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Disco-Erinnerungen in Warthausen

Disco im Leo: Korea, „Still loving you“ und der Einstieg durchs Fenster

Warthausen / Lesedauer: 3 min

Das Leo in Warthausen war lange der Dreh- und Angelpunkt des Dorflebens. Von Fasnetsfeiern bis hin zu Hochzeiten ‐ und den Discos in den 1980ern.
Veröffentlicht:08.10.2023, 05:00

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Manche Dinge oder Orte begleiten einen ein Leben lang. Für Cordula Seemann ist das „Leo“ in Warthausen so ein Ort: Mit drei bekam sie dort einen Preis vom Luftballonwettbewerb der Bank überreicht, erste Erinnerungen an die Fasnet machte sie dort, als Jugendliche schlich sie heimlich zu den Discoabenden und später heiratete sie sogar im Leo ‐ genau wie ihre Eltern fast 40 Jahre zuvor.

Eigentlich ist das Leo in Warthausen, früher als „Löwen“ bekannt, eine Kneipe, auch heute noch. Mitte der 1980er Jahre war es immer wieder auch Schauplatz für die Discos „Atomic“ und „Powerplay“. Dort trafen sich die Jugendlichen aus Warthausen und Biberach. „Da gingen alle hin“, erinnert sich Seemann heute.

Disco statt Kirche

Sie war eigentlich noch etwas jung dafür, vielleicht 14 oder 15 Jahre alt, und ihre Eltern sehr streng. Deswegen durfte sie nicht immer zu den Discos. „Was ich aber immer musste, war am Samstag in den Vorabendgottesdienst gehen“, verrät sie.

2002 hat Cordula Seemann ihre Hochzeit im "Leo" gefeiert.
2002 hat Cordula Seemann ihre Hochzeit im "Leo" gefeiert. (Foto: Seemann (privat))

„Und da der ,Löwen’ nicht weit weg von der Kirche ist, habe ich immer die Zeit genutzt, um heimlich diese kurze Stunde zur Disco zu gehen.“ Eine Komplizin hatte sie dabei auch: „Meine Oma, die tatsächlich im Gottesdienst war, hat mich nie verraten.“

Details, die in Erinnerung bleiben

In den Discos legte ein DJ auf, „vermutlich liefen die Top 10 rauf und runter“, sagt Seemann. So ganz sicher ist sie sich nicht mehr, aber ein Freund von ihr erinnert sich noch: Neben den Charts lief auch Heavy-Metal, jedes Mal spielten sie irgendwann „Still loving you“ von den Scorpions und leiteten damit nahtlos in den Stehblues über.

Beliebte Getränke waren Korea (Cola und Rotwein), Colaweizen, Wodka Lemon und Asbach Cola. „Pfui Teufel!“, kommentiert er das heute nur noch per Textnachricht.

Fast 40 Jahre vor ihr, haben auch Cordula Seemanns Eltern ihre Hochzeitsfeier im Löwen gehalten.
Fast 40 Jahre vor ihr, haben auch Cordula Seemanns Eltern ihre Hochzeitsfeier im Löwen gehalten. (Foto: Seemann (privat))

Der Eintritt zu den Discos kostete damals zwei Mark, die sich mancher jedoch wohl sparte, indem er oder sie übers Klofenster in den Löwen kletterte. Voll war es immer, erinnert sich Cordula Seemann, bei gutem Wetter standen die Leute sogar draußen. „Man konnte auch alleine rein, weil man immer Bekannte getroffen hat.“

Heute Fußball statt Tanzbein

Seit 2002 führt Fred Gerster mit seiner Frau Martina das Leo. In der ersten Zeit, nachdem er die Kultkneipe übernommen hatte, waren Livebands, von Blasmusik bis hin zu Pop und Country, das Aushängeschild der Location.

Lange wird es das Leo wohl nicht mehr geben.
Lange wird es das Leo wohl nicht mehr geben. (Foto: Maike Daub)

Heute ist es vor allem eine Fußballkneipe, mit allen nötigen Sendern. Den rustikalen Stil aus den 1980ern hat Gerster bewahrt ‐ und absichtlich entsprechend dekoriert und verstärkt.

Eine Ära geht zu Ende

Auch er erinnert sich an die Discoabende im Löwen. „Das war Treffpunkt Nummer Eins damals“, sagt er. Mittlerweile ist er fast 69 Jahre alt. Noch zwei Jahre will er das Leo mit seiner Frau führen, dann hören sie wohl gesundheitlich auf.

Die Kultkneipe wird es dann wohl nicht mehr geben, dabei hat sie nicht nur Cordula Seemann lange begleitet. „Der Löwen zieht sich so durchs Leben durch, ich bin dem emotional sehr verbunden“, sagt sie. Allein ist sie damit vermutlich nicht.