StartseiteRegionalRegion BiberachSchemmerhofenDieses Ehepaar hat „Erinnerungen sammeln“ perfektioniert

Sammelserie „Wer bietet mehr?“

Dieses Ehepaar hat „Erinnerungen sammeln“ perfektioniert

Schemmerhofen / Lesedauer: 4 min

Wer bietet mehr? Das Paar aus Schemmerhofen hat viele Urlaube in Frankreich verbracht und seine Erlebnisse in Ordnern festgehalten.
Veröffentlicht:12.09.2023, 11:50

Artikel teilen:

Wer die Wohnung von Eva–Maria und Wolfgang Loda in Ingerkingen betritt, sieht als erstes zwei große Regale, voll mit Ordnern. Viele davon sind beschriftet: „Frankreich erleben“ steht darauf.

Es ist der Titel eines Magazins, den Wolfgang Loda wieder und wieder ausgeschnitten hat, um damit die Ferienberichte seiner Familie zu markieren. Viele Jahrzehnte lang sind sie nach Frankreich in den Urlaub gefahren und haben in den rund 50 Ordnern ihre Reiseberichte und Fotos gesammelt.

Und irgendwann sind unsere Mädchen komischerweise älter geworden und waren nicht mehr so begeistert in den bayrischen Wald zum Zelten zu fahren.

Wolfgang Loda

Frankreichliebe reicht weit zurück

Vor 57 Jahren haben die Lodas geheiratet, die erste gemeinsame Frankreichreise folgte bald darauf. Zunächst einmal eine Freundin von Eva–Maria in Paris besuchen, mittlerweile seien sie aber „überall“ gewesen, sagt sie heute.

„Mir liegt die Sprache und auch die Mentalität der Franzosen“, erklärt sie. Daher habe sie sich schon immer für das Land begeistern können und sie und ihr Mann waren auch lange in der Städtepartnerschaft zwischen Schemmerhofen und Groslay aktiv.

In den ersten Jahren war die Familie oft mit dem Zelt unterwegs, auch nicht immer nur in Frankreich. „Und irgendwann sind unsere Mädchen komischerweise älter geworden und waren nicht mehr so begeistert in den bayrischen Wald zum Zelten zu fahren“, scherzt Wolfgang Loda. Sie kauften daher einen Wohnwagen, mit dem sie oft ohne konkreten Plan einfach losgefahren sind.

Von Lieblingsorten zu Berühmtheiten

Besonders häufig habe sie der Weg nach Mittelfrankreich, zu den Vulkanen und romanischen Kirchen in der Auvergne geführt. „Wenn man das erlebt und vor Ort ist, dann ist das wirklich einmalig.“ Die beiden heute pensionierten Lehrer konnten sich dabei immer besonders für Kultur, Kunst und Religion begeistern — auch wenn auch mal Schwimmen im Atlantik auf dem Ferienprogramm stand.

Er vertieft sich vor dem Wohnwagen in die französische Zeitung und ich male, schreibe und gestalte.

Eva–Maria Loda

Einmal haben sie in der Auvergne zufällig in einer Kirche Abbé Pierre, auch „Vater der Armen“ genannt, bei einer Messe sehen können. Ein anderes Mal sind sie bei Nizza in den kleinen Ort Loda gefahren — passend zu ihrem eigenen Namen. All diese und noch mehr Erlebnisse sind in den Ordnern festgehalten

„Er vertieft sich vor dem Wohnwagen in die französische Zeitung und ich male, schreibe und gestalte“, beschreibt Eva–Maria Loda ihre Urlaubsroutine nach solchen Momenten. So seien mit jeder Reise ein bis zwei Ordner dazugekommen.

Erinnerungen bleiben bis heute

Seit ein paar Jahren waren die Lodas nun jedoch nicht mehr in Frankreich, ihren Wohnwagen haben sie mittlerweile aus gesundheitlichen Gründen „an die nächste Generation weitergegeben“, wie sie sagen. „Ich habe immer gesagt: Wenn wir mal nicht mehr unterwegs sein können, dann können wir einfach einen der Ordner herausnehmen“, sagt Wolfgang Loda. Genau das machen sie nun auch oft. „Wir erinnern uns jeden Tag an irgendwas und fragen: Weißt du noch?“, erzählt seine Frau.

Camping ist auf jeden Fall empfehlenswert, wenn man die großen Plätze meidet.

Wolfgang Loda

Mittlerweile sind die beiden 81 Jahre alt, doch wenn alles klappt, wollen sie im nächsten Jahr mal wieder nach Frankreich fahren — wieder in die Auvergne.

Tipps für Reiselustige

Für diejenigen, die es ihnen nachmachen wollen, haben sie auch ein paar Tipps parat: „Camping ist auf jeden Fall empfehlenswert, wenn man die großen Plätze meidet“, sagt etwa Wolfgang Loda. Auf den kleinen Plätzen käme man nämlich leichter ins Gespräch.

„Und — wie überall im Ausland — sollte man vermeiden sich als Deutscher hinzustellen und zu sagen: Ich weiß wie es besser geht“, sagt er. Stattdessen müsse man offen sein für andere Lebensarten als die eigene. „Frankreich ist wirklich sehens– und erlebenswert“, fasst seine Frau zusammen. „Solche Erlebnisse wünsche ich vielen Menschen.“