Handgelenk

Zupackende kleine Helfer

Riedlingen / Lesedauer: 4 min

Erstmals beteiligt sich die Grundschule am „Blaulichttag“ in der Riedlinger Gemeinschaftsschule
Veröffentlicht:29.10.2019, 19:33

Von:
Artikel teilen:

Am Ende, um kurz vor 12 Uhr, saßen fast 200 Schüler mit verbundenen Handgelenken und verpflasterten Fingern im Hohly-Saal der Joseph-Christian-Gemeinschaftsschule in Riedlingen und spendeten donnernden Applaus. Einen lehrreichen Vormittag zum Thema „Helfen“ erlebten am landesweit begangenen „Helfertag“ die zahlreichen Unterstützer. Schüler der zehnten Klasse waren umsichtige, verlässliche Begleiter und Ansprechpartner. Lob und Geschenke des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) auf Kreis- und Landesebene nahm die Koordinatorin und Organisatorin Angelika Bausch entgegen. Mit Urkunden in den verbundenen Händen wurden die Schüler am vergangenen Freitag schließlich in die Herbstferien entlassen.

„Helfen ist gar nicht so schwierig“

Auf dem Schulhof stand ein Rettungswagen, ein Feuerwehrauto und das Boot der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft , DLRG. Großunfall in der Gemeinschaftsschule? Nein. Die drei Hilfsorganisationen mit ihren Fachleuten waren hier, um den Dritt- und Viertklässlern der Grundschule einen lehrreichen Vormittag mit wichtigen Tipps zu bieten: „Helfen ist gar nicht so schwierig!“ Dazu wurden 16 Stationen eingerichtet, in Klassenzimmern, in Gruppenräumen, im Hohly-Saal, auf dem Schulhof; Rettungswagen und Feuerwehrauto konnten besichtigt, begangen, ausprobiert werden. Die DLRG hat neben ihrem Motorboot verschiedene Rettungsutensilien ausgestellt. Im Viertelstundentakt wechselten die Gruppen. Ihre Aufgaben hießen beispielsweise „Verbände anlegen“, „Bewusstlosigkeit“, „Schütze dein Bestes“ oder „Notruf“.Da sitzt Luna, Achtklässlerin und Schulsanitäterin, mit ihrer kleinen Gruppe in einer Ecke des Hohly-Saales. Die Jüngeren lernen von ihr, sich gegenseitig Verbände anzulegen. Luna, fürsorglich und kompetent, hilft mit den Kompressen, zeigt das korrekte Wickeln der Mullbinde, das Festkleben der Enden. Dass die Grundschüler selbst ausprobieren, einen Verband anzulegen, ist ihr wichtig.

Im Klassenzimmer einen Stock tiefer wird Jonas eben in eine Rettungsdecke gewickelt. „Du siehst aus wie eine Mumie“, witzeln seine Klassenkameraden. Ihm wird warm auf dem kühlen Fußboden in der goldenen Umhüllung. Um die Ecke im nächsten Zimmer sitzt eine ruhige Gruppe, konzentriert. Unter Anleitung von Laura und Dominik schneiden sie sich einen Pflasterstreifen zum Fingerkuppenverband zu und versuchen, ihn sich korrekt anzulegen. Nicht für jeden aus dem Grüppchen ist das eine einfache Aufgabe, da das Pflaster nach einigen Fehlversuchen nicht mehr klebt oder an der falschen Stelle platziert ist.

Fünf W-Fragen beantwortet

Im Erdgeschoss wird das Absetzen eines Notrufes geübt. Im hinteren Bereich des Klassenzimmers stehen die Schüler um ein Telefon. Gemeinsam überlegen sie, wie die Notrufnummer lautet. Alisa tippt sie, mit dem Hörer am Ohr. Gespannte Blicke ringsum. Es klingelt hinter einer abgetrennten Wand. Eine männliche Stimme antwortet. Auf die fünf W-Fragen kann Alisa detailliert Auskunft geben. Sie erhält „Anweisung“, auf den Krankenwagen zu warten und die ankommenden Sanitäter auf sich aufmerksam zu machen.Mit Nico, geübtem Schulsanitäter und selbst bei der Jugendfeuerwehr aktiv, übten die Grundschüler, was bei einem bewusstlosen Mitschüler zu tun ist – vom Ansprechen bis zur stabilen Seitenlage. Immer wieder korrigierte Nico, erinnerte an die richtige Reihenfolge der Handgriffe.

In einem weiteren Klassenzimmer sprach Christiane Hofmann, stellvertretende Kreisjugendleiterin beim DRK Biberach, über die Verletzlichkeit des Gehirns. Es sei wichtig, es beim Radfahren zu schützen. „Da gibt es welche, die sind so cool, dass sie ihre Frisur nicht durch den Helm verunzieren wollen“, sagte sie, während sie Augen und einen verkniffenen Mund auf ein Ei in ihren Händen malte. Plötzlich fiel es ihr aus der Hand: „Hat er sich wohl weh getan?“, fragte sie die erschrockenen Kinder in ihrer Runde. Das nächste, hart gekocht Ei wurde mit einem winzigen Helm aus Styropor geschützt und überstand die Prozedur unbeschadet.

Auf dem Schulhof erhielten die Schüler Einblick in die Arbeit der DLRG. Vor dem Rettungsboot gaben Einsatztaucherin Marlene Ballhaus und Bootsführer Jürgen Engst in ihren roten Arbeitsanzügen Auskunft auf die vielen Fragen der Schüler. Sogar ins Boot halfen sie ihnen. Ebenfalls äußerst interessant war der Rettungswagen. Jede Schublade durften die Schüler öffnen, die Liege ausprobiert werden. Zum Abschluss trafen sich alle Teilnehmer im Hohly-Saal. „Ein tolles Event!“, waren sich die Lehrer einig.