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10.000 Studierende

Riedlinger SRH Fernhochschule wächst trotz Wirtschaftskrise weiter

Riedlingen / Lesedauer: 5 min

SRH-Rektor Ottmar Schneck spricht im Interview über Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den Hochschulbetrieb und welche Studiengänge am beliebtesten sind.
Veröffentlicht:29.11.2023, 11:50

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Ottmar Schneck ist Rektor und Geschäftsführer der SRH Fernhochschule - The Mobile University mit Verwaltungsstandort in Riedlingen und Vorsitzender des Verbands der privaten Hochschulen Deutschlands (VPH) mit rund 90 Mitgliedshochschulen.

Im Interview mit Markus Falk spricht er über Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den Hochschulbetrieb, welche Studiengänge in diesem Jahr am beliebtesten waren und warum es noch nicht möglich ist, Quereinsteiger an seiner Schule als Lehrer auszubilden.

Die aktuell wirtschaftlich schwierigen Zeiten spüren fast alle Menschen im Geldbeutel. Wirkt sich das auch auf die Nachfrage nach Studiengängen an der SRH aus?

Wir hatten beim völkerrechtswidrigen Einmarsch des russischen Aggressors Putin durchaus Zurückhaltung bei Interessenten gespürt, da sofort das Thema Rezession und Inflation deutlich wurde und die Menschen mit Kurzarbeit bei Corona schon Krisen durchgemacht haben. Wir wachsen seit Jahren deutlich über dem Marktdurchschnitt. Aktuell haben wir 12.000 Bildungskunden, das heißt 10.000 Studierende und rund 2.000 Zertifikatsteilnehmer. Das sind mehr als dreimal so viel wie noch 2016, beim Start der neuen Hochschulleitung.

Unsere Zielgruppe, Menschen, die neben Beruf, Familie oder Spitzensport ein Studium beginnen, ist in den letzten Jahren besonders betroffen von den Herausforderungen der dynamischen Welt wie Inflation, Rezession, Krankheiten und Krisen und nimmt dennoch den finanziellen und zeitlichen Aufwand in Kauf, um eben um- oder aufzusteigen.

Ist das ein allgemeiner Trend bei privaten Hochschulen?

Ja, die Privaten Hochschulen wachsen allgemein, während staatliche Hochschulen zum Teil deutliche Rückgänge verzeichnen. Menschen wollen sich qualifizieren und am besten bei Hochschulen, die nicht nur staatlich akkreditiert sind, sondern Qualität bieten. Unser Studierendenservice berichtet, dass unsere Interessenten intensivere Beratungen wünschen.

Sie wollen Fragen beantwortet haben zu den Themen „was passiert bei Krankheit, Arbeitslosigkeit, einer Schwangerschaft mit meinem Studium?“ Diese Sorgen können wir ihnen nehmen. Das Prinzip des orts- und zeitunabhängigen Studierens ist das, was das Fernstudium so attraktiv macht. Gerade in turbulenten Zeiten ist die Investition in die eigene Bildung eine Absicherung gegen die Transformationsrisiken im Beruf und die Unwägbarkeiten des Lebens.

Wie meinen Sie das genau?

Das Wachstum der privaten Hochschulen liegt vor allem an der Agilität, mit der wir neue Themen besetzen, wie zum Beispiel Data Analytics, Design Management, Online Marketing oder KI. Das sind auch die Themen, die gebucht werden, obwohl Klassiker wie Psychologie und Betriebswirtschaft immer noch sehr gefragt sind und zu den großen Produkten bei uns zählen.

Ich will es einmal so sagen: Wir passen uns an das Leben unserer Studierenden an und nicht die Studierenden an vermeintliche Stundenpläne der Hochschule. Diese gibt es bei uns letztlich gar nicht, da wir keine Semester haben und jederzeit studiert und Prüfungen abgelegt werden können. Fernstudium bedeutet zeit- und ortsunabhängig und individuell studieren. Das Wachstum der Fernhochschulen unter den Privaten liegt auch an der Individualisierung von Lernen und Kompetenzerwerb.

