Landesförderung

Wohnen im Denkmal: 450 Jahre altes Bauernhaus bekommt Landesförderung für Umbau

Tannheim / Lesedauer: 4 min

Baden-Württemberg fördert besondere Bauprojekte für mehr Wohnraum in Tannheim und Hürbel
Veröffentlicht:02.01.2023, 05:00
Aktualisiert:09.01.2023, 16:54

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Wohnraum ist knapp, auch in ländlichen Regionen. Leerstehende, alte Gebäude sanieren, um den Raum als Wohnung zu nutzen, kann teuer werden. Das Land Baden-Württemberg ermuntert zu solchen Vorhaben. Unter den geförderten Projekten sind ein Bauernhaus aus Tannheim und ein Gasthaus in Hürbel.

Programm soll Denkmaleigentümer ermuntern

Das Land fördert 15 Projekte durch das Sonderprogramm „Wohnen im Kulturdenkmal“ mit insgesamt rund 1,1 Millionen Euro. „Es soll die Eigentümerinnen und Eigentümer von denkmalgeschützten Gebäuden ermuntern und unterstützen, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen“, so das Land.

Unter den 15 Projekten sind drei Leuchtturmprojekte. Hinzu kommen zwölf Konzeptgutscheine für Projekte unter anderem in Gutenzell-Hürbel und Tannheim. Der Fördertopf des Sonderprogramms ist damit leer. Konzeptgutscheine gibt es bis zu einer Summe von 20.000 Euro.

Ehemaliger Gasthof Adler könnte beispielhaft sein

„Unsere Region ist reich an denkmalgeschützten Gebäuden, wir brauchen aber auch dringend zusätzlichen Wohnraum vor Ort. Das Förderprogramm des Landes bringt beides zusammen und bietet die Chance, erhaltenswerten Denkmalen neues Leben einzuhauchen. Ich hoffe, dass das geförderte Nutzungskonzept für den Adler in Hürbel künftig beispielhaft für viele weitere Dorfgasthöfe in Landkreis Biberach und darüber hinaus sein kann“, sagt Thomas Dörflinger, CDU-Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Biberach.

Die Eigentümer des Gasthauses Adler in Hürbel erhielten einen Konzeptgutschein, denn auf der Basis einer denkmalfachlichen Grundlagenermittlung mit Bauaufnahme und Schadenskartierung soll ein denkmalgerechtes Nutzungskonzept entstehen, das als Beispiel für die Wiederbelebung ehemaliger und zunehmend vom Leerstand bedrohter Dorfgasthöfe dienen kann, wie das Land berichtet.

Nicole Razavi , Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen, sagt: „Mit diesem Programm haben wir ein starkes und ermutigendes Zeichen gesetzt: Wohnen in Kulturdenkmalen ist möglich und hat einen einzigartigen Charme.“

Minimalinvasives Konzept für den Umbau des historischen Bauernhauses in Tannheim

Diesen Charme versprüht auch das Einhaus St. Medardus ist ein zweigeschossiger verputzter Bau mit Satteldach, welcher nun schon seit mehreren Monaten leersteht. Abschnitte des Hauses seien bis zu 450 Jahre alt, erzählt die Denkmaleigentümerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Das minimalinvasive Konzept zur Wiederbelebung des besonders gut überlieferten Bauernhauses, hat das Land schließlich überzeugt. „Wir wollen so viel wie nötig und so wenig wie möglich verändern“, sagt die Eigentümerin über ihre Pläne.

Haus stammt aus dem 17. Jahrhundert

Die Erbauungszeit ist laut dem Baugutachten, das der Schwäbischen Zeitung vorliegt, auf das Jahr 1660 datiert. Das Haus gleicht von außen im Wesentlichen dem gängigen Bild aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Auch die Innenausstattung „wirkt wie aus der Zeit gefallen, nahezu museal“, wie der Gutachter schreibt. Die letzte von sechs Bauphasen erfolgte in den 1970er Jahren mit einem WC-Einbau im Erdgeschoss des Anbaus.

„Wir freuen uns, dass das Bauernhaus St. Medardus in Tannheim nach der Revitalisierung wieder als Wohnraum genutzt werden kann“, so die Landtagsabgeordneten Raimund Haser ( CDU ) und Petra Krebs (Grüne) in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Der Erhalt denkmalgeschützter Gebäude sei eine innovative Lösung, um das Wohnen der Zukunft zu ermöglichen. „Mit dem Programm ‚Wohnen im Kulturdenkmal‘ bewahren und pflegen wir historische Gebäude und schaffen gleichzeitig einzigartige Wohnräume“, so Krebs und Haser.

„Es gibt bereits zahlreiche gelungene Beispiele im Land dafür, wie man in Kulturdenkmalen Wohnraum schaffen kann“, so Ministerin Razavi weiter. „Viele dieser Projekte unterstützen wir im Rahmen unserer Denkmalförderung Jahr für Jahr. Mit dem Sonderprogramm sind wir jetzt noch einen Schritt weitergegangen: Wir unterstützen damit bereits die Erstellung von entsprechenden Konzepten und fördern verstärkt die Umsetzung besonders spannender Projekte.“

Fördertopf ist vorerst leer

Obwohl der Fördertopf zunächst ausgeschöpft ist, haben die Regierungsfraktionen CDU und Grüne am 8. Dezember angekündigt, in 2023 und 2024 weitere Mittel in Höhe von jeweils 320.000 Euro für das Sonderprogramm zur Verfügung stellen zu wollen. Stimmt der Landtag kommendes Jahr zu, können damit weitere Projekte dieser Art gefördert werden. Eine erneute Ausschreibungsrunde gibt es allerdings nicht mehr.

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