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Stolperstein

Stolpersteine werden im Mai 2016 verlegt

Riedlingen / Lesedauer: 3 min

Spendengelder für das Projekt sind zusammen – 20 Steine werden verlegt
Veröffentlicht:07.06.2015, 20:26

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Auch Riedlingen erhält „Stolpersteine“: Es sind genügend Spenden zusammengekommen, um 20 dieser Steine in Riedlingen zu verlegen. Die Steine erinnern an Opfer des Nationalsozialismus in Riedlingen. Aber bis sie in den Riedlinger Straßen zu liegen kommen, wird noch etwas dauern. Voraussichtlich erst im Mai 2016, so Initiator Jörg Boßler. Denn erst dann hat der Künstler Gunter Demnig , der die Idee der Steine hatte, wieder Termine frei.

Boßler und auch Pfarrer Walter Stegmann, der die Initiative unterstützt, sind mit der Resonanz „absolut zufrieden“. Angefangen vom einstimmigen Gemeinderatsbeschluss dies zu unterstützen, bis hin zum Echo aus der Bevölkerung. „Ich habe keine einzige negative Stimme über das Projekt gehört“, sagt Boßler. Das ist nicht selbstverständlich. So wird etwa in München heftig darüber debattiert.

Prominenteste Kritikerin ist die ehemalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland , Charlotte Knobloch. Sie findet es unerträglich, dass auf den Tafeln mit den Namen ermordeter Juden, die in den Boden eingelassen sind, mit Füßen „herumgetreten“ werde. Doch auch in der jüdischen Gemeinde gibt es viele Befürworter der Stolpersteine. Boßler hält das Projekt für gut und wichtig. Denn durch die Steine sollen die Menschen gedanklich stolpern und sich an die Ermordeten des 3. Reichs erinnern.

Dass er damit nicht allein ist, zeigt sich auch in der Spendenbereitschaft der Riedlinger. 20 Steine sollen in der Stadt verlegt werden, mit 20 Namen von NS-Opfern der Stadt. Jeder Stein kostet 120 Euro, daher waren auch 2400 Euro an Spenden notwendig. Doch zusammengekommen sind über 3000 Euro, so Boßler. „Das hat mich sehr gefreut und ermutigt. Und es hat gezeigt, wie sehr es vielen Riedlingern am Herzen liegt, an unsere ehemaligen Mitbürger und deren Schicksal zu erinnern“, sagt Boßler.

Mit der überzähligen Spendensumme soll das Erinnern an den ehemaligen Riedlinger Bürgermeister Ludwig Walz gefördert werden, entweder durch eine Plakette oder eine Büste. Walz wurde für seinen Einsatz für die Juden während der NS-Zeit als„Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet.

20 Steine sollen in Riedlingen an fünf Orten verlegt werden: Vor der Volksbank am Marktplatz, vor dem Gebäude von „Quick Schuh“, vor der Apotheke und in der Langestraße 8 sowie in der Zollhauser Straße 20. In der Zollhauser Straße lebte der Geschäftsführer des ehemaligen Warenhauses (im jetzigen Quickschuhgebäude) mit seiner Familie. Jedes Opfer erhält einen Stein als Erinnerung, aber die Steine werden familienweise am jeweiligen Ort nebeneinander angebracht.

Künstler in ganz Europa tätig

Bis die Steine in Riedlingen kommen, dauert es allerdings noch rund ein Jahr. Erst im Mai hat Boßler einen Termin beim Künstler Gunter Demnig erhalten. Demnig ist derzeit in Europa mit seinem Projekt unterwegs. An welchem Tag genau die Steine verlegt werden, wird erst zu Ende des Jahres festgelegt.

Nach der erfolgten Terminvergabe, werden nun die Inschriften zusammen mit dem Künstler festgelegt und Boßler nochmals zur Korrektur vorgelegt, bevor sie dann ins Messingblech geschlagen werden. Die Steine stellt der Berliner Bildhauer Michael Friedrichs-Friedlaender her.

Am Tag selbst ist ein kleiner Vortrag von Demnig geplant. Thema des Vortrages: „Stolpersteine Spuren und Wege“. Gunter Demnig skizziert in dem Vortrag seinen künstlerischen Werdegang. Der Vortrag dauert circa 50 Minuten plus anschließender Diskussionsrunde. Zudem ist ein kleines Rahmenprogramm in Anschluss an die Verlegung geplant. Dazu werden alle Spender und interessierte Bürger eingeladen.