Ökolandprojekt

Ökolandprojekt sucht weitere Mitstreiter

Rot an der Rot / Lesedauer: 4 min

Im Frühjahr soll sich in Zell einiges tun – Vortrag über „Das neue Dorf“ am 9. März
Veröffentlicht:02.03.2018, 11:28
Aktualisiert:22.10.2019, 21:00

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Vor mittlerweile zwei Jahren hat die Regionale Wirtschaftsgemeinschaft Allgäu (Rewig) die frühere Demeter-Gärtnerei in Zell übernommen. 2018 will das Team auf dem Gelände einiges verändern und ihre Philosophie der solidarischen Gemeinwohl-Ökologie und -Ökonomie noch mehr Menschen nahebringen.

Es ist bitterkalt in Zell. Minus elf Grad zeigt das Außenthermometer Anfang dieser Woche. Im Gewächshaus hingegen ist es warm, obwohl es dort keine Heizung gibt. Während draußen der weiße Schnee glitzert, ist drinnen alles grün und braun. Die Petersilie sprießt büschelweise in den Beeten, genauso wie Brennnesseln und andere Kräuter. Ein Maus huscht zwischen den Beeten umher, hält kurz inne und flitzt dann weiter. Sichtlich zufrieden blickt Robert Briechle auf die Beete. Er freut sich, dass die Erde, die er und die anderen Ehrenamtlichen seit zwei Jahren nach dem Prinzip der Permakultur bearbeiten, so offensichtlich lebt.

Während es die vergangenen zwei Jahre darum ging, das Projekt zum Laufen zu bringen und die Gewächshäuser neu zu bepflanzen, soll es im Frühjahr 2018 im Außenbereich weitergehen. Geplant ist, dort ein großes Beet anzulegen und nach den Prinzipien der Gemeinwohl-Ökonomie zu bewirtschaften. Doch was heißt das eigentlich konkret? Wer sich mit den Begrifflichkeiten auseinandersetzt, erkennt: Es geht um viel mehr als nur um den Anbau von Gemüse und Obst. Briechle und seine Mitstreiter streben nicht weniger als ein komplettes Umdenken an, und zwar in allen Bereichen. Wie wir miteinander umgehen, wie wir leben und wie wir arbeiten. Gemeinschaftlich soll für die gemeinsame Sache gearbeitet, die Risiken zusammen getragen und der Ertrag untereinander geteilt werden. Anstatt mit Maschinen wird in der Solidargemeinschaft wieder wie früher mit den Händen gearbeitet.

Das Miteinander im Fokus

Diesem Konzept liegt die Theorie des „neuen Dorfs“ zugrunde, entwickelt von dem Hamburger Ralf Otterpohl . Der Professor für Wasserwirtschaft leitet das Institut für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz der Technischen Universität Hamburg. Otterpohl lehrt in Hamburg unter anderem ländliche Entwicklung und ist bereits seit Jahren ein Verfechter der Permakultur. Briechle und er arbeiten seit Jahren zusammen, der Allgäuer Bauer hat mittlerweile den Hof seiner Eltern in ein Modell des „neuen Dorfs“ verwandelt. In seinem Buch beschreibt Otterpohl eine Utopie: Das Dorf der Zukunft ist dabei ein produktives Paradies, das aus vielen kleinen Minifarmen besteht. Die Pächter oder Eigentümer bauen eine Vielfalt von Nahrungsmittel an und stellen auch was sie sonst brauchen, weitgehend selbst her.

Neben der Landwirtschaft soll es auf dem Gelände viele weitere Kleinbetriebe, Werkstätten, Gemeinschaftsbüros, Heilpraxen und häusliche Altenpflege geben. Ein richtiges Dorf eben. Das Leben in der Gemeinschaft soll den Zusammenhalt fördern und die Arbeit mit der Natur alle Menschen wieder erden. Die Wiederbelebung ausgelaugter Böden gilt dabei als wichtiges Ziel, um den nachfolgenden Generationen eine gesunde Erde zu hinterlassen.

Bodenverdichtung ein Problem ?

Briechle sieht in der Verdichtung des Bodens, wie sie durch die Bearbeitung mit Maschinen passiert, ein ernstes Problem. Das sei auch einer der Gründe, warum der Boden 2016, als es in der Region so plötzlich und sintflutartig regnete, das viele Wasser nicht aufnehmen konnte. „Ein guter Boden ist durchlässig und voller Leben. In der Permakultur betrachten wir die Maus und den Regenwurm nicht als Feinde, sondern als Mitarbeiter“, erklärt er. Anstatt immer nur an den Ertrag und eine Gewinnmaximierung zu denken, gehe es ihnen darum, die Natur zu verstehen und ihre Arbeitsmechanismen nachzuahmen. Im Einklang mit der Natur zu leben, bedeute, sich der Natur anzupassen. Und nicht umgekehrt.

Ab dem Frühjahr soll das Gelände in Zell noch häufiger Besuchern offenstehen als im vergangenen Jahr. Es wird Vorträge und andere Aktivitäten geben. Einige der Ehrenamtlichen werden, sobald es die Witterung zulässt, Tipis aufstellen und dort übernachten. Die ehemalige Gärtnerei soll ein Ort des Austauschs und Kennenlernens werden. Außenstehende können vorbeikommen und einfach mitmachen.