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Hollywood-Glamour und Eiseskälte: Was eine Oberhöferin in der Arktis erlebt

Warthausen / Lesedauer: 4 min

Lea Fisel arbeitet für Filmproduktionen auf der norwegischen Insel Spitzbergen. Polarlichter, Eisbären und Gletscher sind für sie Alltag. Was sie dort gelernt hat.
Veröffentlicht:02.12.2023, 17:00

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Schnee und Eis bis zum Horizont, an dem nur das Meer wartet. Keine Menschen, keine Hütten, nicht einmal Wege oder Schilder. Vielleicht ein paar Eisbären oder Rentiere:

Das ist die Landschaft auf Spitzbergen, wie sie Lea Fisel aus Oberhöfen beschreibt. Seit fünf Jahren lebt die 27-Jährige auf der norwegischen Insel, von der viele andere nur träumen.

Geplant hatte Fisel das nie. Während ihres Lehramt-Studiums war sie für ein Semester in Tromsø gelandet, hat dort spontan viele Kurse in Naturvermittlung belegt. In dieser Zeit machte sie ihren ersten zehn Tage andauernden Skitrip, bei dem sie bei Minus 20 Grad im Zelt übernachtete, und besuchte zum ersten Mal Spitzbergen.

Um in der Kälte gut klarzukommen, sollte man viele Schichten Kleidung tragen, rät Lea Fisel.
Um in der Kälte gut klarzukommen, sollte man viele Schichten Kleidung tragen, rät Lea Fisel. (Foto: Lea Fisel)

„Das war so schön und unberührt“, erinnert sie sich noch an diesen ersten Eindruck damals. „Sowas erleben zu können, jeden Tag: Das ist schon etwas Besonderes.“

Neue ARD-Serie „Die Saat“

Später begann sie zunächst als Naturführerin auf der Insel zu arbeiten, seit einigen Jahren ist sie für eine Filmproduktionsfirma tätig. Mal arbeitet sie als Projektmanagerin, mal geht es darum, die richtigen Drehorte zu finden. So hat sie schon an Filmen für Hollywood, wie dem nächsten Teil der beliebten „Mission Impossible“-Reihe mitgewirkt. In diesem Jahr war eines ihrer großen Projekte die Serie „Die Saat - Tödliche Macht“.

In „Die Saat – Tödliche Macht“ suchen die Polizistin Thea Koren (Ingrid Bolsø Berdal, re.) und der deutsche Polizist Max (Heino Ferch) weitere Spuren auf Spitzbergen.
In „Die Saat – Tödliche Macht“ suchen die Polizistin Thea Koren (Ingrid Bolsø Berdal, re.) und der deutsche Polizist Max (Heino Ferch) weitere Spuren auf Spitzbergen. (Foto: ARD Degeto/Odeon Fiction GmbH/NRK)

„Die Saat“ ist ein Polit-Thriller mit sechs Folgen, der neben Spitzbergen auch in Prag und München gedreht wurde. Heino Ferch spielt den Kripobeamten Max, der sich auf Spitzbergen auf die Suche nach seinem vermissten Neffen macht.

Schon bald stellt sich heraus, dass das Verschwinden des jungen Umweltaktivisten mit der Übernahme eines Saatgut-Konzerns zusammenhängen könnte, über die in Brüssel kontrovers diskutiert wird. Ausgangs- und Endpunkt der Serie ist der Saatgut-Tresor auf Spitzbergen, wo Saatgut aus der ganzen Welt als genetisches Back-up für den Katastrophenfall lagert.

So lief der Dreh

Der Dreh für die Saat auf Spitzbergen hat Lea Fisel mehrere Monate lang beschäftigt. Sonst dreht sie häufig Naturdokus in der Wildnis, für die Saat haben sie aber viel im Dorf gearbeitet.

Das hat viel Organisation erfordert, wie Straßensperrungen, Erlaubnisse - und viele Bürger von Spitzbergen, die als Komparsen mitwirken durften. Das hat Fisel besonders gefreut, denn die Gemeinschaft sei auf Spitzbergen sehr wichtig. „Hier gibt es viel Vertrauen in die Mitmenschen“, sagt sie.

Klimawandel ist ein großes Thema

Fisel hofft, durch ihre Arbeit auf Spitzbergen dazu beitragen zu können, dass die Leute über den Klimawandel nachdenken. „In der Arktis schreitet das viel schneller voran“, betont sie. Allein in den fünf Jahren, die sie jetzt auf der Insel sei, habe sie schon eine deutliche Veränderung bemerkt.

Ihr Job auf Spitzbergen führt Lea Fisel an die entlegendsten Orte.
Ihr Job auf Spitzbergen führt Lea Fisel an die entlegendsten Orte. (Foto: Lea Fisel)

Zwar seien sie nördlich genug, dass das Meereis noch relativ stabil sei, doch es bilde sich immer später. „Dass wir mehr Schnee haben, ist auch ein Zeichen, dass es wärmer wird“, sagt sie.

Heimweh nach Kässpätzle

Zu Weihnachten ist Lea Fisel oft Zuhause in Warthausen, „aufs Schützenfest habe ich es aber schon länger nicht geschafft“, gibt sie zu. In den Wintermonaten auf Spitzbergen, wenn es besonders kalt und dunkel ist, vermisst sie aber nicht Wärme und Licht, sondern das Essen aus Deutschland. Kässpätzle, Schokolade und Knauzenwecken. „Eine deutsche Bäckerei sollte man hier aufmachen“, findet sie.

Polarlichter sind so weit im Norden keine Seltenheit.
Polarlichter sind so weit im Norden keine Seltenheit. (Foto: Lea Fisel)

Dabei sei Spitzbergen auch für sie, wie für viele andere auf der Insel, kein „Für-Immer-Ort“. Dazu sei es vielleicht doch zu klein, selbst im Vergleich zu Oberhöfen. „Du kannst hier quasi bis Ulm fahren und das war’s. Nur da kommt kein Ulm, sondern nur das Ende der Straße“, beschreibt sie es. „Das einzige, was man machen kann, um mal was anderes zu sehen, ist raus in die Natur zu fahren.“

Spitzbergen hat viel zu bieten

Diese Natur ist Fisel aber noch lange nicht leid. „Es gibt so viele wunderschöne Orte auf Spitzbergen“, schwärmt sie. Von einsamen Wochenendhütten am Fjord bis hin zu den Wasserfällen am Rand des Bråsvellbreen-Gletschers.

Auch die Tierwelt im hohen Norden ist eine andere: Eisbären und Walrösser statt Fuchs und Wildschwein.
Auch die Tierwelt im hohen Norden ist eine andere: Eisbären und Walrösser statt Fuchs und Wildschwein. (Foto: Lea Fisel)

Sie würde jedem empfehlen, einmal nach Spitzbergen zu kommen, für das Abenteuer und dafür, die eigene innere Stärke zu finden. Sie habe dort gelernt, selbst, wenn sie mitten im Sturm sitzt, darauf zu vertrauen: Das wird wieder. „Manchmal hat man es gar nicht geplant und landet trotzdem in so einer Wunschvorstellung“, sagt sie.


Das Erste zeigt „Die Saat - Tödliche Macht“ am Samstag, 9. Dezember, ab 20.15 Uhr (vier Folgen) und Sonntag, 10. Dezember, ab 21.45 Uhr (zwei Folgen). Online First ist die Serie bereits ab Freitag, 1. Dezember 2023, in der ARD Mediathek abrufbar.