig nach dem, was auch die Kandidatin der CDU, Dominique Emerich , von sich gibt. „Es muss jetzt einen deutlichen Erneuerungsprozess in der CDU geben. Morgen ist Landesvorstandssitzung und wir werden sehen, wo es hingeht.“ Sie sieht die Regierungsbeteiligung der CDU in den vergangenen fünf Jahren als nachteilig an und kann sich eine Oppositionsrolle für die Partei gut vorstellen. „Wenn ich mal den Martin Hahn kritisiert habe, dann habe ich aus Stuttgart gehört, ,endlich greift mal jemand den Koalitionspartner an’. Das war in den vergangenen fünf Jahren wie in einer Wolke.“ Die Möglichkeit, über die Zweitstimme noch ins Parlament zu kommen, sieht sie als sehr gering ein, will es aber auch nicht ausschließen. Sie wird der Politik aber erhalten bleiben. „Ab morgen kann ich dann wieder mal in meiner Anwaltskanzlei arbeiten, politisch will ich den Prozess der jetzt kommen muss, verfolgen“, sagt sie. Sie stehe dafür bereit.

FDP-Kandidat Klaus Hoher verteidigt nach eigenen Angaben sein Mandat im Landtag für den Wahlkreis Bodensee. Er ist am Wahlabend tiefenentspannt, obwohl erst nach Stunden feststeht, dass er sein Ziel erreicht hat. Immerhin steht schon früher fest, dass das Ergebnis der FDP im Bodenseekreis bei 13,25 Prozent liegt und somit höher als der Landesdurchschnitt von gut zehn Prozent. Um zu erfahren, ob er auf ein Überhangmandat hoffen kann, behält er die Ergebnisse der elf Wahlkreise im Bereich des Regierungspräsidiums Tübingen im Auge. Sicher ist er sich erst, als er sieht, dass er von allen FDP-Kandidaten im Bezirk das beste Ergebnis holt. „Ich bin froh und dankbar“, sagt er. Fünf Jahre lang habe er das Maximum gegeben, Tag und Nacht gearbeitet. „Ich sehe es als Bestätigung meiner Arbeit und es ist wichtig für mich, diese Bestätigung zu bekommen“, sagt Hoher. Vor allem, weil er pandemiebedingt im vergangenen Jahr nicht mehr so viel Kontakt mit den Menschen vor Ort hatte. Jetzt freut er sich doppelt: „Mein Ergebnis von über 13 Prozent ist das höchste Ergebnis bei einer Landtagswahl für die FDP im Bodenseekreis und es ist das erste Mal, dass das Mandat eines FDP-Landtagsabgeordneten aus dem Bodenseekreis bestätigt wurde“, sagt er. Die FDP sei bereit, mit allen Parteien außer der AfD in Sondierungsgespräche zu gehen. Vor der Wahl habe die FDP klare, unverrückbare Positionen formuliert. Sie seien die Grundbedingung der Liberalen, um in Sondierungsgespräche zu gehen. „Dazu zählen fünf Punkte, zum Beispiel eine Wasserstoffstrategie“, sagt Hoher. „Die Hürden, um mit uns ins Gespräch zu kommen, sind also nicht zu hoch.“

Sander Frank (Die Linke) hat sein Ziel, in den Landtag einzuziehen, nicht erreicht. Zwar konnte er für die Partei im Bodenseekreis Stimmen hinzu gewinnen, die drei Prozent aber reichen nicht. „Die Themen werden immer wichtiger, die wir verfolgen“, sagt er.

Er sieht jetzt die Bundestagswahl als wichtigen Termin, das sei Ansporn für ihn, als politisch aktiver Mensch präsenter zu sein. Er wird nicht nur in seinem Studium der Politik erhalten bleiben, sondern auch sein Ratsmandat weiter ausfüllen. Ein wenig klingt Frust durch, doch seine Aussichten für die Zukunft zeigen ihn als streitbaren Menschen, der sich „für die Menschen und die Themen der Zukunft, wie soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz, einsetzen“ wird.

„Unser Ziel war es, ein zweistelliges Ergebnis zu erreichen“, sagt der AfD-Kandidat Christoph Högel , „das haben wir verfehlt.“ In der aktuellen Krisensituation hätten Regierungsparteien immer einen Vorteil, sagt Högel, der den Wahlabend in den Fraktionsräumen der AfD im Landtag in Stuttgart verbrachte. Als Opposition sei es schwieriger gewesen, medial durchzudringen. Auch die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie hätten es der AfD und ihm als neuen Kandidaten im Wahlkreis 67 schwer gemacht, bekannt zu werden. Selbstkritisch sagt Högel aber, dass man die Vorschusslorbeeren, die man nach der Wahl 2016 bekommen habe, als AfD nicht zurückbezahlen konnte, weil einige wenige wie Wolfgang Gedeon das mediale Bild mit Fraktionsspaltungen dominiert hätten. „So was darf nicht mehr vorkommen“, sagt Högel, „sonst werden wir keinen Erfolg mehr haben.“ Högel fordert eine Professionalisierung der AfD über die Landesgrenzen hinaus.

„Dass wir kein gutes Ergebnis erwarten dürfen, war auf Landesebene schon vorher klar. Aber natürlich tut das Ergebnis weh und ist erst einmal ein Schlag ins Gesicht, das muss man zugeben. Nichtsdestotrotz: Ich brenne nach wie vor für unsere Themen. Wir werden uns jetzt sammeln, sehen, was wir verbessern können und dann geht es weiter“, sagt Jasmina Brancazio (SPD) . Durch die Pandemie sei der Wahlkampf natürlich erschwert gewesen, fügt sie an. „Wir hoffen aber noch auf die Möglichkeit der Regierungsbeteiligung, weil wir einfach weiterhin denken, dass unsere Themen wie Bildung und Frauenthemen richtige und wichtige Themen sind. Das habe ich aus den Gesprächen auch mitgenommen.“ Besonders besorgt sei sie hingegen, dass die AfD weiterhin Stimmen bekäme. „Das zeigt, dass wir anderen Parteien alle nicht genug an die Menschen herangekommen sind und ihnen keine echten Lösungswege zeigen konnten, sondern Politikverdrossenheit und Misstrauen weiterhin so angestiegen sind, dass Menschen weiterhin die AfD wählen.“