Bienchen

Bienchen ergibt sich den Narren

Schemmerhofen / Lesedauer: 3 min

Zünfte stürmen Rathäuser in Schemmerhofen, Mittelbiberach und Warthausen
Veröffentlicht:28.02.2019, 18:18
Aktualisiert:22.10.2019, 12:00

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Einmal routiniert, einmal als Premiere: In Schemmerhofen und Mittelbiberach haben am Gompigen Donnerstag – wie in vielen Gemeinden in der Region – die Narren die Rathäuser gestürmt.

Mühlbachweible, Hoka-Ma und Laiabudel der Narrenzunft Schemmerhofen haben gestern die Herrschaft im Schemmerhofer Rathaus übernommen. Unter den Klängen des Fanfarenzuges der Narrenzunft marschierte die Narrenschar nach der Befreiung der Kinder in der Mühlbachschule vor dem Rathaus auf.

Ohne großen Widerstand rückte Schultes Mario Glaser den Rathausschlüssel heraus. Unter dem Narrenruf „Sche-ho, Sche-ho, Sche-ho“ verlas der stellvertetende Zunftmeister Frank Liebhart die Proklamation. Die Narren seien für ihr Durchhaltevermögen und ihren Arbeitseifer bekannt, verkündete Frank Liebhart, „deshalb werden alle unwichtigen Angelegenheiten im Schnellverfahren bearbeitet“. Während ihrer kurzen Amtszeit würden sich die Narren um die „vergessenen Straßen“ kümmern. Damit die Bahnhofstraße verbessert werde, „werden wir aus der Straße eine Rennstrecke machen und den Gemeinderat verpflichten“, vor jeder Sitzung ein Seifenkistenrennen zu veranstalten. „Wir sind dabei überzeugt, dass dabei viele Köpfe der Gemeinderäte in die richtige Richtung geschüttelt werden“ und ein Antrag auf Straßensanierung bald auf der Tagesordnung stünde.

Auch die Geschwindigkeitsanzeigen an den Ortseingängen sind den Narren ein Dorn im Auge. Es sei einfach nicht gastfreundlich, „dass jeder der ohne Geschwindigkeitsüberschreitung nach Schemmerhofen reinfährt“, mit einem roten Lätschgesicht begrüßt werde. „Wir werden den Lätschgesichtern Clownsmützen und –nasen verpassen“, so der stellvertretende Zunftmeister. Die Verkehrsteilnehmer werden dann in der restlichen Fasnetszeit freundlich begrüßt.

Die Rathausmitabeiter kamen alle als Insekten verkleidet. „Biodiversität ist unser Motto dieses Jahr“, verkündete der entmachtete Bürgermeister Glaser im Bienengewand. „Viele Pflanzen- und Tierarten sind vom Aussterben bedroht, doch in Sche-ho sind sie noch lange nicht tot“. „Wir vom Rathaus als Vorbilder voran, ziehen die bedrohte Tier- und Pflanzenwelt magisch an“. Als Dankeschön an die Narrenschar verteilte Mario Glaser Wildblumensamen. „Das Säen ist nicht schwer, heraus kommt ein buntes Blumenmeer“, dichtete er.

Jubel, Trubel Heiterkeit herrschte danach im Rathaus, auf dem Vorplatz und in den umliegenden Geschäften. Und: Die Gardedamen verteilten die begehrten Fasnetsküchle von Hilde Haller.

Premiere in Mittelbiberach

Auch in Mittelbiberach stürmten die Narren das Rathaus mit ihrem Ruf: „Do kommed se, I sieh’s - d’r Rälle und Laura Lies.“ In den vergangenen Jahren hatte unter Bürgermeister Hans Berg kein Rathaussturm stattgefunden. „Endlich ist es wieder soweit nach so langer Zeit“, dichtete daher Mittelbiberachs Zunftmeister Stefan Kässer. Der neue Bürgermeister Florian Hänle zeigte sich indes fasnachtserprobt. Als gebürtiger Eberhardzeller habe er nicht lange gezögert, als die Narrenzunft auf ihn zugekommen sei, verriet er.

Folgsam gab er den Rathausschlüssel ab und ließ auch die feucht-fröhliche Bürgermeistertaufe über sich ergehen. Der Rathaussturm solle nun wieder zur festen Institution in Mittelbiberach werden, versprach der als Musketier verkleidete Schultes.

Auch in Warthausen hat am Donnerstag ein großer Narrensturm stattgefunden.