95 Prozent unserer Studierenden sind berufstätig, viele davon haben Familie und Kinder und nicht wenige sind Spitzensportler, die ein reguläres Studium mit festen Zeitplänen gar nicht in ihr Leben integrieren könnten. Diese Menschen wollen sehr individuell und flexibel Kompetenzlücken für ihr Fort- und Weiterkommen schließen. Unsere Studierenden bestimmen ihr Studientempo und ihren Studienverlauf.

Welche Studiengänge sind an der SRH besonders beliebt?

Psychologie ist und bleibt mit aktuell 1.372 Studierenden der beliebteste Studiengang an der SRH Fernhochschule. Auf Platz drei liegt Wirtschaftspsychologie mit 735 Studierenden und dazwischen ein echter Klassiker: BWL ist mit über 1.000 Studierenden ebenfalls ganz vorne dabei.

Manche Studiengänge haben einfach noch nicht so wahnsinnig viele Studierende, weil sie noch ganz neu am Markt sind wie zum Beispiel der Bachelor-Studiengang Inklusion & Teilhabe oder der englischsprachige Masterstudiengang International Finance.

Sie sagten, man könne jederzeit bei Ihnen ein Studium beginnen und es gäbe keine Semester?

Richtig. Es gibt keine Semester und wir beziehungsweise die Professorinnen und Professoren sowie Mentorinnen und Mentoren betreuen die Studierenden individuell. Theoretisch ist es möglich, bei uns ein Studium zu absolvieren, ohne auch nur einen Fuß vor die Tür zu setzen, was ich natürlich niemand raten würde, denn Begegnungen sind auch wichtig.

Daher bieten wir auch viele optionale Präsenztermine an über 20 Studienorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz und kann an vielen Orten in der Welt jederzeit eine Prüfung abgelegt werden. Ein Studium ist in einzelne Module aufgeteilt und sie studieren, wann sie wollen und wo sie wollen. Natürlich gibt es einen roten Faden und eine so genannte Lernreise, aber sie werden nach Lerntyp unterstützt, da die klassische Vorlesung eben bei und nicht das Hauptlehrmittel ist, sondern vielfältiges Studienmaterial. Dazu zählen Podcasts, Videos, E-Pubs, Quizzes, Live-Vorlesungen, Aufzeichnungen, Live-Events.

Wie sehen sie die Rolle einer Fernhochschule wie der SRH bei der Bekämpfung von Fachkräftemangel?

Gerade durch unsere Flexibilität erreichen wir auch Zielgruppen in Lebensphasen, die an einer Präsenzhochschule gar nicht studieren könnten. Damit tragen wir zur Lösung des Fachkräftemangels bei. Im Übrigen kann man bei uns eben auch aus dem Ausland studieren, was schon 800 Studierende tun, denn Ländergrenzen sind keine Studiengrenzen.

Diese Flexibilität würden wir gern auch für verkammerte und verschlossene Bildungssysteme wie die Lehrerbildung anbieten, stoßen hier aber an gläserne Grenzen der Bürokratie, dabei wären viele Quereinsteiger eben aus dem Beruf heraus interessiert Lehrer zu werden.

Dann wäre eine Fernhochschule doch auch die ideale Möglichkeit für Migranten, sich weiterzubilden?

Natürlich würde sich ein Fernstudium auch für Migranten und Flüchtlinge anbieten, doch da haben wir aktuell wenig Nachfrage, was sicher auch an der Sprachbarriere liegt, obwohl wie vieles auf Englisch anbieten, was aber von Vielen nicht fließend beherrscht wird.

Die Abschlüsse sind dabei gar nicht das Problem, denn hier gibt es Datenbanken mit Abschlüssen aus dem Ausland, die von Botschaften vorgeprüft sind. Das Thema ist eher die VISA-Vergabe und nicht der Berufsabschluss.

Und wie sieht die Fernhochschule der Zukunft aus?

Was unser Studium aktuell natürlich sehr beeinflusst, sind die Entwicklungen durch KI. Hausarbeiten und Thesen werden von diesen Systemen bereits bestens erstellt.

Das heißt für uns, dass wir neue Prüfungsformate finden und auch den eigenen Ansatz von KI bei der Materialerstellung oder der Präsentation von Lehrinhalten neu denken müssen. Die Zukunft ist also noch digitaler und sicher auch internationaler.