Gospel

Gospel trifft Jazz am Schwanenweiher

Schwendi / Lesedauer: 3 min

Oberelchinger Chor „Hope“ und Big Band Ulm zeigten in Schwendi ihr Können
Veröffentlicht:29.09.2015, 18:14
Aktualisiert:23.10.2019, 23:00

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Blasmusik lag in früheren Zeiten beim Schwendier Schwanenweiher-Gelände, das Teil des Schlossparkes ist, regelmäßig in der Luft. Aber eine Gospel-Messe mit gemischtem Chor und Big Band – dies war am Sonntag eine Premiere für das inzwischen selten genutzte ehemalige Festgelände mit Weiher und großem Pavillion. Der Oberelchinger Gospelchor „Hope“ und die Big Band Ulm konzertierten zwei Stunden lang, „Gospel meets Jazz“ wurde das musikalisch-gesangliche Programm genannt.

Aber warum trafen sich Gospel-Liedgut und Jazzklänge hier am Schwanenweiher in Schwendi? Die Erklärung ist einfach. Der Gospelchor „Hope“ unter der Leitung von Girard Rhoden ist derzeit in Vorbereitung eines Auftrittes in Heidenheim, im Dezember wird dort ein Weihnachtsgospel zu hören sein. Deshalb stand jetzt für den 20-köpfigen Chor ein intensives Probenwochenende an. In der Schlosshofgalerie übten die Sängerinnen und Sänger ihre Partituren. Diese Location hat ihnen Max-Dieter Freiherr von Süßkind-Schwendi zur Verfügung gestellt, seine Tochter Désirée singt in dem Chor. Zum zweiten Probentag kam dann die Big Band Ulm unter der Stabführung von Jens Nüßeler hinzu. Chor und Band werden gemeinsam beim Weihnachtsgospel auftreten. Das Ergebnis der zweitägigen Probenanstrengungen wollten Musiker und Sänger einem interessierten Publikum präsentieren – deshalb das Konzert am späten Sonntag-Nachmittag beim Schwanenweiher.

Etwa 160 Personen, darunter auch ein paar aus Schwendi , hatten vor dem Pavillion Platz genommen und waren gespannt. Wie man zum Publikum ganz schnell einen Draht aufbauen kann, zeigte Chorleiter Girard Rhoden gleich zu Beginn. Stimmbildung für alle war angesagt, die Zuhörer intonierten „Hey Man“ des öfteren, aufgemuntert von Rhoden zu einer deutlichen Mundbewegung, „wie wenn man einen großen Cheesburger ißt“. Der sympathische Chorleiter kennt natürlich die Materie, er ist seit 20 Jahren festes Ensemblemitglied (Tenor) am Ulmer Theater.

In abwechselnden Sets zeigten Chor und Band beim Schwanenweiher-Konzert ihr Können. Den typisch fetzigen Big-Band-Swing zauberte Jens Nüßeler mit 15 Musikern und einer Musikerin hervor. Die Big Band Ulm in der Besetzung mit Saxophonen, Posaunen, Trompeten und der Rhythmusgruppe ließ die Zuhörer an ihrer Spielfreude teilhaben. Komplettiert wurde das Swing-Feeling bei einigen Stücken, wenn Sänger Ralph Merkle zum Mikrofon griff. Musikalität und Ausdruck vereinten die „Hope“-Chormitglieder bei ihrem Auftritt. Sie sangen Spirituals wie etwa „Swing Low, Sweet Chariot“. Auch den traditionellen Gospelsong „Old Time Religion“ brachten sie zu Gehör.

Als der Chor mit „Amazing Graze“ eines der beliebtesten Kirchenlieder der Welt anstimmte, war am Schwanenweiher längst die Dunkelheit hereingebrochen. Kerzen auf den Tischen und die Schwedenfeuer im Gelände leuchteten, des Konzertes letzter Teil stand an. Bei langsam frischen Temperaturen konzertierten Chor und Big Band gemeinsam. Die „Gospel Mass“ von Robert Ray hatte Girard Rhoden mit Sängern und Musikern einstudiert. „Ich war bei der Uraufführung dieses Werkes, geschrieben von Professor Ray, an der Universität Illinois dabei. Ein sehr beeindruckendes Werk, fand ich damals“, erzählt Girard Rhoden. Und diese Einschätzung teilten die Zuhörer in Schwendi hernach auch. In guter Abstimmung agierten Chor und Band, die einzelnen Lieder der „Gospel Mass“ sind sehr rhythmusbetont mit teilweise spannungsgeladenen Akkorden. Insgesamt sechs Teile (Hallelujah, Agnus Dei, Credo, Gloria, Kyrie, Sanctus) umfasst das Werk, für dessen Vortrag alle Künstler am Schwanenweiher mit Beifall bedacht wurden.